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Roddy McKinnon - Lake

Roddy McKinnon- Lake

Silberblick
VÖ: 08.05.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Keine Katharsis

Wenn Liedermacher eine Albumtrilogie veröffentlichen, in der Trauer eine Rolle spielt, halten sie sich zumeist an eine ungeschriebene Regel: Zum Schluss kommt es zur Überwindung des Tals, zur Befreiung, zur Katharsis. Auf die vermeintlichen "End times" folgt fast immer ein "Tomorrow morning". Als Roddy McKinnon vor zwei Jahren in "Time's a dog" seine Krebsdiagnose verarbeitete, wagte er in einigen Songs einen vorsichtig optimistischen Blick in die eigene Zukunft. Anders als der Songtitel "Spinning lies" suggerierte, klang der Satz "And every summer now I will live will be warmer than the last" nicht nach einer Notlüge, sondern nach einer realistischen Einschätzung. Auch deshalb wünschte man sich beim Hören des damaligen Albums und seines Nachfolgers "Tourist on the moon", dass McKinnon seine Trilogie mit einer LP abschließen würde, in der das lyrische Ich schließlich einen sehr warmen Sommer genießen könnte, genesen, kuriert.

Doch dann … wirft der Songwriter in "Lake" einen Blick zurück. Erinnert sich an das "Old-time radio" und die Telefonseelsorge-Sendung "Allô Macha", in Frankreich einst so kultig wie hierzulande "Domian". Denkt in "Tous les chemins", in die Sprache seiner Wahlheimat wechselnd, daran, wie er einst Glasgow verließ, um sich im französisch-schweizerischen Grenzgebiet niederzulassen. Und ruft sich im verträumten "Close the window" ins Gedächtnis, wie ihn die kalten Nächte am Genfer See einst frösteln ließen. Insbesondere der traumwandlerische Sechsminüter "Southern belle" verdeutlicht, dass McKinnon nicht viel mehr als ein Gitarrenriff und seine tiefe Stimme benötigt, um einen zum aufmerksamen Zuhören zu bewegen. Nur einmal würde man am liebsten weghören, skippen. Das stockfinstere Schlaflied "Crocodile" verbindet einen an den Klang einer Orgel angelehnten Keyboardsound mit einer dank Effektpedal somnambul verhallten Gitarre. Dazu schildert der gebürtige Schotte mit brüchiger Stimme, wie er daliegt, ein Auge offen haltend, wie es die Panzerechse im Songtitel zu tun pflegt. "Das berührt", wäre eine Untertreibung. Den Song zu hören, schmerzt, schließlich ist das lyrische Ich nicht zu trennen von dem Privatmenschen, der hier sein Innerstes nach außen kehrt. Da McKinnon den Elefanten im Raum, den verdammten Krebs, 38 Minuten lang nie direkt anspricht, muss die Antwort auf die Frage "Wie geht es Ihnen?" zwischen den Zeilen gesucht werden.

Nach dem großartigen "Crocodile", dessen Lyrics leider nicht eindeutig als retrospektiv eingeordnet werden können, schweift McKinnons Blick wieder in die Vergangenheit. Einige Zeilen des Closers "Wanted" lassen erahnen, dass es ganz zum Schluss – fast schon ein Klischee auf einem sehr angenehm unklischeehaften Album – nicht um irgendeine, sondern um die große Liebe geht. Lakonisch bleibt der Songwriter auch hier: "I can't live with you", habe die Frau im weißen Kleid gesagt, "but I don't want you with another". Dabei habe sie eine Zigarette in der Hand gehalten, fügt McKinnon an, ehe seine Gitarre verstummt. Was bleibt, ist die Erinnerung. Und für den Hörer, der nicht alles weiß und auch nicht alles wissen muss, die Hoffnung, dass aus der durchweg überzeugenden Trilogie eine Tetralogie werden kann, an deren Ende das lyrische Ich hoffnungsvoll in die Zukunft blickt.

(Dennis Rieger)

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Highlights

  • Crocodile
  • Southern belle
  • Wanted

Tracklist

  1. Old-time radio
  2. Two carpenters
  3. Tous les chemins
  4. Crocodile
  5. Southern belle
  6. Walking the fields of France
  7. Apologies to a mountain
  8. Close the window
  9. Red dragons
  10. Wanted

Gesamtspielzeit: 38:18 min.

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Armin

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2026-05-20 21:24:52 Uhr - Newsbeitrag
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