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Noah Kahan - The great divide

Noah Kahan- The great divide

Republic / Universal
VÖ: 24.04.2026

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Mehr ist weniger

"Oh, everything you see out here will die." Mit impressionistischem Piano und einer klaren Lyrik, die auch den eigenen Medikamentengebrauch thematisiert, ist "End of August" ein Opener, der nicht den einfachsten Weg wählt. Dass direkt danach ein seelenloses Mumford-&-Sons-Pastiche wie "Doors" folgt, steht sinnbildlich für die Frustration mit Noah Kahans viertem Album. Der Vorgänger "Stick season" samt seines auf TikTok gehypten Titeltracks bescherte dem Singer-Songwriter aus Vermont 2022 den kommerziellen Durchbruch – nicht gerade auf Ed-Sheeran-Niveau, aber immerhin genug für eine Grammy-Nominierung und eine bemerkenswerte Fanschar. Künstlerisch konnte er sich von den Hoziers dieser Welt allerdings noch nicht abheben, woran auch das von Aaron Dessner mitproduzierte und bereits extrem erfolgreiche "The great divide" nichts ändert. Vor allem mit dessen Aufgeblähtheit tut sich Kahan keinen Gefallen: Wenn die musikalische und textliche Substanz selbst für eine normale Dreiviertelstunde zu dünn ist, droht eine Laufzeit von fast 80 Minuten selbst die zweifelsfrei vorhandenen guten Momente zu ersticken.

Die einprägsamsten Resultate erzielt die Platte, wenn sich stilistisch klar konturierte Stücke aus der Folk-Pop-Soße schälen. "Paid time off" entwickelt sich in der zweiten Hälfte zur beschwingten Country-Nummer, die ein plastisches Bild von Kleinstadtmentalität zeichnet: "Someone once told us there's a world out there, but we don't care enough to drive that far / It's been a damn near perfect day, just gettin' high at the outlet mall." In "American cars" lebt Kahan seinen inneren Sam Fender aus und gibt eine durchaus gute Figur ab – deutet jedoch auch die thematische Redundanz an, die sich im weiteren Verlauf durch das Album ziehen wird. Mit "Haircut", "Willing and able" und "Dashboard" geht es in drei direkt aufeinanderfolgenden Songs um die Rückkehr eines Stars in seine Heimatstadt und die wenig einladenden Reaktionen darauf. Zugegeben: Zeilen wie "You walked into a haunted house and got angry at the ghosts" oder "Trying to run away, change your zip code / Turns out that you're still an asshole" sind für sich genommen wirkungsvoll, während "Willing and able" auch eine Geschwisterbeziehung behandelt. Doch wenn zu den immergleichen Songstrukturen auch textliche Muster dazukommen, macht es die Hörerfahrung nicht erträglicher.

Dabei kann es Kahan so viel besser. Der Titeltrack ist ohne Einschränkungen großartig: ein berührender, geschmackvoller Pathos-Rocker mit nuanciertem Storytelling und einer mitreißenden Klimax. Kaum zu glauben, dass aus der Feder desselben Künstlers die schwachbrüstigen Spitzen gegen eine Ex aus "Downfall" stammen – oder ein ebenso lahmes Liebeslied wie "We go way back" mit Eins-a-Wandtattoo-Poesie à la "Heaven is a drink in the backyard." Es ist auch schade, dass die glattpolierte Textur von "The great divide" oft seine textlichen Höhepunkte unterdrückt. "23" und "Porch light" erzählen in ihrem Detailreichtum nahegehende Geschichten von Sucht respektive der Enttäuschung einer Mutter, doch erlauben sich weder Kahans Stimme noch die Produktion irgendeine Form von Ausbrüchen, welche die emotionalen Tumulte transportieren.

Die fehlende Dynamik zieht sich bis ins letzte Albumdrittel, wenn es – im Langweiligkeitsmonument "Spoiled" gipfelnd – drei zurückhaltende Akustikstücke hintereinander rausschießt. Immerhin gibt es hier auch den schmissigen Pop-Rock von "Deny deny deny" und "All them horses", das mit Bon-Iver-Falsett und fein arrangierten Streichinstrumenten überzeugt. Kahan plagen Schuldgefühle, während der Flut 2023 nicht in Vermont gewesen zu sein, und er geht hart mit sich ins Gericht: "I'm a sidewalk preacher with a record deal / I'm the weight of new sneakers on some dead wood." "Headed north" markiert derweil einen der seltenen Momente, in denen Kahan so scharf gegen andere wie gegen sich selbst schießt: "If I see one more Cybertruck, I swear to God, I'm gonna floor it." Im abschließenden "Dan" hat er allerdings nicht mehr zum aktuellen Zustand seines Heimatlands zu sagen, als dass alte Freunde jetzt lieber über Politik streiten, als eine gute Zeit zusammen zu verbringen. Halbherzigkeit steht der Stadionkarriere freilich nicht im Weg – doch in den vergangenen 80 Minuten hat Noah Kahan eigentlich oft genug angedeutet, dass er damit nicht zufrieden sein kann.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • End of August
  • American cars
  • The great divide
  • Deny deny deny
  • All them horses

Tracklist

  1. End of August
  2. Doors
  3. American cars
  4. Downfall
  5. Paid time off
  6. The great divide
  7. Haircut
  8. Willing and able
  9. Dashboard
  10. 23
  11. Porch light
  12. Deny deny deny
  13. Headed north
  14. We go way back
  15. Spoiled
  16. All them horses
  17. Dan

Gesamtspielzeit: 77:20 min.

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Armin

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2026-05-12 19:45:20 Uhr - Newsbeitrag
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