Bleachers - Everyone for ten minutes
Dirty Hit / Universal
VÖ: 22.05.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
Farbpracht in Schwarzweiß
Jack Antonoff ist eine der widersprüchlicheren Figuren im modernen Pop-Zirkus. Als Produzent war er maßgeblich an einigen der meistgeschätzten Alben der letzten Jahre beteiligt, doch geht man nach dem Urteil von Musiknerd-Internet, bewegen sich seine eigenen Veröffentlichungen irgendwo zwischen medioker und Müll. Die oft (zu Unrecht) sehr negative Rezeption kann aber natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass Antonoffs Band Bleachers inzwischen eine mehr als solide Fanbase aufgebaut hat und auch ohne absoluten Stadion-Status immerhin den Madison Square Garden ausverkaufen kann. Die Ungreifbarkeit von Bandleader Jack Antonoff hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass er sich selbst nicht so wirklich auf eine Richtung festlegen kann – was auch das fünfte Bleachers-Album "Everyone for ten minutes" zwischen Elektropop, Springsteen-Verve und an The National geschulter Indie-Ästhetik fortführt. Antonoff folgt seinem eigenen Kopf, füllt seine Songs mit Insidern und obskuren Verweisen und schenkt auch der weniger eingeweihten Öffentlichkeit elf schöne Pop-Stücke, die trotz des üblichen Schwarzweiß-Covers die graue Welt ein bisschen bunter machen.
Wie bereits beim selbstbetitelten Vorgänger sollte man nicht den Fehler machen, von der lautesten Single auf den Rest des Albums zu schließen. In "Dirty wedding dress" verwandeln sich Bleachers in die E-Street-Band, fegen mit Bläser-Schwung und entfesselten Vocals nicht nur durch die nächstbeste Hochzeitsfeier. Im Gesamten gerät "Everyone for ten minutes" allerdings deutlich zurückhaltender, gibt sich lieber dem bewährten Achtziger-Schimmer hin, wie es etwa "We should talk" mit seinem Synth- und Bass-Puls demonstriert. "The van" greift ein Jahrzehnt tiefer in die Vergangenheit, indem es "Just don't want to be lonely" von der Philly-Soul-Band Blue Magic samplet – einer der besagten Insider, da jener Song im Band-Van lief, als Bleachers auf ihrer ersten Tour verloren an einer Tankstelle in, natürlich, Philadelphia rumstanden. Es ist einer von zwei "origin story songs" auf der Platte, wie Antonoff sie selbst nennt. Der andere, "Sideways", kämpft sich mit stampfenden Drums durch ein dichtes Klanggeflecht, bis sich dieses zur orchestral umschwirrten Klimax formt – ein wahnsinnig starker Opener.
Das Gewicht von Antonoffs mittlerweile 13 Grammy-Auszeichnungen für verschiedene Künstler*innen hört man dem Album im positiven Sinne in der Souveränität seiner Produktionsentscheidungen und Stilvielfalt an. "Dancing", eine im Kern kleine Akustiknummer, könnte mit ihrer Inszenierung ganze Lagerhallen füllen, während "She's from before" ein geschmackvolles Arrangement mit Streichern und Banjo auffährt, ohne in Country-Kitsch zu kippen. In "I can't believe you're gone" channelt der Mann aus New Jersey seinen inneren Matt Berninger, um eine feierliche Ballade über Verlust mit einer schlicht wundervollen, von verschiedenen Instrumenten gespielten Hook anzustimmen. Ob seiner hier geradezu greifbaren Ausstrahlung ist es kaum vorstellbar, dass Antonoff den Großteil seines bisherigen Ruhms als Hintergrundarbeiter für andere und nicht als eigener Frontmann erlangt hat.
Und doch wird "Everyone for ten minutes" trotz aller Klasse mit großer Wahrscheinlichkeit nicht das Album sein, das dies ändert. Mit "I'm not joking" und dem am Ende explodierenden "You and forever" gibt es gleich zwei Songs, in denen es nach Antonoffs Aussage um eine seiner größten Ängste geht: das zu bekommen, was man sich wünscht, weil es dann enorm viel zu verlieren gibt. Die ganze Platte kreist um die glückliche Gegenwart und Zukunft mit Antonoffs Ehefrau Margaret Qualley, aber auch um die Schatten der Vergangenheit, bis hin zu den jüdischen europäischen Vorfahren. Auch wenn sie alles in oberflächlich zugängliche Musik gießen, bewahren sich Bleachers in dieser ambitionierten Fülle an Inhalten eine gewisse Undurchdringlichkeit – allerdings ganz bewusst. Wenn sie im gutgelaunten Rausschmeißer "Upstairs at ELS" – eine Hommage an Yazoos "Upstairs at Eric's" – gemütlich trinkend auf dem Dach der Electric Lady Studios sitzen, vermitteln Bleachers den Eindruck, dass ihnen die Reaktionen der Öffentlichkeit ganz schön am Allerwertesten vorbeigehen.
Highlights
- Sideways
- Dirty wedding dress
- I can't believe you're gone
Tracklist
- Sideways
- The van
- We should talk
- You and forever
- Dirty wedding dress
- Take you out tonight
- I can't believe you're gone
- Dancing
- She's from before
- I'm not joking
- Upstairs at ELS
Gesamtspielzeit: 39:19 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
| User | Beitrag |
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JanSpe Postings: 146 Registriert seit 13.03.2025 |
2026-05-29 13:41:00 Uhr
Meine Meinung ist, dass die angeführten Referenzen fragwürdig sind, insbesondere deren Reihenfolge. Die zuerst genannten Fun. höre ich hier kaum raus. Die erste Assoziation, die ich hatte, war mit den (früheren) The National, die ja richtigerweise auch im Text genannt werden. |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30689 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-05-27 20:34:51 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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MickHead Postings: 11845 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-05-22 10:03:07 Uhr
Jetzt komplett bei Bandcamp:https://bleachers.bandcamp.com/album/everyone-for-ten-minutes Musikexpress 4.5/6 https://www.musikexpress.de/reviews/bleachers-everyone-for-ten-minutes-review/ Rolling Stone 4.5/5 https://www.rollingstone.de/reviews/bleachers-everyone-for-ten-minutes-review/ |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30689 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-05-02 21:59:51 Uhr - Newsbeitrag
Liebe LeserInnen,Bleachers veröffentlichen heute ihre neue Single „i’m not joking“. Es ist die letzte Auskopplung bevor das Album erscheint! Hört euch „i’m not joking“ HIER an. Die neue Single „i’m not joking“ wird neben „the van“, „you and forever“ und „dirty wedding dress“ auf dem kommenden fünften Studioalbum von Bleachers, „everyone for ten minutes“, zu finden sein, das am Freitag, den 22. Mai, über Dirty Hit erscheinen wird. |
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MickHead Postings: 11845 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-04-30 19:59:37 Uhr
4. Song "I’m Not Joking"https://youtu.be/jIv0fQeMKKo?si=3Mvanxkz5foooLd7 |
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Referenzen
Fun.; Rooney; Alex Cameron; Huey Lewis & The News; The 1975; Walk The Moon; Foster The People; The Postal Service; Bruce Springsteen; Declan McKenna; The National; The Shins; Hippo Campus; Future Islands; The Naked And Famous; The Killers; Brandon Flowers; Grouplove; Local Natives; King Princess; Conan Gray; Troye Sivan; Claud; Djo; Muna; Finneas; The Aces; Fickle Friends; The Regrettes; Taylor Swift; Haim; Holly Humberstone; Tegan And Sara; Harry Styles; Bon Iver
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