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Renée Fleming & Béla Fleck - The fiddle and the drum

Renée Fleming & Béla Fleck- The fiddle and the drum

Thirty Tigers / Open
VÖ: 29.05.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Urgewalten

Am 4. Juli jährt sich der US-amerikanische Unabhängigkeitstag zum 250. Mal (betitelt mit dem schönen Zungenbrecher "Semiquincentennial"), und erwartungsgemäß entspricht man dafür in vielerlei Hinsicht dem Klischee der nachgesagten Gigantonomie. Aus europäischer Perspektive kann man sich darüber manchmal ein leicht arrogantes Grinsen nicht verkneifen, wenn schon die heimische Postfiliale mehr Jahre auf dem Buckel hat, doch die Feste feiert man bekanntlich, wie sie eben fallen. Doch abseits der angeblich so oberflächlichen Show-Attitüde und des Zahnpasta-Lächelns bietet die musikalische Kultur der Vereinigten Staaten durchaus viele Schätze. Persönliche Vorlieben hin oder her lässt sich vermutlich nicht bestreiten, dass es kaum einen anderen Ort mit derart großer musikhistorischer Bedeutung gibt wie Nashville, Tennessee. Just an diesem sagenumwobenen Fleckchen Erde haben sich Renée Fleming, ihres Zeichens eine der international profiliertesten Sopranistinnen, und Béla Fleck, 18-facher Grammy-Gewinner und damit mutmaßlich erfolgreichster Banjo-Spieler des Planeten, mit einigen Gästen zur Aufnahme von "The fiddle and the drum" zusammengefunden. Im Fokus des Albums stehen dabei Bluegrass- und Folkstücke zwischen 1870 und 1970 aus der Appalachen-Region; also der Ostküste des Landes, zu welcher man Tennessee noch hinzurechnen darf.

Einer dieser großen Klassiker ist zum Beispiel die Mörderballade "In the pines", unter dessen nahezu unzähligen Adaptionen die Versionen von Bob Dylan oder auch Nirvana (diese unter dem alternativen Titel "Where did you sleep last night?") bekannt sein könnten. Hierzu gesellt sich auf diesem Album nun eine Version mit der mittlerweile 80-jährigen Dolly Parton, deren ungebrochen kräftig hohe Sopranstimme hervorragend mit der von Renée Fleming harmoniert. Flecks instrumentaler Beitrag bleibt durch starken Picking-Fokus im Angesicht zwei solch stimmlicher Urgewalten betont konventionell und versucht dankenswerterweise gar nicht erst, hier in den Vordergrund zu drängen. Ohnehin stellt Béla Fleck seine Virtuosität über das ganze Album hinweg weitestgehend hinten an und sich damit komplett in den Dienst der Stimmen von Fleming und ihrer jeweiligen Featuregäste. Besonders wirkungsvoll gelingt dies bei der titelgebenden "Summer of 69"-Hymne "The fiddle and the drum", welches auch im A-capella-Original von Joni Mitchell naturgemäß reduziert klingt. Fleming schafft es hierbei durch etwas moderne Intonation und weniger holpriges Versmaß als im Original auf subtile Weise, die Botschaft in die Jetztzeit zu transportieren: "Oh, my friend / What time is this / To trade the handshake for the fist?"

"The fiddle and the drum" besinnt sich nicht einfach nur darauf, eine stumpfe Huldigung der eigenen Kultur abzuliefern, sondern besinnt sich der Essenz von Folk als Protest-Medium. Das Album versucht vielmehr eine Art Kassensturz darüber zu machen, welche Probleme das "land of the free" aktuell verkörpert und bereitet auf, was Künstler*innen in früheren Tagen zu diesen Problemen zu sagen hatten. Daraus entsteht somit auch keine bloße Abrechnung mit etwaigen politischen Verhältnissen, sondern eine gefestigte Position eigener mentaler Stärke, welche einem letztlich als moralischer Kompass dienen kann. Oder, vielleicht nochmal eine Spur pathetischer ausgedrückt, gewissermaßen die Seele dieser jungen Nation ausmacht. Derart große Assoziationen zuzulassen, erfordert eben dieses hohe Maß an Kunstfertigkeit, zu dem schlicht nicht viele Interpret*innen in der Lage sind, schon gar nicht, wenn sie sich abseits ihrer "Stammgenres" bewegen – und umso höher ist daher zu bewerten, woran Fleming und Fleck uns durch ihre Auswahl teilhaben lassen.

(Gerrit Phil Abel)

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Highlights

  • In the pines (feat. Dolly Parton)
  • The fiddle and the drum (feat. Jerry Douglas)
  • Pretty bird (feat. Sierra Hull & Sarah Jarosz)

Tracklist

  1. He's gone away / Storms are on the ocean
  2. In the pines (feat. Dolly Parton)
  3. The fiddle and the drum (feat. Jerry Douglas)
  4. My epitaph
  5. The scarlet tide (feat. Vince Gill)
  6. The cuckoo (feat. Jerry Douglas)
  7. Blackest crow (feat. Aoife O'Donovan)
  8. Scarlet ribbons
  9. He's gone away (Reprise)
  10. Pretty bird (feat. Sierra Hull & Sarah Jarosz)

Gesamtspielzeit: 42:11 min.

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Armin

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2026-05-27 20:35:30 Uhr - Newsbeitrag
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