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Armored Saint - Emotion factory reset

Armored Saint- Emotion factory reset

Metal Blade / Sony
VÖ: 22.05.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Damals wie heute

Wir hatten es schon mehrfach thematisiert – eines der größten Paradoxe bei Metal-Fans ist der verklärende Blick auf die Vergangenheit. Metal wollte und sollte immer auch ein Ausbruch aus konservativen Wertevorstellungen sein, aber wenn es sich um die Lieblingsbands dreht, geht doch nichts über die gute alte Zeit. Zu jenen Veteranen gehören unbestritten Armored Saint, die – mit kleineren Unterbrechungen – seit 1982 aktiv sind. Und trotz aller Höhen und Tiefen, durch die die Band gegangen ist, haben sich die Kalifornier über die Jahrzehnte als eine Art Konsens-Band etabliert. Nicht weil sie den Geschmack der breiten Masse bedienen, sondern weil sie über die Jahrzehnte bodenständig geblieben sind und neben wahrhaftigen Klassikern wie "Symbol of salvation" nie wirklich schwache Alben veröffentlicht haben.

"Emotion factory reset" macht hier keine Ausnahme, so viel steht schnell fest. Der Opener "Close to the bone" macht direkt Spaß, sprintet wie ein Rennpferd aus der Box und macht von vornherein deutlich, dass sich die Herren auch im siebten Lebensjahrzehnt eine Menge vorgenommen haben. Was dabei insbesondere auffällt, ist eine geradezu entspannte Leichtfüßigkeit. "Every man – any man" startet mit einem fluffigen Basslauf und biegt erst im Mittelteil wieder in Richtung krachender Riffs ab, nur um im Solopart mit einem feinen Duell zwischen den Gitarristen Phil Sandoval und Jeff Duncan aufzuwarten. Dieses Talent für Hooks kann man nicht lernen, hier spricht die mehr als vier Dekaden lange Erfahrung des Hauptsongwriter-Duos Joey Vera und Phil Sandoval, die einen knüppelharten Song wie "Hit a moonshot" durch einen wunderbaren Refrain auflockern können.

Ganz anders gelagert, nämlich eher episch-balladesk, zeigt sich "Buckeye", dessen Text Frontmann John Bush seiner Tochter gewidmet hat, die zum Studium von Kalifornien nach Ohio – dem "Buckeye State" – gezogen ist. Klingt sentimental? Ist es auch. Aber die Zeiten, in denen Metal-Sänger immer zwingend den harten Watz markieren müssen, sind glücklicherweise vorbei. Und doch markiert der Song eine kleine Zäsur, da der Mittelteil der Platte zwar nach wie vor gutklassig, aber etwas sperrig geraten ist. Eher schon dürften sich der Band bei "Throwing caution to the wind" und "Bottom feeder" die Fäuste entgegen recken – erst recht, da Armored Saint als herausragende Live-Musiker bekannt und geschätzt werden.

Das breiteste Grinsen bewahren sich die Amerikaner allerdings für den Schlussakt auf. "Epilogue" mag dem ein oder anderen einen Abschluss suggerieren, ganz ähnlich wie 2020, als Fates Warning mit Joey Vera am Bass ihr Album "Long day good night" mit "The last song" beschlossen und damit wohl Recht behalten werden. Genau damit spielen Armored Saint augenzwinkernd und stellen für den Moment fest, dass es sich selbstverständlich nur um den Abschluss der Platte, nicht etwa der Karriere handelt. Gut so, denn "Emotion factory reset" zeigt eine Band, die im Herbst ihrer Karriere Routine und Spielfreude gleichermaßen einfließen lassen kann. Das bedeutet natürlich, dass das Niveau von "Symbol of salvation" oder "Delirious nomad" erwartungsgemäß nicht erreicht wird, angesichts der Klasse jener Alben auch nicht erreicht werden kann. Was am Ende aber auch vollkommen egal ist. Denn Armored Saint mögen für US-Metal der guten alten Zeit stehen – und befinden sich doch souverän im Hier und Jetzt.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Close to the bone
  • Hit a moonshot
  • Throwing caution to the wind

Tracklist

  1. Close to the bone
  2. Every man – any man
  3. Not on your life
  4. Hit a moonshot
  5. Buckeye
  6. Compromise
  7. It's a buzzkill
  8. Throwing caution to the wind
  9. Ladders and slides
  10. Bottom feeder
  11. Epilogue

Gesamtspielzeit: 49:56 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Knorpel

Postings: 3

Registriert seit 29.05.2026

2026-05-29 17:20:57 Uhr
Eine Band, die mir nie was gegeben hat.
Habe als junger Metalhead 1991 die euphorischen Rezis zu "Symbol Of Salvation" auch schon nicht geschnallt und zum Glück vorab im Plattenladen reingehört, um festzustellen, dass das so langweiliger Poserkram wie Skid Row ist.

Neytiri

Postings: 1832

Registriert seit 14.06.2013

2026-05-28 17:46:57 Uhr
Die Band, die Metalheads seit nunmehr 4 Jahrzehnten mit leuchtenden Augen empfehlen, nur um danach festzustellen, dass niemand außer sie selbst sie hört.

Ja, okay, Symbol of Salvation war ganz gut, aber was da seither produziert wird, kann wirklich keinen Käufer mehr finden.

Und ich hab mir nach der vielversprechenden Rezension diesen krampfhaften Müll wirklich angehört.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30689

Registriert seit 08.01.2012

2026-05-27 20:34:41 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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