Linda Perry - Let it die here
Kill Rock Stars / 670 / Rough Trade
VÖ: 08.05.2026
Unsere Bewertung: 6/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
Wie ein Film an Dir vorbei
"I have lived a thousand lives": Linda Perry zeichnet für manch übergroßen Hit verantwortlich, als (Solo-)Interpretin haben sie jedoch nicht unbedingt viele auf dem Schirm. Die mittlerweile 60-Jährige erlangte als Frontfrau von 4 Non Blondes insbesondere mit "What's up?" Weltruhm und arbeitete später als Songwriterin unter anderem mit Pink, Miley Cyrus, Courtney Love oder Gwen Stefani zusammen – das Eingangszitat entspricht definitiv der Wahrheit. Um diese Tatsache stärker im Kollektivbewusstsein zu verankern, rollt 2026 eine multimediale Offensive an: "Let it die here" ist in erster Linie der Name eines am Tag des Album-Releases auch für die breite Öffentlichkeit erscheinenden Dokumentarfilms, der ein besonderes Licht auf die Person hinter den Evergreens werfen soll, auf ihr Seelenleben, ihre teils schwierige Vergangenheit – und natürlich ihr musikalisches Erbe. Das vorliegende Album versammelt dazu 17 neue Songs beziehungsweise Recordings, welche die Handschrift der Künstlerin nicht länger hinter Fremdinterpret*innen verstecken wollen.
Dass besagte "thousand lives" nicht alle rosarot waren, hört man. So singt Perry in "Balboa Park" von zwischenzeitlichen Suizidgedanken, fleht eine Freiheit oder Erlösung verheißende Amsel an, sie mitzunehmen, denkt aber auch an längst vergangene, stabilere Zeiten: "I was young, but not confused / Back in 1980." Ihr markanter Gesang ist dabei nicht immer tonrein, das folkige Grundgerüst unbehauen und ursprünglich. Früh wird klar: Hier geht es ums tiefste Innere, nicht um die sterile, von jedem kleinsten Staubkorn befreite und artifiziell glänzende Oberfläche Hollywoods. Was nicht bedeutet, dass Perry lediglich mit kleinem Besteck anrückt und sich solo als "nackte" Künstlerin inszeniert: Aller Intimität zum Trotz ist "Let it die here" eine voll ausgestattete Band-Platte, die oft in rockige Höhen ausbricht.
Das mitreißende "Stupid yellow kite" zieht sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf der Melancholie, wechselt von kleiner Ballade ins große Uptempo. Auch "Push me in the river" und "What lies with you" sind dichter instrumentiert, Letzteres erhält durch seine Background-Chöre einen feierlichen Gospel-Touch. "Mourning" hingegen orientiert sich am Classic Rock und setzt anstelle von Gesang auf ein morbides Streicher-Outro, das dem vorangegangenen Western-Gruselblues des Titeltracks auch gut zu Gesicht gestanden hätte, welcher sich aber lieber beschwipster Bläser bedient. Mitunter darf es gar abstrus werden: So klingt das Weirdo-Jazz-Interlude "Anxiety" genau so, wie es heißt. Auch Entscheidungen wie diese machen mit Nachdruck den Gegenentwurf zum feingeschliffenen Industriezirkus deutlich, den die Songwriterin ebenso bereichert hat.
Es ist ein kleines Kuriosum, dass ausgerechnet "Beautiful", geschrieben von Perry und unsterblich geworden durch die Interpretation von Christina Aguilera, als erste Single vorausgeschickt wurde. Selbstverständlich ist Perrys Version rauer und dreckiger als Aguileras – und fällt auch hier als Highlight auf. Den Song könnte selbst Donald Trump singen, er wäre weiterhin unzerstörbar. Die Vielseitigkeit der Komponistin zeigt sich darüber hinaus in "I am daughter", bei dem es nicht mit rechten Dingen zugehen sollte, wäre er nicht ursprünglich für ein Adele-Album entstanden. Zwischen Kammer-Jazz und Bond-Theme überzeugt das Stück mit seinem einnehmenden Fluss.
Ein bisschen geht "Let it die here" im Verlauf ob seines schieren Umfangs allerdings die Luft aus, weil es eben jede Facette der Musikerin abbilden will. Der gottesfürchtige, Perrys Mutter gewidmete Hippie-Bluesrock "Now that she's gone" schießt vor allem stimmlich übers Ziel hinaus, während Stücke wie "Feathers in the storm" oder das käsige Interlude "Liberation" vorbeirauschen wie ein Film, bei dem man nicht gut genug aufgepasst hat. Aber von irgendwelchen Verklärungen will Perry bei all ihrem (ehemaligen) Erfolg und Hang zur Sentimentalität sowieso nichts wissen: "I'm way too fucked up to be that brilliant." Ob sie es selbst so sieht oder nicht: "Let it die here" dokumentiert ihr Wirken und ihre Person auch trotz kleinerer Schwächen erfolgreich als das, was sie ist. Nämlich eine wegweisende und ernstzunehmende Künstlerin, ohne die die US-amerikanische (Mainstream-)Musiklandschaft um einige ihrer schönsten Beiträge ärmer gewesen wäre, no matter what they say.
Highlights
- Stupid yellow kite
- I am daughter
- Beautiful
Tracklist
- Balboa Park
- Stupid yellow kite
- Push me in the river
- Is that all you got
- Let it die here
- Mourning
- What lies with you
- I am daughter
- Anxiety
- The suitcase
- Beautiful
- Feathers in a storm
- Deep breath
- Now that she's gone
- Sunday best
- Liberation
- Albatross
Gesamtspielzeit: 57:06 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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Huhnmeister Postings: 4654 Registriert seit 22.08.2022 |
2026-05-11 19:54:13 Uhr
Wirkt alles aufgesetzt, wortwörtlich dieser echt bekloppte Hut.Die war ja damals sogar im Playboy, nur mit diesem komischen Hut aufgesetzt, aber ansonsten nackend. Witzig und erbärmlich zugleich. Allerdings wohlgeformte Brüste, das muss man schon mal zugeben dürfen. |
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dogs on tape Postings: 620 Registriert seit 14.06.2013 |
2026-05-11 15:03:52 Uhr
Wahrscheinlich hat er einige Mogwai Songtitelideen hier aus dem Forum :D |
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Sigur Rossmy Postings: 322 Registriert seit 20.08.2024 |
2026-05-11 14:58:47 Uhr
Stuart Braithwaite schreibt wahrscheinlich hier auch solche antimäßigen Kommentare. Wenn er nicht gerade die Assoziationskette fortsetzt ;) |
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dogs on tape Postings: 620 Registriert seit 14.06.2013 |
2026-05-10 17:40:56 Uhr
Wusste gar nicht dass Carl Barat, Stuart Braithwaite und Dean Ween auch auf PT schreiben ;) auf Reddit gibt’s auch diverse threads mit ablehnender Haltung gegenüber dem Song. Der polarisiert dann wohl doch ziemlich. Wer die 90er erlebt wird wissen, dass es damals wichtig war sich abzugrenzen von allem Mainstream Populären. 4 non blondes waren halt nicht gerade sehr deep sondern eher durchschaubar aufgesetzt. Da ist die heutige Generation weiter und toleranter. Und deswegen sollte man sich heutzutage auch so Boomer Sätze verkneifen wie „früher gabs noch dies das Ananas.“ Heute kann man immer noch wunderbare Musik entdecken, sogar mehr denn je, weil man halt wenn so Fußnagelkrallersong wie what‘s up skipper kann |
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Sigur Rossmy Postings: 322 Registriert seit 20.08.2024 |
2026-05-10 14:16:12 Uhr
Also, What's Up ist Pachelbels Kanon in D der Popmusik. Alle finden das schön. Nur das gerade hier Plattentests manche meinen, sie hätten einen ach so besonderen Musikgeschmack. Das ist halt elitäres Gehabe. Solche Leute hören dann heimlich Songs wie What's Up. |
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Referenzen
4 Non Blondes; Patti Smith; Beth Hart; Joni Mitchell; Tracy Chapman; Melissa Etheridge; PJ Harvey; Aimee Mann; Sheryl Crow; Janis Joplin; Meredith Brooks; Joss Stone; Natalie Merchant; Liz Phair; Counting Crows; Joan Osborne; KT Tunstall; Marianne Faithfull; Skunk Anansie; K's Choice; Alanis Morissette; Amy Macdonald; Diana Krall; Anouk; Fleetwood Mac; Stevie Nicks; Heather Nova; Sandi Thom; Tom Petty & The Heartbreakers; Natalie Imbruglia; Texas; Martha Wainwright; Laura Jane Grace; Courtney Love; The Cranberries; Dolores O'Riordan; Creedence Clearwater Revival; Hole; Bruce Springsteen; The Doors; The Rolling Stones; Jeff Buckley; Iggy Pop; Leonard Cohen; Anastacia; Joe Cocker; Sinéad O'Connor; Tina Turner
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- Linda Perry - Let it die here (30 Beiträge / Letzter am 11.05.2026 - 19:54 Uhr)



