Robert Pettersson - Deabolo hypomania
Playground Music Scandinavia AB / KRP AB
VÖ: 17.04.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
Rein ins Vergnügen
Guilty-Pleasure-Alarm! Bereits das Cover-Artwork vom ersten Soloalbum des Takida- und Stiftelsen-Sängers legt nahe, dass hier eher keine Musik für gehobene Ansprüche geboten wird. Sondern unmittelbare Bedürfnisbefriedigung für sympathisierende AOR-Fans, die, insofern sie die Stammbands von Robert Pettersson kennen, auch ahnen dürften, was sie erwartet: zielgerichteter, effizienter, auf konsequente Eingängigkeit getrimmter Melodic Rock – hier und jetzt sogar noch ein Stück flauschiger als im Hause Stiftelsen und erst recht bei Takida. Fast wirkt es, als habe sich Pettersson in Gegenwart seiner Mitstreiter zurückhalten müssen und könne nun endlich genau die Musik machen, die ihm anscheinend seit jeher am Herzen liegt.
Takida, die in Schweden schon lange eine große Nummer sind und zuletzt auch in Deutschland verstärkt von sich reden machten, werden nämlich eher Parallelen zu Bands wie Nickelback nachgesagt. Verantwortlich dafür: großflächige, stadionfüllende Melodien, die zuweilen eher mit Grunge und Alternative Rock zu tun haben, weshalb Pettersson Stiftelsen ins Leben rief, um genau das Gleiche, aber in poppigerer Form umzusetzen – ein Merkmal, das auch auf Petterssons Solodebüt maßgeblich ist, jedoch via noch wattigerer Wellenlängen zum geneigten Gehör vordringt. "Deabolo hypomania" ist ein Album, das durch die Abwesenheit jeglicher Barriere oder Zugangshürde gekennzeichnet ist. Everybody's-Darling-Musik, die aber gerade deswegen vielen zuwider sein dürfte.
Denn natürlich läuft ein Sound dieser Art immer Gefahr, in käsige Klischees oder unangenehme Friede-Freude-Eierkuchen-Ästhetik abzurutschen. Und da "Deabolo hypomania" den an Achtziger-Elementen reichen Kern melodischen Rocks schonungslos offenlegt und bearbeitet, wird in der Tat niemand, der diesem Genre mit überzeugter Abneigung gegenüber steht, irgendeinen Anlass finden, sich damit beschäftigen zu wollen. Der 47 Jahre alte Pettersson, der mit Takida und Stiftelsen bereits insgesamt 15 Alben herausbrachte, ist inzwischen aber auch schon ein alter Hase im Geschäft und hat darum aus Genre-Fan-Perspektive den stilistischen Dreh raus. Es gelingt ihm durchgehend, Melodien und Hooklines genau so am Rande des absturzgefährdenden Geländes zu platzieren, dass die Balance gewahrt bleibt.
Gleich das eröffnende "All these years" ist dafür das beste Beispiel und für Interessierte der Alles-oder-nichts-Moment, in dem sich entscheidet, ob man Pettersson fortan zu seinen Freunden zählt. Der Song ist nämlich zugleich eine Blaupause für das gesamte Album, das mit "About nothing" und dem flotten "In your grace" nur zwei von vielen weiteren Highlights bereithält. Ja, das wäre vielleicht auch was für Fernsehsendungen, die von Andrea Kiewel moderiert werden – aber dann könnte man dort sogar mal reinschauen bzw. reinhören. Die sich ranschmeißenden Songs sind nämlich vor allem auch durch Petterssons überaus angenehme Stimme eine einladende Erfahrung, was besonders bei ruhigeren Titeln wie "You", "Pillar of Davidson" und "Afterlife" zur Geltung kommt. Dass der Schwede, der an einer bipolaren Störung leidet, hier textlich durchaus ernste Themen anschlägt, steht übrigens im starken Kontrast zu der allgemeinen Wirkung des Albums. "Deabolo hypomania" ist trotz einer gewissen hintergründigen Melancholie ein überaus positives, manchmal geradezu überschwänglich stimmendes Werk. Guilty Pleasure eben – mit der Betonung auf "Pleasure".
Highlights
- All these years
- About nothing
- You
- In your grace
- Afterlife
Tracklist
- All these years
- Just to make you laugh
- Bipolar crack
- About nothing
- Echoes
- You
- Something good
- Black swans
- In your grace
- Pillar of Davidson
- Afterlife
- Black swans - Piano version
Gesamtspielzeit: 45:28 min.
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Referenzen
Stiftelsen; Takida; Asia; Space Elevator; Cinderella; Brother Firetribe; ABBA; Keane; Styx; Foreigner; House Of Lords; HIM; Sunrise Avenue; Leverage; Liquido; Reamonn; Embrace; Gotthard; Bee Gees; H.E.A.T.; Treat; Modern Talking; The Rasmus; Boney M; OneRepublic; Nickelback; Awolnation; Bryan Adams; Poets Of The Fall; A-Ha; Revolverheld; Roxette; 30 Seconds To Mars; Jefferson Starship; Cheap Trick; Rainbow; The 69 Eyes; Innfight; Boston; 3 Doors Down; Theory Of A Deadman; Take That; Heart; Coldplay; RPWL; Phil Collins; Imagine Dragons; Village People; Bananarama; Erasure; Europe; Electric Light Orchestra; Wham!; Texas; Pet Shop Boys
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