Ultha - A light so dim
Vendetta / Broken Silence
VÖ: 02.04.2026
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
Mehr Licht
"A light so dim" heißt das fünfte Album der Kölner Band Ultha, und ab der Sekunde, in der dies bekannt wurde, ist das ganze Werk auch schon zu hören. Sie haben es also wieder getan: wie auch schon bei "All that has never been true" ohne viele zusätzliche Worte, nur wenige kurze Infos. Nachdem der Vorgänger eine Trilogie beendet hat, hat sich das Quintett nun ein neues Thema gesucht, Motive für übellaunig tönenden Lärm gibt es schließlich genug. Der Start jedoch ist erst einmal ungewöhnlich: Ob zufällig oder nicht, einige Elemente des instrumentalen Openers erinnern ans Schimmern des "Plainsong" von The Cure. In dessen Lyrics wird das Ende der Welt in Robert Smiths unnachahmlicher Art besungen. "A light so dim" fängt dieses Thema ebenfalls ein – in einer ganz eigenen musikalischen Art. Es ist ein Konzeptalbum, in dem ein unbekannter Erzähler in einer komplett aus den Fugen geratenen Welt aufwacht und versucht, dort klarzukommen. Was anno 2026 kaum Fiktion benötigt und viel Raum für Emotionen und Gefühlslagen birgt. Eines dieser Gefühle scheint Wut zu sein, zumindest, wenn der Sound des folgenden "Love as we're falling down" Garant dafür sein soll, was dieser Song ausdrücken will. Trotz des Konzeptwerks sind die Informationen zum lyrischen Inhalt der einzelnen Stücke recht spärlich. Trotz all der Heftigkeit, allen Black-Metal-Elementen, ist der Song spätestens im dritten Durchgang erstaunlich groovend.
Die Gesamtspielzeit von "A light so dim" beträgt 74 Minuten, verteilt auf zehn Stücke. Viel Raum also, "Her still singing limbs" nutzt auch direkt einmal knapp elf Zeigerumdrehungen und zeigt, dass Ultha nicht nur im Intro mit Genre-untypischen Sounds experimentieren. Wäre das geschriene Gekeife nicht, würde der Track glatt als Prog-Metal durchgehen. Wird er in den ersten Minuten vor allem von einem stets wiederholten Gitarrenmotiv dominiert, biegt er später unter Clean-Gesang in ein Epos ab, an dessen Ende Dark-Jazz-Anleihen, Spoken Words und ein heftiger Ausbruch zu Buche stehen werden. Das doomige "What's yours is yours to carry" zieht endgültig andere Seiten auf: Dank der düsteren, aber fein samtenen Stimme von Pardis Latifi (Daevar) setzen Ultha plötzlich auf eine ganz andere Karte. In diesem Song sind Ultha etwa den Großtaten von Isis näher, als je zu erwarten war. Das Geballer von "He upon our heads" ist danach nur konsequent. Jenes Wechselspiel zwischen komplett wilden Genreausflügen und klassischem, zackigem Lärm findet sich regelmäßig, und immer wieder ist erstaunlich, was die fünf Musiker noch alles so an Ideen haben.
Aus vielen Genres nur das Beste: "A light so dim" mag weit über eine Stunde vereinnahmen, wird dabei aber nicht eine Sekunde überflüssig, so viele Wendungen nimmt es. Mal erinnern Ultha in der Grundstimmung tatsächlich an The Cure, mal reduzieren sie sich nahezu bis zur Selbstauflösung, wie im Piano-getriebenen "Cherry knots (The sun shines through you)", um kurz danach wieder einen wilden Wespenschwarm auf die Ohren des Publikums loszulassen, wie sonst etwa Wiegedood. Zum Ende hin holen Ultha noch einmal alles heraus mit dem Doppel "The quiet current", welches eingangs sanften, fast flüsternden Gesang präsentiert und sich unausweichlich aufbaut, ehe dann die ersten eingependelten Akkorde den Zwölf-Minuten-Closer "To part the abelia springs" ankündigen. Prog-Rock, Black-Metal, ein Maximum an Sound, an Ausdruck, an Eindrücken. Hier alles gleichzeitig. Motive vom Anfang, von "Love as we're falling down" wirken nun ein zweites Mal präsentiert. Und ganz zum Ende hin läutet mit dem infernalisch-vielstimmenden 40-köpfigen "Chor Der Damen Ohne Namen" aus Köln das letzte Wort dieses ergreifenden, einnehmenden, fantastischen Werks.
Highlights
- What's yours is yours to carry
- Cherry knots (The sun shines through you)
- The quiet current
- To part the abelia springs
Tracklist
- The unseen world
- Love as we're falling down
- Her still singing limbs
- What's yours is yours to carry
- Hex upon our heads
- Sister faith & sister chance
- Cherry knots (The sun shines through you)
- Pink lights soiling to copper
- The quiet current
- To part the abelia springs
Gesamtspielzeit: 73:55 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30575 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-05-04 20:55:02 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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fluppeaufex Postings: 528 Registriert seit 29.10.2019 |
2026-04-25 13:11:37 Uhr
Großartig, ein absolut stimmiges Album von A bis Z welches so viel anders macht als die Vorgänger aber immer noch zu 100% nach Ultha klingt. Highlights: to part the abelia springs & cherry nots |
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Glufke Postings: 1484 Registriert seit 15.08.2017 |
2026-04-23 22:07:57 Uhr
Verdient jetzt mal einen eigenen Thread. Aus dem Black-Metal-Bereich mag ich nur einzelne Sachen und dachte beim ersten Hören, dass auch das hier nichts für mich ist. Nach den Traumwertungen überall habe ich es heute nochmal angemacht und bin jetzt doch positiv überrascht. "Sister Faith..." und "To Part the Abelia Springs" haben es mir direkt angetan und der Rest entfaltet sich auch allmählich. Der Vorgänger wurde hier ja renzensiert - kommt hierzu auch noch was? Wurde ja ziemlich überraschend veröffentlicht. |
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Referenzen
Wiegedood; Fluisteraars; Sunken; Panopticon; Paysage d'Hiver; The Cure; Wolves In The Throne Room; Der Weg einer Freiheit; Downfall of Gaia; Phantom Winter; Daevar; Messa; Isis; Neurosis; Violet Cold; Liturgy; Wolvennest; Oranssi Pazuzu; Deafheaven; Nearea; Celeste; Oathbreaker; Year Of No Light; Ne Obliviscaris; Persefone; The Ocean; Mantar; Alcest; Gaerea
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