Mick Flannery - The house must win
One Riot
VÖ: 22.05.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
Bühnenreif
Die Geschichte dieses Albums beginnt bei genauer Betrachtung bereits im Jahr 2005, also etwas mehr als zwei Jahrzehnte zuvor. Da veröffentlichte der irische Musiker Mick Flannery sein Debüt "Evening train", das ihm den Weg zu einer Karriere ebnete, die bis heute vornehmlich ein gutes Stück abseits des größeren Rampenlichts stattfindet. Ausbleibender Ruhm spricht aber ja bekanntlich keinesfalls gegen grundsätzliche Qualität, und so ist es tatsächlich eher bedauerlich, dass das künstlerische Wirken dieses Mannes von vielen bisher unbeachtet geblieben ist. Sein neuester Streich "The house must win" bietet sich nun allerdings als nahezu idealer Einstieg in die Entdeckung seines bisherigen Schaffens an, denn im Kern stehen die Songs seines Debüts – neu arrangiert, erweitert um fast ein Dutzend neuer Kompositionen und in Teilen veredelt durch den Auftritt zahlreicher Zweitstimmen, die den Stücken zusätzlichen Glanz verleihen.
Nach einem kurzen Intro, passend "Overture" betitelt, kommt "Creak in the door" nicht nur direkt als eines der Highlights daher, sondern gehört auch zu den Stücken, die "Evening train" entnommen sind. An der Seite Flannerys und seiner folkigen Musikwelt macht es sich dabei Jenn Grant gemütlich, und die Kanadierin überzeugt mit ihrem versierten Gesangsvortrag. Das folgende "Rising tide" wiederum gehört zu den elf neu komponierten Stücken. In Anaïs Mitchell gesellt sich hier eine Künstlerin dazu, die zuletzt 2022 auf ihrem selbstbetitelten Album überzeugen konnte. Auf "The house must win" als fast einstündigen Gesamtwerk, das die Grundlage für eine dazugehörige Musical-Bühnenadaption des Stoffes bildet, wechseln sich auch hernach bekannte und neue Stücke ab.
Die Geschichte von zwei Brüdern, die sich in dieselbe Frau verliebt haben, wird überwiegend zurückhaltend in Szene gesetzt. Inmitten der vielen ruhigen, aber nie langweiligen Songs finden sich nur selten entschlossene Momente des Ausbruchs. Im Titeltrack beispielsweise rückt Flannery für einen Moment einer kleinen Eskalation näher, bremst sich selbst aber rasch wieder aus. "Let me be" findet später noch mal das Gaspedal, ohne das Rockbiest ganz herauszulassen. Sängerinnen wie Lisa Hannigan, Susan O'Neill oder Marybeth O'Mahony geben sich die Studioklinke in die Hand, bei "I'll be out there" überlässt der Musiker Tabitha Smyth komplett das Ruder, ebenso intonieren O'Mahony und Yvonne Daly "One chance" vollständig ohne sein Zutun. Und im starken "Take it on the chin" mischen seine drei Brüder mit.
Flannery hat sich für die Aufnahmen zusätzlich die Dienste einer Band aus irischen Musikern gesichert. Matthew Berrill, Killian Browne, Niamh Varian-Barry, Dan Bodwell und Dominic Mullan liefern, genau wie die vielen unterschiedlichen Stimmen, ihren Beitrag zum Gesamtwerk und haben großen Anteil daran, das hier tatsächlich alles wie aus einem Guss daherkommt. Keine kleine Leistung, wenn man bedenkt, wie ein ursprünglich als durchaus knappes Album konzipiertes Werk nachhaltig erweitert wurde. Gern folgt man der Geschichte um die beiden Brüder, gern lauscht man den unterschiedlichen Stimmen und der überwiegend zurückhaltenden Instrumentierung. Vorstellen kann man sich recht mühelos, wie eine Bühnenadaption aussehen könnte; den realen Genuss in einer entsprechenden Spielstätte werden dann allerdings wohl wieder nur die Wenigsten genießen können, eine größere Tour ist vorerst nicht geplant. Und so bleibt Mick Flannery auch weiterhin ein Künstler abseits des Rampenlichts, allerdings einer, der sich dort mit großer Qualität als einer der spannendsten irischen Musiker etabliert hat.
Highlights
- Creak in the door (feat. Jenn Grant)
- Take it on the chin (feat. Brian Flannery, Eamonn Flannery, David Flannery)
- The tender
- The house must win
- The rebel (feat. Susan O'Neill)
- Let me be
Tracklist
- Overture
- Creak in the door (feat. Jenn Grant)
- Rising tide (feat. Anaïs Mitchell)
- When I've got a dollar (feat. Yvonne Daly)
- Take it on the chin (feat. Brian Flannery, Eamonn Flannery, David Flannery)
- Grace's waltz (feat. Lisa Hannigan)
- Tripping o'er his trousers
- The tender
- Bonnie rogue
- Talk to me (feat. Jeffrey Martin)
- Daddy
- I'll be out here (Tabitha Smyth)
- The house must win
- The rebel (feat. Susan O'Neill)
- Take me with you then (feat. Yvonne Daly)
- One chance (feat. Marybeth O'Mahony, Yvonne Daly)
- In the gutter
- Let me be
- Bags packed
- All in (feat. David Flannery)
- Ride on
- Evening train
Gesamtspielzeit: 59:03 min.
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Referenzen
Glen Hansard; Niamh Regan; Emily Keating; Jim and Sam; Aldous Harding; Joshua Burnside; Gill Landry; Basia Bulat; Ryan Downey; Rose Cousins; Jesse Marchant; Colin Macleod; Ocie Elliott; Frazey Ford; Liam Robinson; Matthew Berrill; Killian Browne; Niamh Varian-Barry; Dan Bodwell; Dominic Mullan; Anaïs Mitchell; Jeffrey Martin; Jenn Grant; Lisa Hannigan; Susan O'Neill; Marybeth O'Mahony; Yvonne Daly; Tabitha Smyth
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