Wu Lyf - A wave that will never break
LYF
VÖ: 10.04.2026
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
The unforgettable fire
"Go tell your brothers, and all of your friends / We will never see a fire like this again / As all of our futures go up in flames / I trust in my heart with a love of my fate." Gleich zu Beginn singt Ellery Roberts über Untergang und Hoffnung mit der am breitesten gepinselten Bildsprache – und bringt damit die faszinierende Dichotomie auf den Punkt, die Wu Lyf noch immer ausmacht. Die einst anonyme, mit Guerilla-Mitteln hantierende Band veröffentlichte 2011 ihr Debüt "Go tell fire to the mountain" wie das letzte Aufbäumen des euphorischen Nuller-Indie-Rocks, bevor sie ein gutes Jahr später schon wieder Geschichte war. Nun, knapp anderthalb Dekaden später, gibt es mit "A wave that will never break" tatsächlich einen Nachfolger, der die alte Anti-Establishment-Haltung zumindest insoweit fortführt, dass er auf keinem der großen Streamingdienste erscheint. Doch die Musik von Wu Lyf ist alles andere als radikal und reduziert. Stattdessen klingt der Opener "Love your fate" mit seinen hektischen Drums, den luftdicht verschlossenen Gitarren und den mit heiserer Intensität geschmetterten Parolen so, als hätte Bruce Springsteen eine Math-Rock-Band gegründet. Wu Lyf machen Stadion-Rock, der jede Skepsis über diese Einordnung mit purer emotionaler Hingabe überwältigt.
Über sieben Songs zwischen fünf und elf Minuten spielen Roberts und Konsorten jede Note so, als ginge es um ihr Leben. Wie die Tracklängen bereits suggerieren, sind Wu Lyf dabei weit davon entfernt, immer den Weg des geringsten Widerstands zu gehen. So fährt etwa "Robe of glory" gleich an zweiter Stelle das Tempo zurück, schleppt sich als schwerfälliger Postcore-Brocken einen von Noise-Gitarren zerklüfteten Gipfel hoch. "The fool" bildet als poppigster Song der Band bisher einen Ausreißer in die andere Richtung: ein Synth-begleitetes Liebeslied, das lieber auf dem Boden herumhüpft, anstatt nach den allerhöchsten Sternen zu greifen. Dazwischen brilliert "Letting go" allerdings, weil es genau das tut. Spätestens, wenn Roberts im Refrain das Falsett auspackt, möchte man sich am liebsten den Brustkorb aufreißen und die ganze Welt darin aufsaugen. So eine Leidenschaft hatten U2 auch mal, bevor sie in irgendwelchen Las-Vegas-Spheres abhingen. Zwar mögen auch Wu Lyf weniger ungestüm als früher zu Werke gehen, doch profitiert gerade ein Stück wie jenes "Letting go" davon, viel Raum zur Entfaltung zu bekommen. Roberts' klare Vocals und Worte legen dabei alle Karten auf den Tisch, weil die Band nach dem Fallen der nicht nur metaphorischen Masken ohnehin nichts mehr zu verbergen hat.
Das zweite Herzstück der Platte trägt den kuriosen Titel "Tib St. Tabernacle" und erstreckt sich über nahezu elf Minuten. Mit einem ekstatischen, an Nick Cave erinnernden Prediger-Gestus gleitet Roberts über Piano-Anschläge und angefunkte Gitarren, ehe ein furioser Siebziger-Rock-Ausbruch nach rund sieben Minuten die Kathedrale zum Einsturz bringt. Klar, dass Wu Lyf nach diesem Abriss erstmal zur Ruhe kommen müssen. Der Quasi-Titeltrack "Wave" führt die religiösen Untertöne weiter, erhebt sich vom Akustik-Lament zum wuchtigen Gospel im Geiste von Spiritualized – dazu passt, dass Jason Pierce' ehemaliger Spacemen-3-Kollege Sonic Boom das Album produziert hat. Der Closer "At the end of the day (It is what it is)" beginnt ähnlich gemächlich und treibt dann von Steigerung zu Steigerung. "I do what I can, what I can, what I can", beteuert Rogers immer wieder, und man glaubt ihm wie zuvor schon jedes Wort. "A wave that will never break" ist ein Album, das keine Zweifel zulässt. Wu Lyf erinnern an etwas, das angesichts der Coldplays dieser Welt beinahe in Vergessenheit geraten ist: Musik kann auch dann voll von Herzblut, roher Emotion und künstlerischem Wert erfüllt sein, wenn sie bis in die hinterste Stadionecke reicht.
Highlights
- Letting go
- Tib St. Tabernacle
Tracklist
- Love your fate
- Robe of glory
- Letting go
- The fool
- Tib St. Tabernacle
- Wave
- At the end of the day (It is what it is)
Gesamtspielzeit: 45:21 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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Ituri Postings: 597 Registriert seit 13.06.2013 |
2026-05-18 16:34:59 Uhr
Letting go ist großartig |
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Enrico Palazzo Postings: 8986 Registriert seit 22.08.2019 |
2026-04-26 08:11:45 Uhr
Immerhin, danke :) Ich habe einfach keine physischen Datenträger mehr. |
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saihttam Postings: 2943 Registriert seit 15.06.2013 |
2026-04-25 23:51:22 Uhr
@EnricoAlso auf bandcamp hat man drei Durchgänge frei, bevor man es erwerben muss. |
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myx Postings: 6409 Registriert seit 16.10.2016 |
2026-04-25 14:10:49 Uhr
@Hierkannmanparken: Das ist Bombe! ;-) |
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Enrico Palazzo Postings: 8986 Registriert seit 22.08.2019 |
2026-04-25 13:36:09 Uhr
Schade, dass ich es niemals werde hören können. |
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Referenzen
Lost Under Heaven; Wolf Parade; Sunset Rubdown; Band Of Horses; The Walkmen; U2; Kellermensch; Bruce Springsteen; Nick Cave & The Bad Seeds; Spiritualized; Foals; Arcade Fire; Local Natives; Kings Of Leon; Cold War Kids; Biffy Clyro; The Joy Formidable; Titus Andronicus; Japandroids; Cloud Nothings; Glasvegas; We Were Promised Jetpacks; Frightened Rabbit; The Maccabees; The Hold Steady; Guillemots; Doves; Editors; The Temper Trap; Clap Your Hands Say Yeah; Broken Social Scene; The Besnard Lakes; The Flaming Lips; Coldplay; Led Zeppelin
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