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Violet Grohl - Be sweet to me

Violet Grohl- Be sweet to me

Republic / Universal
VÖ: 29.05.2026

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Ode an die Nostalgie

Violet Grohl macht keinen Hehl daraus, dass sie ganz genau weiß, wo sie herkommt. Und auch mit dem musikalischen Hintergrund ihres vorbelasteten Familiennamens hat die 20-Jährige sich hörbar auseinandergesetzt. Der Einstieg der Tochter von Foo-Fighters-Chef und Ex-Nirvana-Drittel Dave Grohl ins Musikbusiness wird von vergleichsweise wenig Unkenrufen begleitet, dabei bietet sie ja eigentlich keine geringe Angriffsfläche. Gegen den Nepotismusvorwurf setzt sie sich allerdings schon zur Wehr, seit sie mit zwölf das erste Mal auf einer großen Bühne stand. Und auch das Wiederverwerten allseits bekannter Stilmittel, die beiden erwähnten Bands zum Ruhm verholfen haben, kann man der Musikerin kaum ankreiden. Wie sehr sich Grohl junior aber schließlich bei einer heute antik anmutenden 90er-Alternative-Ästhetik bedient, war kaum vorstellbar gewesen, da extrem naheliegend. Und um uns allzu offensichtliche Phrasendrescherei über Äpfel und Stämme zu ersparen: Ihr Debütalbum "Be sweet to me" steht "My favorite toy", mit dem ihr Vater gerade wieder die Arenen in Angriff nimmt, in nichts nach.

Schon bei "Show me how" auf dessen "But here we are" hatte Grohl als Gastsängerin ausgeholfen, jetzt knüpft die Amerikanerin mit elf eigenen Songs an diesen Erstauftritt an. Bereits der Titel verkündet: "Hallo, hier bin ich! Seid nett zu mir." Sonst vermutlich Beule. Denn am Artwork, das die Künstlerin im Brautkleid und nachdenklich auf einer Wiese sitzend präsentiert, merkt man gleich: Statt männlich geprägten Flanellhemdenrocks steht hier Riot Grrrl Patin und insbesondere ein (Fashion-)Stil, wie ihn ausgerechnet Courtney Love mit ihrer Band Hole populär gemacht hat. Den findet 30 Jahre später zum Beispiel auch Olivia Rodrigo gut. Grohl hingegen transportiert die althergebrachten Konzepte keineswegs in die Gegenwart, sondern schrubbt Powerchords, als sei es maximal 1995 und das Grunge-Handbuch gerade in zweiter Auflage erschienen. "595" fängt die verwaschene Grundierung jener Ära besonders gut ein und mündet in ein hardrockendes Finale. Der Song handelt von längst vergessenen Fernseh-Sex-Hotlines; im zugehörigen Video inszeniert Grohl sich als Femme fatale mit David-Lynch-Färbung. Hier gilt: Style meets substance. Und schüchtern geht die Künstlerin auch keineswegs zur Sache.

"Thum" klingt derweil beinahe eins zu eins nach einer Kreuzung eines waschechten Queens-Of-The-Stone-Age-Riffs und "Live through this"-Vocals, "Big memory" hingegen so, als hätten The Smashing Pumpkins "Malibu" gecovert. Grohl ist zumeist auf der eher zahmeren Seite ihres Musikstils unterwegs, fiesem Gebrezel überlässt lediglich "Often others" das Feld. Es scheint, als wolle die Musikerin die gesamte Genre-Bandbreite abdecken. Kompositorisch stechen vor allem das heavy-verschleppte "Applefish" und der angezerrte Pop-Rock von "Last day I loved you" hervor. Manch anderer Track hätte dagegen etwas mehr Inspiration im Songwriting vertragen können – und vielleicht auch ein Quäntchen mehr Mut, wie etwa das aggressivere "Cool buzz". Dass Grohls besondere Stärken vor allem in ihrem Gesang liegen, zeigt die Dreampop-Übung "Pool of my dreams", die den aufgestachelten Rest beinahe vergessen lässt. "Be sweet to me" ist somit in erster Linie eine gelungene Ode an eine Nostalgie, die ihre Urheberin nie am eigenen Leib erfahren hat – und trotz kleinerer Monita das bislang grungigste Grunge-Album 2026. Wie konsequent und erfolgreich die blutjunge Musikerin sich den antiquierten Boomer-Sound schlussendlich zu eigen macht, verdient Respekt und Anerkennung. Für die steht sie immerhin schon mit ihrem Namen.

(Ralf Hoff)

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Highlights

  • 595
  • Last day I loved you
  • Applefish
  • Pool of my dreams

Tracklist

  1. Thum
  2. 595
  3. Bug in the cake
  4. Last day I loved you
  5. Big memory
  6. Mobile star
  7. Often others
  8. Applefish
  9. Cool buzz
  10. Pool of my dreams
  11. Plastic couch

Gesamtspielzeit: 32:04 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

fuzzmyass

Postings: 21678

Registriert seit 21.08.2019

2026-06-04 12:16:17 Uhr
Finde ich auch irgendwie... das Konzept ist tatsächlich etwas generisch und statisch, aber war so ziemlich der erste Auftritt oder einer der ersten... wird sich vielleicht noch etwas weiterentwickeln

fakeboy

Postings: 6758

Registriert seit 21.08.2019

2026-06-04 11:30:33 Uhr
Hmmm... Eine etwas gar statische Performance und die Band wirkt sehr generisch. Die Frische, die die Songs beim Hören verströmen, wird dadurch etwas ausgebremst und es wirkt etwas altbacken.

fuzzmyass

Postings: 21678

Registriert seit 21.08.2019

2026-06-04 11:19:03 Uhr
Bug In The Cake live bei Fallon:

https://youtu.be/qP87MkFX_IE?si=RlqgJtj0ksWd_5Kj

fuzzmyass

Postings: 21678

Registriert seit 21.08.2019

2026-06-03 18:48:43 Uhr
"Einige der Songs könnte man sich 1:1 auch von den Foo Fighters vorstellen. Will sie sich da nicht emanzipieren?"

Hat mich auch sehr gewundert, allerdings haben ihre Songs das, was dem Papa seit 4 Alben (exklusive But Here We Are, was ja größtenteils gelungen war) zu sehr großen Teilen abgeht: Frische, Leichtigkeit, Natürlichkeit, etc...

Mr Oh so

Postings: 3678

Registriert seit 13.06.2013

2026-06-03 18:41:27 Uhr
Finde das auch nicht schlecht. Was mich allerdings irritiert, ist die auffällige stilistische Nähe zum Papa. Einige der Songs könnte man sich 1:1 auch von den Foo Fighters vorstellen. Will sie sich da nicht emanzipieren?
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