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Irmin Schmidt - Requiem

Irmin Schmidt- Requiem

Mute / PIAS / Rough Trade
VÖ: 24.04.2026

Unsere Bewertung: Ohne Bewertung

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Der Kreis schließt sich

Frösche quaken und Nachtigallen singen. Nach eineinhalb Minuten wird ein Klavier angeschlagen. Bedächtig, weich. Und doch ahnt man beim Blick auf den Titel und das Cover bereits, dass wir es bei Irmin Schmidts "Requiem" nicht mit einem gewöhnlichen Ambient-Album zu tun haben. Nie stand der Ausnahmekünstler, der einst mit Can die Rockmusik revolutionierte, für Gewöhnliches, auch nicht in seiner Solokarriere. Ob er im Jahr 1987 eine ureigene Version angejazzter Bartheken-Songs veröffentlichte oder ein Jahrzehnt später eine auf einer Fantasy-Romanreihe basierende Electro-Oper schuf: Stets zog Schmidt ohne Zugeständnisse an Hörgewohnheiten und Erwartungen sein Ding durch. Er tut es auch diesmal. Die zuvor so idyllische Feldaufnahme aus dem eigenen Garten in Südfrankreich kippt, als nach fünf Minuten ein Hupen ertönt, auf das ein Maschinengeräusch folgt. Lärmend, monoton, unerbittlich. Nicht erst die unruhigen Anschläge auf dem diesmal präparierten Klavier verdeutlichen, dass man Minimalismus nicht mit Easy Listening gleichsetzen kann. Lieblich ist es trotz all der singenden Nachtigallen, der mähenden Schafe und des plätschernden Wassers nicht, dieses "Requiem".

Wenig Musik höre er privat, erklärte der einstige Keyboarder der groovigsten aller Krautrocker vor einigen Jahren in einem Interview. Seine Tochter habe ihm einst übelgenommen, dass im Hause Schmidt Ruhe herrschen musste. Bereits die 2018 veröffentlichten "5 Klavierstücke" konnte man, so paradox das zunächst klingen mag, als musikalisches Zeugnis dieser Sehnsucht nach Stille deuten. Acht Jahre später lässt der Soundingenieur keinen Zweifel mehr daran, dass er inzwischen die Reduktion zum musikalischen Stilmittel erhebt. Wenn zu Beginn des zweiten Teils des Requiems abermals auf fünf Klaviertöne in aufsteigender Tonhöhe weitere bedächtige Töne folgen, wird deutlich, dass das Album bei aller Zufälligkeit der Entstehung seiner ihm zugrundeliegenden Aufnahmen ein Leitmotiv besitzt: ein improvisiertes, einfaches, so zärtliches wie trauriges Leitmotiv. Anschließend fällt der Regen, mehr als 16 Minuten lang.

Ein solches Album kann niemand aufnehmen, der es "noch einmal wissen", für eine Dreiviertelstunde das eigene Alter und die eigene Situation verbergen möchte. Und auch niemand, der sich auf einer Punkteskala von 1 bis 10 eingeordnet sehen will. Spätestens wenn nach 39 Minuten aus dem starken Regenfall wieder ein Tröpfeln wird, bis auch dieses verstummt, ahnt man, dass der 88-Jährige Albumcover und -titel ohne jedweden sarkastischen Unterton und auch ohne jedwede Doppelbödigkeit wählte. Es schmerzt, aber es ist, wie es ist. Für all diejenigen, die glauben, so eine Art von Soundcollagen habe noch nie jemand als Musik bezeichnet, dürfte Schmidt nur ein müde-verschmitztes Lächeln übrighaben – vielleicht dabei in eine durch den langen Regenfall entstandene Pfütze blickend, die einen jungen Mann widerspiegelt, der in einem Hörsaal gebannt der Lesung seines Dozenten Karlheinz Stockhausen lauscht. Der Kreis schließt sich. Was für eine Karriere! Was für ein Leben!

(Dennis Rieger)

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Highlights

  • -

Tracklist

  1. Part 1
  2. Part 2

Gesamtspielzeit: 41:03 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Hierkannmanparken

Postings: 3076

Registriert seit 22.10.2021

2026-05-05 21:44:57 Uhr
Schöne Rezi, die einen erzählerisch durch diese Klangwelt begleitet

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30576

Registriert seit 08.01.2012

2026-05-04 20:53:59 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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