Darkthrone - Pre-historic metal
Peaceville / Edel
VÖ: 08.05.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
Ungehobelt
Wir wissen ja alle, dass den Antworten einer KI immer mit gesundem Misstrauen zu begegnen ist. So zum Beispiel dieser hier: "'Kauzig' ist ein Adjektiv, das eigenartige, schrullige oder ungewöhnliche Eigenschaften beschreibt, häufig mit einem charmanten oder leicht skurrilen Unterton. Es wird verwendet, um Charaktere oder Verhaltensweisen hervorzuheben, die man nicht jeden Tag trifft." Fachlich richtig, keine Frage. Aber viel zu lang. Metal-Fans können diese Aussage nämlich gerne ersetzen durch ein simples "vgl. Fenriz". Eigentlich ist nicht nur damit über Gylve Fenris Nagell alles gesagt, und all das ist auch nicht wirklich neu. Das Artwork aber, das Fenriz und sein Bruder im Geiste Nocturno Culto dem neuen Darkthrone-Album "Pre-historic metal" verpasst haben, ist an Skurrilität kaum noch zu überbieten. Die Pose ist ja noch okay, da hatte die berühmte Darkthrone-Trilogie aus den Neunzigern noch ganz andere Perlen zu bieten. Aber was bitte soll da die olle Garten-Forke bedeuten, die dort geschwungen wird? Hat der bekennende Hobbygärtner Fenriz (kein Witz!) das Teil höchstselbst aus seinem Schuppen geholt und zur Fotosession mitgebracht? Wir werden es wohl nie erfahren.
Eins ist jedenfalls sicher – KI ist das auf keinen Fall. Mal ganz davon ab, dass das norwegische Duo, das vor sage und schreibe 40 Jahren in der Schülerband Black Death mehr oder weniger unbeholfen zu lärmen begann, ebensolche Unterstützung in der Kunst kategorisch ablehnt. Bei Darkthrone gibt es also nach wie vor Handgemachtes, mit allen Ecken und Kanten, mit der Rohheit eines Proberaum-Demos, dem nur ein Mindestmaß an Produktion angediehen wurde. Ganz genau so wie eben diese Vorbilder, denen "Pre-historic metal" hörbar huldigt. Nun frönen die Skandinavier nach diversen stilistischen Ausflügen nicht etwa plötzlich auch noch dem Proto-Metal der späten Sechziger und frühen Siebziger, sondern setzen dort an, wo viele Genre-Veteranen ihre Metal-Initiation erfahren haben – nämlich bei Venom und vor allem Hellhammer. So viel Tradition muss schon sein.
Dabei greift der Opener "They found one of my graves" zunächst noch auf ein ganz anderes, vom Duo nicht weniger geliebtes Genre zurück, nämlich in die Ursuppe der NWOBHM. Doch bereits hier finden sich Andeutungen, die sich im folgenden Titeltrack Bahn brechen und zwischen wüstem Getrümmer und mit einem wuchtigen "Ugh" in die Schweiz in Richtung Hellhammer grüßen, bevor sich Nocturno Culto an der Phrasierung (wohlgemerkt nicht der Stimmhöhe) von King Diamond zu den frühen Zeiten von Mercyful Fate übt. Dieser Eklektizismus findet sich schon seit geraumer Zeit im Sound der Skandinavier, selten jedoch haben sich NWOBHM, Doom und früher Black Metal so schlüssig die Hände reichen können wie hier. Erst recht nicht, wenn plötzlich ungeahnte Gesangsqualitäten zu Tage treten wie bei "The dry wells of hell".
Wirklich faszinierend an "Pre-historic metal" ist allerdings seine Einfachheit. Ohne den instrumentalen Fähigkeiten der Protagonisten zu nahe treten zu wollen – Prog ist woanders. Es reichen ein, zwei simple Riffs ohne großartige Spielereien, um einen starken Metal-Song zu schreiben. Selbst ein unzählige Male wiederholter Songtitel als Refrain, sonst eher stumpf, macht wie bei "Siberian thaw" Spaß – würden Darkthrone live auftreten, wären hier massenhaft gestreckte Fäuste garantiert. Erbarmungslose Reduktion muss nicht jedem gefallen, was auch für den gewohnt rödeligen Sound gilt. Doch am Ende ist das der Geist, den die Norweger hier wieder zum Leben erwecken – ein paar Kumpels, 'ne Kiste Hopfentee, Verstärker eingestöpselt und ab dafür. Genau das ist der ursprüngliche Kern, aus dem Metal in den Anfangsjahren seine Kraft gezogen hat. Dazu braucht es nur Liebe zur Musik. Für Hochglanz und KI sind andere zuständig.
Highlights
- Pre-historic metal
- Deeply rooted
- The dry wells of hell
Tracklist
- They found one of my graves
- Pre-historic metal
- Siberian thaw
- Deeply rooted
- The dry wells of hell
- So I marched to the sunken empire
- Eat eat eat your pride
- Eon 4
Gesamtspielzeit: 42:44 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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Sneedlewoods Postings: 1922 Registriert seit 07.05.2023 |
2026-05-23 15:23:52 Uhr
In the hall of the mountain king? Mit Sicherheit nicht! Wie gewohnt klingt das neue Album der beiden Mittfünfziger so, als wenn das alles in einer zugigen eiskalten Höhle im Norwegischen Ödand entstanden wäre. Fenriz und Nocturno Culto machen einen großen Haufen alle Konventionen und das seit 40 Jahren und 22 Alben(grobe Schätzung). Man kann sich darauf einlassen, etwas mehr als 40 Minuten einen Par force Ritt durch die dunkle Seite des Heavy Metal in all seiner Rohheit aber auch musikalischen Finesse zu genießen oder mit grausen umschalten.9/10 |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30690 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-05-20 21:23:24 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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