Ringo Starr - Long long road
Capitol / Universal
VÖ: 24.04.2026
Unsere Bewertung: 5/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
Dann ist es halt eben so
Wer kennt das nicht? Menschen, mit denen man jahre- oder jahrzehntelang eine gemeinsame Leidenschaft genossen hat, kommen irgendwann an einen Wendepunkt und machen urplötzlich nochmal ganz was anderes. Da gibt's zum Beispiel den eingefleischten (höhö) Barbecue-Aficionado, der auf seine alten Tage den Veganismus entdeckt – oder auch die Atheistin, die spät zur fleißigen Kirchgängerin wird. Alles voll okay, aber solche Richtungs- und Gesinnungswechsel können halt in langjährigen Freundschaften zu der einen oder anderen Adaptionsschwierigkeit führen. Ungefähr so ist das auch mit Ringo Starr, der bereits 2017 auf "Give more love" einen leichten Flirt mit der Countrymusik hinlegte, um beim Nachfolger "Look up" dann diesbezüglich Ernst zu machen. Das aktuelle Werk "Long long road" führt diesen Weg unbeeindruckt fort, mit Coverversionen und eigenen Kompositionen. Wir müssen uns offenbar damit abfinden, dass Ringo jetzt "beide" Musikrichtungen macht, nämlich Country undWestern. Womit es sich allerdings nicht ganz so leicht abfinden lässt, ist das Qualitätsniveau, auf dem das stattfindet – da reißt auch die erneute Zuarbeit des üblicherweise stilsicheren T Bone Burnett nicht so richtig was raus.
Wer die Tracklist einmal von vorne nach hinten liest, den befällt bereits eine Ahnung: Allzu tiefgründig geht's hier nun wirklich nicht zu. Was sich auf der musikalischen Ebene bedauerlicherweise fortsetzt. Es werden so ziemlich alle Genre-Klischees bedient, so geben sich im Opener "Returning without tears" archetypische Instrumente die Klinke in die Hand: Hier pluckert ein Banjo, dort fiedelt eine Fiedel, eine Pedal Steel Guitar fungiert als Gleitmittel und die Drums rumpeln so daher. Der Folgetrack ist dann auch gleich in seiner musikalischen und lyrischen Vorhersehbarkeit fast schon waffenscheinpflichtig – und man möchte eigentlich schon nach ein paar Takten weiterskippen: Was wiederum eine gute Idee ist, denn "I don't see me in your eyes anymore" trägt in Sachen Kitsch und Schunkeligkeit so übertrieben dick auf, dass es schon wieder richtig geil ist. Da bimmelt ein Hackbrett, es jault etwas Theremin-artiges, es gibt aber auch Doo-Wop-Gesang im Hintergrund – und plötzlich kommen im Refrain ein paar recht pfiffige und unerwartete Akkordfolgen ums Eck: Ja, das kann man mit einem randvoll eingeschenkten Rye Old Fashioned in der Hand jetzt fast schon wieder genießen.
Doch dann folgt wieder Mittelmaß: "Why" stellt ganz zu Recht die Sinnfrage, und bei "You and I (Wave of love) ist schon der Text besorgniserregend: "I'm riding on a wave of love / You're the one that I'm thinking of" – das ist, könnten böse Zungen spotten, die Fortführung von Matthias Reim mit anderen Mitteln. Zum Glück verstecken sich in dem Album dann doch noch zwei weitere gelungene Nummern: "My baby don't want nothing" bringt einen gut abgeschmeckten Mix aus entspannt-lässiger Atmosphäre, funkelnden Changes und der einen oder anderen kompositorischen Überraschung. Und "Choose love" ist am Ende mehr gelungener Folkrock als klassischer Country, hier darf mal eine Querflöte ran, auch die Gitarren machen Spaß. Der Rest ist dann schon wieder Abklingbecken ohne große Überraschungen. Tja, es ist halt so: Der Ringo hat das Gleis gewechselt und drömelt ganz gemütlich mit seiner musikalischen Draisine in den Sonnenuntergang. Soll er halt mal machen, denn er hat uns ja mit seinen 85 Lenzen schon einige geniale Jahrzehnte herausragender Musik geschenkt – wer kann das schon von sich behaupten?
Highlights
- I don't see
- My baby don't want nothing
- Choose love
Tracklist
- Returning without tears
- Baby don't go
- I don't see you in my eyes anymore
- It's been to long
- Why
- You and I (Wave of love)
- My baby don't want nothing
- Choose love
- She's gone
- Long long road
Gesamtspielzeit: 33:23 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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Saschek Postings: 889 Registriert seit 23.07.2018 |
2026-05-05 07:47:37 Uhr
Ringo hatte doch schon seit Leben lang viel für Country-Musik und Western übrig. Beaucoup of Blues von 1970 war dann auch folgerichtig ein Country-Album. Bei den Beatles gab's vorher schon Don't Pass Me By und Octopus's Garden. Insofern verstehe ich die Einleitung nicht so ganz. Doll finde ich die neue Musik leider auch nicht. Auch wenn man ihm lassen muss, dass er mit 86 ein ziemlich cooler Dude ist. |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30575 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-05-04 20:54:52 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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MickHead Postings: 11424 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-04-24 10:18:40 Uhr
Komplette Playlist bei YouTube:https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_m0VMEG96NMaYpQaPnSf_2dsxjB3m88Zgc&si=o1bmxF_DO_ZSHZzM Musikexpress 4.5/6 https://www.musikexpress.de/reviews/ringo-starr-long-long-road/ Rolling Stone 3/5 https://www.rollingstone.de/reviews/ringo-starr-long-long-road/ |
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Shadow Talk Postings: 512 Registriert seit 05.02.2024 |
2026-03-09 08:57:05 Uhr
Warum sieht Ringo jünger aus als ich? Brauch wohl mehr Peace & Love. |
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MickHead Postings: 11424 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-03-09 08:41:55 Uhr
Der britische Musiker "Ringo Starr" aus Liverpool, Drummer der legendären Beatles, kündigt für den 24.04. das 22. Studioalbum "Long Long Road" an. Es folgt auf "Look Up" von 2025.Sein neues Album markiert seine Rückkehr zum Country-Sound seines letzten Albums „Look Up“. Wie schon sein Vorgängeralbum wurde auch „Long Long Road“ vom gefeierten Produzenten T Bone Burnett betreut und enthält Gastbeiträge von St. Vincent, Sheryl Crow und Billy Strings. Die erste Singleauskopplung ist „It’s Been Too Long“, geschrieben von Burnett und Daniel Tashian, mit Harmoniegesang von Molly Tuttle und Sarah Jarosz. Ringos Stimme dominiert den melancholischen Song, untermalt von charakteristischen Americana-Gitarren und einem warmen Sound. Erster Song "It's Been Too Long" https://youtube.com/watch?v=aXR078sbCDk&si=u0c5_4zeepqsdXKn Tracklist: 01 ‘Returning Without Tears’ 02 ‘Baby Don’t Go’ 03 ‘I Don’t See Me In Your Eyes Anymore’ 04 ‘It’s Been Too Long’ 05 ‘Why’ 06 ‘You And I (Wave Of Love)’ 07 ‘My Baby Don’t Want Nothing’ 08 ‘Choose Love’ 09 ‘She’s Gone’ 10 ‘Long Long Road’ |
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Referenzen
Johnny Cash; Dolly Parton; T Bone Burnett; Willie Nelson; Hank Williams; Patsy Cline; Loretta Lynn; Merle Haggard; Kenny Rogers; George Jones; Tammy Wynette; Garth Brooks; Shania Twain; Carrie Underwood; Blake Shelton; Miranda Lambert; Luke Bryan; Keith Urban; Kacey Musgraves; Chris Stapleton; Reba McEntire; Tim McGraw; Faith Hill; Alan Jackson; Alison Krauss; Randy Travis; Vince Gill; Emmylou Harris; Jason Aldean; Zac Brown Band; The Beatles; Ringo Starr And His All-Starr Band; Rory Storm And The Hurricanes; Paul McCartney; John Lennon; George Harrison
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