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Pigeon - Outtanational

Pigeon- Outtanational

Memphis Industries
VÖ: 01.05.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Fünf Männer gegen die Genrefizierung

Pigeons must fly, und dem wird Folge geleistet. "Outtanational" flattert nicht etwa nervös durch Genres, sondern zieht in weiten Kreisen Einflüsse aus vielen Welten. Wie ein klassisches Debütalbum einer britischen Band klingt es nicht. Eher wie ein, zufällig durch die offenstehende Tür einer sich stetig energisierenden Straßenparty nach draußen schallender, Magnet. Also wenn der schallen könnte. Es geht doch ums Bild!

Vielleicht wirkt die Platte gerade deshalb so eigentümlich lebendig. Weder Konzeptalbum noch verkopfte Songs. Vielmehr ein Fluss von Instrumenten und Stimme, der an- und abschwillt, sich um Loops wie um Strudel dreht und Ideen erzeugt, die sich langsam festbeißen. Dass Pigeon ihre Songs in gemeinsamen Sessions entwickeln, hört man überall. Kaum etwas wirkt bis zur vermeintlichen Perfektion geschniegelt oder gar endgültig. Man hört fünf Typen dabei zu, wie sie sich, im gegenseitigen Spiel miteinander, permanent neue Richtungen unterschieben, diese dann aufgreifen und weiterentwickeln. Genrefizierung zwecklos. Am ehesten ließe sich noch der Vergleich einer fluffigeren, eklektischeren Spielrichtung Algiers bemühen.

Schon der Auftakt "NRG" eröffnet mit einem altbekannten Sample – so zu hören in Jerome Sydenhams und Dennis Ferrers "Timbuktu (Pan african electro dub)" – und bewegt sich dann warm enchantend zwischen Afro-Disco und No Wave. Die Singleauskoppelung "Black James Dean" stolziert mit diesem wunderbar trockenen Krautrock-Groove durch den Raum, zu dem man gerne tanzen oder randalieren möchte. Gerne auch beides. Die Songtexte selbst wirken zunächst fast beiläufig, bleiben aber, natürlich auch dem Wesen des Loops geschuldet, gut hängen, ja offenbaren dann in der Reflexion erst ihre tiefere Bedeutung. Während der Albumaufnahmen bereitete sich Sänger Falle Nioke, der ursprünglich aus Guinea stammt, auf seinen britischen Einbürgerungstest vor. Dass Fragen von Zugehörigkeit und Bewegung immer wieder auftauchen, ist deshalb kaum Zufall. In "Miami" wirken die Aufzählungen aus Palmen, Eiscreme und amerikanischer Popkulisse fast naiv, bis langsam ins Bewusstsein sickert, wie sehr hier eigentlich von Grenzen die Rede ist. Der Text entstand, als die Band für einen Festivalauftritt gebucht werden sollte, Nioke aber aufgrund der damals noch ausstehenden Einbürgerung nicht frei reisen konnte. "If you close your eyes, it's just like Miami." In "Mirror test" wiederum leuchtet Niokes Kopfgesang durch den Rhythmus wie der Scheinwerferkegel durch den Dunst der Nebelmaschine eines glühenden Konzertabends. Unter all dem hält Josh Ludlows Spiel das Album mit außergewöhnlich tollen Bass-Figuren zusammen.

Und genau da passiert etwas Seltenes: Die Musik wird nie bedeutungsschwer, obwohl permanent Bedeutung in ihr herumwabert. Damit ist das Beeindruckendste an "Outtanational", wie unangestrengt all diese Vielfältigkeit zusammenfindet. Andere Bands würden aus dieser Mischung ein Manifest machen. Pigeon lassen stattdessen den Groove ihre Botschaft verbreiten.

(Jasmin Klemm)

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Highlights

  • NGN
  • Black James Dean
  • 117
  • Mirror test

Tracklist

  1. NGN
  2. Black James Dean
  3. Miami
  4. Horse with a blind
  5. 117
  6. Mirror test
  7. Hype prototype
  8. Future country
  9. Today is another day
  10. Caramel

Gesamtspielzeit: 44:30 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30690

Registriert seit 08.01.2012

2026-05-20 21:25:21 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

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Postings: 2454

Registriert seit 25.09.2014

2026-05-02 07:38:20 Uhr
Das schreibt bandcamp:
Pigeon have evolved out of Afro-disco territory into something moodier and more motor. It's an expansive record indebted to the power of the groove and questing to find the meaning of home, laced with heady krautrock, post-punk and punk-funk.


Dann ist ja alles klar :D

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Postings: 2454

Registriert seit 25.09.2014

2026-05-02 07:36:33 Uhr
Ja, ok, ein bisschen hör ich das. Bass und Stimme gehen aber wiederum Richtung Michael Kiwanuka. Mirror Test hat einen geilen Groove, bisschen (viel) 80er dabei :)

Glufke

Postings: 1526

Registriert seit 15.08.2017

2026-05-01 13:36:02 Uhr
Ich hab bisher die Hälfte gehört und würde die Genre-Beschreibung auf jeden Fall zurück nehmen :D aber basierend auf den drei Vorab-Songs fand ich sie noch halbwegs zutreffend, wie gesagt, hat mich vor allem an Viagra Boys erinnert.

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Postings: 2454

Registriert seit 25.09.2014

2026-05-01 13:29:43 Uhr
Geiles Teil aufs erste Hören. aber fällt das unter Post-Punk? Ich tu mich in letzter Zeit schwer mit Genres, würde aber das schon recht weit entfernt von den Idles, Fontaines etc. dieser Welt sehen.
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