Friko - Something worth waiting for
ATO
VÖ: 24.04.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
Hauptsache raus
Friko sind eine Band mit Selbstbewusstsein. Etwaigen Vorwürfen, sie würden nur olle Kamellen aufwärmen, nehmen sie selbst schon den Wind aus den Segeln, indem sie in Interviews offen über ihre Einflüsse plaudern, Namen wie The Strokes, Broken Social Scene oder Modest Mouse – mit denen sie im Übrigen bereits auf Tour waren – droppen. Ganz unbescheiden nennt die nun fest zum Vierer gewachsene Band ihr zweites Album "Something worth waiting for", auch wenn die Wartezeit mit gut zwei Jahren nicht einmal der Rede wert ist. Hört man die Musik von Friko, wird allerdings schnell klar, dass mehr als nur heiße Luft dahintersteckt. Auch auf ihrer zweiten Platte kanalisieren sie die unbändige Emotionalität des Nuller-Indies im Geiste der frühen Arcade Fire oder Bright Eyes auf mitreißende Weise. Mit der ständigen Laut-leise-Dynamik mögen sie es auf hohem Niveau etwas übertreiben, doch sind die Songs in jedem Fall gut genug, dass sich Gedanken über die möglicherweise fehlende Originalität gar nicht erst festsetzen.
"Something worth waiting for" ist ein Album der ständigen Bewegung, wie bereits ein Blick auf die Tracklist mit ihren Heißluftballons, Fahrrädern und Zuggeräuschen verrät. "Come on and get on board, where we goin' now?", fragt "Choo choo", in dem Niko Kapetans Gesang ein Purzelbaumrennen mit Gitarren und Drums veranstaltet. Das Ziel ist egal, Hauptsache raus. Der Song bildet den Abschluss eines Eröffnungstrios, in welchem Friko mit voller Energie den Hügel hinunterrasen. Die dritte Single "Still around" entwickelt dabei am meisten Druck mit ihrem überschwappenden Optimismus, einer starken Bass-Performance von David Fuller und einem kleinen Noise-Anfall kurz vor Schluss. Der Opener "Guess" kommt bis zu seinem übersteuerten Ausbruch nach zweieinhalb Minuten komplett ohne Schlagzeug aus, braucht aber auch nicht mehr als die roh herausgeschriene Intensität als Motor. Von den im Titel suggerierten Zweifeln ist jedenfalls nichts zu hören.
In "Alice" schrauben Kapetan und Co. Lautstärke und Dringlichkeit zum ersten Mal für einen längeren Zeitraum runter. Das reduziert beginnende Stück bekommt viel Raum, um seine Melodie zu entfalten, und wächst organisch mit Vocal-Harmonien und weiteren Instrumentenschichten bis zu seinem Finale. Im Herzen der Platte steht ihr größtes, aber auch faszinierendstes Kuriosum: Das Arrangement von "Certainty" umfasst ausschließlich Piano, Streicher und Stimmen, während die sonst nur im Background mitsingende Drummerin Bailey Minzenberger hier eine ganze Lead-Passage bekommt. Fünfeinhalb Minuten lang überhaupt nicht wie eine Rockband zu klingen, ist eine mutige Entscheidung für ein Rockalbum, die hier in entrückter orchestraler Schönheit aber voll aufgeht. Friko beweisen auch an anderer Stelle durchaus stilistische Ambitionen. Die Lead-Single "Seven degrees" ist eine dezent an den frühen Bowie erinnernde Akustikballade, die mit schlicht-schönen Worten von Sehnsucht und Beieinander erzählt: "We're souls in a line / Waiting to meet / Waiting for that summer breeze / To throw us through each other's arms."
Auch "Dear bicycle" lässt Erwartungen ins Leere laufen. Als sechsminütiger Closer zelebriert der Song keineswegs einen epischen Abschluss mit großer Explosion, sondern faltet sich als Klavierstück auf, das sich in leisem Singsang und verhallenden Tasten verliert. Die allergrößte Hymne haben Friko ohnehin schon vorher mit "Hot air balloon" verballert, das mit seinem Stadiondächer sprengenden Refrain wahrlich in die Wolken schießt. Die Musik der Chicagoer Band klingt wie ein einziger Befreiungsschlag. Auch wenn die abrupten Wechsel zwischen Lo-fi-Folk, Punk-Energie und dissonantem Post-Rock nicht ganz die gewünschte Wirkung erzielen, formuliert der Titeltrack dieses Gefühl des ständigen Aufbruchs besonders pointiert – samt Brückenschlag zum Titel des Debütalbums: "Fell right in from where we've been / To where we're meant to be / Jumped that train / Shook off that pain / And now we're running free." Stillstand war von Anfang an keine Option.
Highlights
- Alice
- Certainty
- Hot air balloon
Tracklist
- Guess
- Still around
- Choo choo
- Alice
- Certainty
- Hot air balloon
- Seven degrees
- Something worth waiting for
- Dear bicycle
Gesamtspielzeit: 41:45 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30576 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-05-04 20:53:18 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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MickHead Postings: 11432 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-04-24 10:04:11 Uhr
Jetzt komplett bei Bandcamp:https://friko.bandcamp.com/album/something-worth-waiting-for Rolling Stone 4/5 https://www.rollingstone.de/reviews/friko-something-worth-waiting-for/ |
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MickHead Postings: 11432 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-04-21 18:41:03 Uhr
Letzter Song vor dem Release!"Something Worth Waiting For" https://youtu.be/l3TKYi5nap4?si=SyUu3kEDQWc1yiLI |
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MickHead Postings: 11432 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-03-31 15:55:46 Uhr
3. Song "Still Around"https://youtu.be/ctSv4RgCXY0?si=AC0WfOeRE689r19z |
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saihttam Postings: 2943 Registriert seit 15.06.2013 |
2026-03-25 00:05:04 Uhr
Ich fand das Debüt richtig toll. Das hat ne Wahnsinns Energie gehabt, wie ich sie länger nicht gehört hab in dem Bereich. Daher große Vorfreude meinerseits. |
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Referenzen
Bright Eyes; Arcade Fire; Modest Mouse; Broken Social Scene; Wolf Parade; Wu Lyf; Slaughter Beach, Dog; Desaparecidos; Cloud Nothings; The Wrens; Los Campesinos!; Car Seat Headrest; Pedro The Lion; Frightened Rabbit; Okkervil River; Hop Along; Bartees Strange; Manchester Orchestra; Dirt Buyer; Foals; Porridge Radio; Wednesday; Ratboys; Big Thief; Great Grandpa; Snail Mail; Wild Pink; Black Country, New Road; Suede; Keane; The Strokes; Racing Mount Pleasant; Sparklehorse; The Antlers; Radiohead; Philip Glass
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