Isaiah Rashad - It's been awful
Top Dawg / Warner
VÖ: 01.05.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
But it won't be
"I'm cut from a sinful nature and I feel afflicted, fallin' over / Ask me who I'm fuckin'? / I've been fuckin' up." Seinen Eröffnungszeilen nach zu urteilen, kommt der Titel von "It's been awful" nicht von ungefähr. In den fünf Jahren seit seinem zweiten Album "The house is burning" hat Isaiah Rashad wieder einiges erlebt. "The new sublime", der Opener des Nachfolgers, hat unter anderem die Inhaftierung seiner Schwester sowie den ewigen Struggle mit der Sucht zu verarbeiten. Mitte der 2010er-Jahre schien dem Rapper aus Tennessee eine ähnliche Karriere wie die vom damaligen Labelkollegen Kendrick Lamar vorgezeichnet, ehe er nach seinem Debüt "The sun's tirade" von der öffentlichen Bildfläche verschwand und mit seinen privaten Dämonen rang. Dabei kämpfte er sich immer wieder nach oben und konnte sich auch ohne den ganz großen Erfolg als geschätzter Künstler etablieren, der introspektive Lyrics mit Southern-Rap-Sensibilität und stilistischer Neugier verbindet. "It's been awful" setzt diesen Weg nahtlos fort.
Musikalisch wie inhaltlich balanciert die Platte Licht und Schatten. "M.O.M." treibt kinetisch, aber auch paranoid nach vorne, während Rashad über Pillen, Elon Musk und staatliche Verschwörungen rappt. Sein unaufgeregter Flow bekommt in "Same sh!t" eine rhythmische Qualität, wenn er sich mit dem düsteren Beat verwebt. So weit ins Dunkel wagt sich der Rest von "It's been awful" nicht, auch wenn der abschließende "719 freestyle" und "Scared 2 look down" ebenfalls mit Trap- und Memphis-Rap-Vibes kokettieren. "I pray for peace but always seem to chase the root of evil", heißt es in letzterem, was das ständige Pendeln zwischen Rückfall und Wiederaufrappeln pointiert. Rashad zeigt den Willen, seine Probleme hinter sich zu lassen, doch ziehen sie ihn immer wieder zu sich zurück. "How I get sober, fucked up, then clean again, I don't know", wundert er sich in "Superpwrs", das sich mit seinen triumphalen Bläsern allerdings klar auf die Seite der Hoffnung schlägt.
Grundsätzlich fährt der Großteil des Albums sonnige, entspannte Texturen auf, vermittelt zumindest auf ästhetischer Ebene Optimismus. "I hate lights in the ceiling", erklärt Rashad in "Supaficial", das mit seinem jazzigen Instrumental samt Saxofon aber ohnehin nur Naturlicht ausstrahlt. Eine vergleichbar smoothe Hook bringt der wundervolle Neunziger-R'n'B von "GTKY", kontrastiert damit seine textliche Schärfe: "You ain't an angel / You my death date." Mit torkelnder Gitarre macht "Boy in red" an anderer Stelle Bedroom-Pop-Freund*innen glücklich und unterstreicht, warum Rashad von Beginn an auch in Indie-Kreisen sehr beliebt war. Der Gastauftritt von SZA ist dabei das effektivste der drei Features auf der Platte. Co-Produzent Julian Sintonia tritt in "Do I look high?" vors Mikro, hinterlässt allerdings nicht so viel Eindruck wie der dezent psychedelische Bass und die Eiseskälte von Rashads Geständnissen: "Never been sober, but I'm tryin' / Last time that I told you that I was, I was lyin'." Deplatziert wirkt nur das generische Geschmachte von Dominic Fike in "Cameras", was wir jetzt einfach mal als Ausdruck der Eigenwilligkeit des Künstlers verbuchen.
Ansonsten gibt es hier glücklicherweise nichts, über das man hinwegsehen müsste. Selbst die aufs erste Ohr weniger auffälligen Tracks beinhalten immer interessante Details – sei es das gedämpfte Piano in "Happy hour", die Sektion einer zerbrochenen Beziehung in "10 states away" oder das Gitarrensolo am Ende von "Nuthin 2 hide", das dessen Kampfgeist spiegelt: "The cut was something severe, but we endured." Die intensivste Wirkung erzeugt das atmosphärisch unheimlich dichte "Ain't givin' up", indem es Khruangbins "White gloves" umstülpt und das Verlorensein seines Protagonisten abbildet, der das High nicht aufgeben kann oder will. Einen anderen Fokus wählt "Act normal", in dem Rashad seine Sexualität reflektiert. Er erzählt, wie er in einer Familie von Sexsüchtigen schon früh mit Internet-Pornografie in Berührung kam und wie dies das Verhältnis zu seinen späteren geschlechterübergreifenden Sexualpartner*innen nachhaltig beschädigte. Es mag vieles "awful" gewesen sein, doch der offene Umgang damit hilft dabei, dass es nicht so bleibt.
Highlights
- Boy in red (feat. SZA)
- Supaficial
- Ain't givin' up
- GTKY
Tracklist
- The new sublime
- M.O.M.
- Same sh!t
- Boy in red (feat. SZA)
- Supaficial
- Scared 2 look down
- Happy hour
- Do I look high? (feat. Julian Sintonia)
- Ain't givin' up
- GTKY
- Cameras (feat. Dominic Fike)
- Act normal
- 10 states away
- Nuthin 2 hide
- Superpwrs
- 719 freestyle
Gesamtspielzeit: 54:16 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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Arne L. Postings: 3241 Registriert seit 27.09.2021 |
2026-05-21 17:48:31 Uhr
Isaiah Rashad macht eine Art von Rap, die ich sehr gut respektieren kann, aber die es bei mir nicht in die Rotation schafft. Das ist so ein ziemlich positiver Vibe, für den ich eher selten Hip-Hop anmache. Ziemlich gut ist es natürlich trotzdem. |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30690 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-05-20 21:25:41 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Referenzen
Kendrick Lamar; A$AP Rocky; Schoolboy Q; Jay Rock; Denzel Curry; Lupe Fiasco; Nas; J. Cole; Aaron May; Cozz; Navy Blue; Mach-Hommy; Cordae; Tyler, The Creator; Vince Staples; Earl Sweatshirt; Pusha T; Big K.R.I.T.; Curren$y; JID; Westside Boogie; Quelle Chris; Freddie Gibbs; Three 6 Mafia; Flying Lotus; OutKast; Earthgang; Mac Miller; Kid Cudi; Chance The Rapper; Lil Yachty; Childish Gambino; Rapsody; SZA; Prince
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- Isaiah Rashad - It's been awful (2 Beiträge / Letzter am 21.05.2026 - 17:48 Uhr)



