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Christin Nichols - Christin Nichols

Christin Nichols- Christin Nichols

PIAS / Rough Trade
VÖ: 24.04.2026

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Superwoman in Chelsea Boots

"Ich will alles oder nichts und dazu ein Beerenmixgetränk." Gleich zu Beginn ihres dritten Albums gelingt Christin Nichols mit "Spotlight" nicht nur ein bassgetriebener Ohrwurm, sondern eine erwachsenere Version von "Wildberry Lillet", wenn auch mit ganz anderer musikalischer Ausrichtung. Danach setzt diese selbstbewusste und doch zweifelnde, diese lakonische und doch wortgewandte Künstlerin den Lauf starker Platten fort, den sie mit "I'm fine" und "Rette sich, wer kann" gestartet hat.

Ihren ganz eigenen Sound hat Nichols nach nunmehr drei Alben gefunden. Internationaler Post-Punk mit schillernden New-Wave-Synthies, Anflüge der coolen Frühphase der NDW, euphorische Indie-Gitarren und astreiner Powerpop. Den dichten Klang hat sie wieder gemeinsam mit Stefan Ernst geschaffen, der ja unter anderem auch mit Isolation Berlin arbeitet, deren Schlagzeuger Simeon Cöster hier ebenfalls bei mehreren Songs die Drums beisteuert. An anderer Stelle war Steffen Israel von Kraftklub Co-Songwriter und markant hörbarer Gitarrist beim geradlinigen "Ich weiß".

Auch "Bittere Pillen" hat am Anfang und kurz vor dem Refrain zwei kurze Kraftklub-Momente, was nicht völlig irreführend ist, denn diesen Song teilt sich Nichols mit Gwen Dolyn. Jene lebt nicht nur in Chemnitz wie die Band mit K, sondern betreibt auch mit erwähntem Israel das Duo Tränen. Doch zurück zu den Bittertabletten, die sind nämlich inhaltlich hart zu schlucken. Die Protagonistinnen wechseln hier in die Opferperspektive, und man will eigentlich gar nicht wissen, wie viele männliche Wesen mit einer Denke umherlaufen, die in "Ich wär so gern verliebt in Dich, mach mich high, sonst klappt es nicht" kein Problem erkennen. Gnadenlose Wahrheiten werden an vielen Stellen raffiniert in die eingängigen Popsongs eingebettet. "Andere Frauen" ist beispielsweise eine wunderschöne FLINTA*-Verschwesterungshymne, die zwischen die wie so oft auf diesem Album empowernden Zeilen ein "Es heißt nicht Beziehungsdrama, es heißt Femizid" packt.

Themen wie Depression und mentale Gesundheit treiben Nichols ebenfalls nach wie vor um. Nach "Citalopram" auf dem Vorgänger beschäftigt sich das kantig rockende "Keine Kontrolle" nun mit prämenstrueller dysphorischer Störung (PMDS oder PMDD) und wie solche gesundheitliche Beeinträchtigungen von der – leicht überspitzt formuliert – Weltherrschaft abhalten können. Und wenn das Leben mal in Trümmern liegt, steigt man eben auf deren Berg und fühlt sich "Unsterblich". Die richtige Einstellung. "Keine Depressionen" nimmt es geradezu fröhlich: "Ich habe keine Depressionen, es lag einfach nur an Dir." Nachdem die toxische Beziehung beendet ist, findet sich mit "Noch wach" auch gleich im nächsten Stück eine frische Liebe. Was neben den ohne jeden Ausfall starken Songs und den herrlichen Gitarren außerdem hervorgehoben sollte: Nichols' Gesangsleistung. In "Keine Kontrolle" waidwund angekratzt, in "Cheerleader" mit einem hörbaren Lächeln auf den Lippen und im finalen Shoegaze-Downer "Alles ist falsch" voller Seele. Und selbst wenn dieses Finale tief in die Dunkelheit blickt, ist auch dieses Album voller Empathie und Hoffnung. Schön.

(Thomas Bästlein)

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Highlights

  • Spotlight
  • Keine Kontrolle
  • Chelsea Boots
  • Andere Frauen

Tracklist

  1. Spotlight
  2. Keine Kontrolle
  3. Unsterblich
  4. Chelsea Boots
  5. Bittere Pillen (feat. Gwen Dolyn)
  6. Andere Frauen
  7. Keine Depressionen
  8. Noch wach
  9. Cheerleader
  10. Ich weiß
  11. Prom Queen
  12. Alles ist falsch

Gesamtspielzeit: 43:18 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Sick

Postings: 350

Registriert seit 14.06.2013

2026-04-28 01:34:32 Uhr
Wieder ein gutes Album. Ist weniger Indierock, mehr Indiepop. Die beiden Vorgänger fand ich, Stand jetzt, einen Tick besser. Aber das kann sich auch noch ändern. 7,5/10.

honkhank

Postings: 8

Registriert seit 07.12.2019

2026-04-25 15:43:04 Uhr
Wie zur Hölle ist DAS Album der Woche? Langweiligste Standard-Mucke ohne jede Ecke. Gesangsbögen, die einer durchschnittlichen Schülerband gut stehen würden. Zweifelhafte Texte, zweifelhafte Gesangskünste.
Wollen wir mal über den “Sound” sprechen?
Ich hab drei Songs geschafft ich geb jetzt auf. 2/10

MickHead

Postings: 11442

Registriert seit 21.01.2024

2026-04-24 10:38:12 Uhr
Komplette Playlist bei YouTube:

https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_ljH4wOiilk5kiNdq1jQJBmaHIK7fb0pA4&si=1P1xV-oGaxI5aPpR

Musikexpress 4/6

https://www.musikexpress.de/reviews/christin-nichols-christin-nichols/

Rolling Stone 4/5

https://www.rollingstone.de/reviews/christin-nichols-christin-nichols-richtig-gut/

whitenoise

Postings: 456

Registriert seit 17.06.2013

2026-04-23 10:26:40 Uhr
Habe "Cheerleader" gehört - da gefallen mir der Gesang und die Lyrics gar nicht. Die Musik ist okay, aber nichts besonderes. Tue mir aber eben auch oft mit deutschem Indiepop schwer.

afromme

Postings: 686

Registriert seit 17.06.2013

2026-04-22 22:43:11 Uhr
Das ist alles ganz souverän produziert, und hat so ein bisschen große Geste in vielem. Außerdem kommt sie aus Bünde, wo ich mal fast mit dem Zug gestrandet wäre. Bünde. Zigarren- und Plastikmodellbausatzstadt. Das macht Dinge mit einem, auch wenn man nicht dort geboren wurde. Sie eint mit den Ärzten, dass sie ein Lied mit "Bielefeld" im Titel hat.

Cheerleader hat zwar einen Mini-Twist im Text, aber ist leider für mich so semigut zu hören. Das ist mir zu wenig Indie-Rock, zu viel... Äh... Silbermond meets Rosenstolz oder so. Die anderen aktuell schon streambaren Stücke sind okay aber klingen auch eher nach "Bestimmt gut, dazu live die Fäuste zu recken", und weniger nach "möchte ich daheim oder unterwegs hören".
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