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Social Distortion - Born to kill

Social Distortion- Born to kill

Epitaph / Indigo
VÖ: 08.05.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Zeitlos

Man muss sich dieser Tage erst wieder daran gewöhnen, dass Punkrock-Songs länger als zweieinhalb oder gar drei Minuten dauern dürfen. In einer Zeit, in der selbst Gitarrenbands ihre Ideen oft auf TikTok-kompatible Schnipsel einkochen, wirken vier Minuten Laufzeit plötzlich wie ein stiller Protest. Social Distortion ignorieren diese Logik konsequent, und das nicht erst seit gestern. Die meisten Songs auf dem mit "Born to kill" betitelten achten Studioalbum nehmen sich Zeit, oft vier Minuten oder mehr. Nicht, weil sie sich verlieren, sondern weil sie es immer so gemacht haben. Dabei hätte man fast vergessen können, dass das Fullerton-Quartett um Mike Ness überhaupt noch Alben macht. Etwas mehr als fünfzehn Jahre sind seit "Hard times and nursery rhymes" vergangen. Dazwischen folgten Tourneen, Gerüchte und ein langsames Verschwinden aus der öffentlichen Wahrnehmung. Relativiert wurde all dies durch das Bekanntwerden der schweren Krebserkrankung von Mike Ness, was die Perspektive auf vieles verschoben haben dürfte. So auch auf ein neues Album.

Dass "Born to kill" überhaupt existiert, wirkt deshalb weniger wie ein regulärer Release und mehr wie ein hart erkämpftes Nachspiel. Und genau so klingt es auch: nicht verzweifelt, aber bewusst. Gleich der eröffnende Titeltrack kommt mit jener Mischung aus Trotz und Selbstbehauptung daher, die Ness seit Jahrzehnten trägt. Keine Neuerfindung, eher eine Zuspitzung des eigenen Mythos: Der sich durchbeißende Underdog und der Außenseiter, der nie einer sein wollte. In musikalischer Hinsicht bleibt es bei der klassischen SD-Mixtur aus einem schnellen, direkten Punk-Vibe mit einer gehörigen Portion breitbeinigem Rock'n'Roll. Gepaart wird das alles nicht nur hier mit teilweise ausufernden Gitarrensoli und Instrumentalpassagen, von denen es hier und da auch etwas weniger hätten sein können, wenn man ehrlich ist. Aber irgendwo müssen die vier Minuten ja herkommen. Im darauffolgenden "No way out" geht es weniger um Pose als um Bilanz. Entscheidungen, Zufälle und Konsequenzen, die das Leben so mit sich bringt. "The way things were" wiederum blickt zurück auf die frühen Tage in Fullerton. Auf eine Jugend, die längst Teil der Bandgeschichte geworden ist. Das Ganze hat fast schon dokumentarischen Charakter und wird von einer gewissen Melancholie bei gedrosseltem Tempo begleitet.

Ursprünglich wohl schon in den "Hard times and nursery rhymes"-Sessions entstanden, beinhaltet "Tonight" viele klassische SD-Elemente: melodisch, refrainlastig, groß arrangiert und mit ordentlich Pathos als Topping, was prinzipiell auch für die etwas kompaktere Punk-Hymne "Partners in crime" gilt. So spielen sich Mike Ness und Konsorten durch eine Dreiviertelstunde, die ihnen vermutlich keine neuen Fans bescheren, aber dafür die Anhänger der ersten Stunde bei Laune halten wird. Daran wird auch der leichte (Stil-)Bruch in Form der Country-Ballade "Crazy dreamer" mit seinem lyrisch überschaubaren Refrain "Crazy dreamer / With your crazy dreams / Crazy dreamer / Come dream it with me" und einer auf Nummer sicher gehenden, auf Experimente komplett verzichtenden Coverversion von Chris Isaaks "Wicked game" nichts ändern. Dafür machen auch Stücke wie "Never going back again" oder "Don't keep me hanging on" zu viel Laune. Der Sound bleibt erkennbar, die Dramaturgie vertraut und die Haltung konstant. Man könnte das als Stillstand lesen oder als Konsequenz einer Band, die ihre Sprache längst gefunden hat und sie nicht mehr neu erfinden muss. Man hört und sieht sich in den Clubs und auf den Festivals, aber mit Sicherheit nicht auf TikTok. Und das ist auch gut so.

(Jochen Gedwien)

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Highlights

  • Born to kill
  • The way things were
  • Tonight

Tracklist

  1. Born to kill
  2. No way out
  3. The way things were
  4. Tonight
  5. Partners in crime
  6. Crazy dreamer
  7. Wicked game
  8. Walk away
  9. Never going back again
  10. Don't keep me hanging on
  11. Over you

Gesamtspielzeit: 45:51 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

xsuffx

Postings: 58

Registriert seit 12.03.2024

2026-05-09 20:43:42 Uhr
...stimmt, "Partners In Crime" zündet jetzt nach 3-4 Durchläufen auch.

Und das Duett mit mit Lucinda Williams finde ich auch gelungen (btw netter Break so mitten im Album) - warum sollte man das der Band in dem gesetzten Alter nicht zugestehen?

K.a. welcher (frustrierte?) Trottel das Rolling Stone-Review geschrieben hat, aber das Magazin hat eh keine bedeutsame Relevanz.

fuzzmyass

Postings: 21433

Registriert seit 21.08.2019

2026-05-09 02:44:28 Uhr
Wunderschönes Album geworden, sehr rund und im Gegensatz zum Vorgänger ohne jegliche Rohrkrepierer-Songs... sehr simpel, aber sehr beseelt, schwung- und stimmungsvoll... tolles Duett mit Lucinda Williams, selbst das Wicked Game Cover ist sehr gelungen...
schon jetzt große Lust auf das Konzert Ende Juni...
Top!!!

Dagon

Postings: 275

Registriert seit 14.06.2013

2026-05-08 18:32:33 Uhr
Die ersten zwei Höreindruck sehr positiv. "Born to kill", "Partners in crime" und insbesondere "Over you" klingen fantastisch.
Und ja - es hat sich nichts geändert. Ich bin sehr zufrieden. ;)

JanSpe

Postings: 141

Registriert seit 13.03.2025

2026-05-08 18:23:22 Uhr
Die Scheibe klingt in jeder Hinsicht (auch Mike Ness' Gesang) als hätte sie genauso gut einen Tag nach "Hard times..." herauskommen können. Nichts hat sich geändert. Gut so.

fuzzmyass

Postings: 21433

Registriert seit 21.08.2019

2026-05-08 10:15:17 Uhr
The Way Things Were finde ich etwas lahm, aber Partners In Crime und vor allem Born To Kill finde ich absolut klasse, besonders letzterer macht unglaublich viel Spaß... bin sehr gespannt auf das Album, Plan ist heute Abend in aller Ruhe zu hören
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