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Laibach - Musick

Laibach- Musick

Mute / PIAS / Rough Trade
VÖ: 01.05.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Wo man mit muss

"There's a lot of talking when Laibach drops a song / Because we do it raw, ignoring every law." Prima Eröffnungszeile für einen ESC-Beitrag, oder? Pech gehabt: Slowenien hat die Teilnahme am Eurovision Song Contest 2026 aus Protest gegen Israel und dessen Militäroffensive im Gazastreifen abgesagt – womit auch ein Auftritt von Laibach dort nicht mehr zur Debatte steht. Einiges hätte dafür gesprochen, denn heimische Medien hatten das Stück "Allgorhythm" bereits für den Wettbewerb in Stellung oder zumindest ins Spiel gebracht und sich offenbar auf einen fidelen, von Neunziger-Trance infizierten Hopser zum Thema computergenerierte Musikproduktion und kalkulierte Publikumswirksamkeit gefreut. Vermutlich die poppigste Laibach-Single seit der fanfarenstrotzenden "The final countdown"-Coverversion – und eine Ouvertüre zu einem ganz ähnlich gelagerten Album.

Denn der (Algo-)Rhythmus, wo man mit muss, beschränkt sich beileibe nicht auf diese zuckende Vorabauskopplung: Auch der Titelsong knallt als Opener nur die dicksten Trap-Beats, die gezieltesten elektronischen Streichersätze und seismographisch bedenklichsten Bässe auf den Tisch, während Milan Fras Musik nacheinander als Lebensinhalt, Wunderwaffe, Liebeselixier und Brechmittel beblökt. Recht hat er irgendwie jedes Mal – vor allem mit diesem tumultösen Dance-Track, der sämtliche Funktionalitäten populärer Klangerzeugung auf den Punkt bringt und mit einem angewiderten "I'm sick of music!" auch die doppelbödige Dimension des Albumtitels illustriert. Alles ist Pop – Pop ist alles: Droge, Rettungsanker, Wirtschaftsfaktor, öffentliches Ärgernis. Das einen manchmal zur Verzweiflung treiben kann, aber auch oft ein seliges Grinsen aufs Gesicht zaubert

Wie in "Singularity", das listig mit den Worten "every song a copy or remake" die generische Verwurstung sattsam bekannter Bausteine zu nervtötenden Chart-Hits beklagt, um sich zugleich fröhgemut die Melodie von Mozarts "Eine kleine Nachtmusik" einzuverleiben und in einen swingenden gutturalen Singalong umzumünzen. Mehr Laibach als diese herzlich hämische Hommage an den großen Komponisten geht kaum – eine ziemliche Wohltat nach der schmierigen K-Pop-Pastiche "Fluid emancipation", der Co-Produzent Richard X zwar ebenfalls fette Bass-Sequenzen einpflanzt, die sich jedoch als süßes Nichts aus selbstvergessenem Tralala selbst demontiert. Auch hier gilt auf ironisch verdrehte Weise also: alles richtig gemacht. Was vielleicht sogar Kollege Heinecker unterschreiben würde, der BTS' "Arirang" mit einer höchst durchschnittlichen Bewertung abspeiste.

Dass "Musick" einer solchen entgeht, liegt daran, dass die Slowenen nicht nur etwas von Konzeptkunst und Kulturpessimismus verstehen, sondern auch mit allen musikalischen Wassern gewaschen sind. Wie "Luigi Mangione" am Beispiel des mutmaßlichen Mörders eines millionenschweren CEOs den Pop-Appeal von Verbrechern demonstriert und einen staubigen Cyber-Western-Background grobpinselt, ist so maliziös wie geschmackssicher, und die Metal-Parodie "Keep it reel" exorziert mit ähnlichem Ingrimm wie das 1996er-Werk "Jesus Christ superstars" die trügerischen Verheißungen von TikTok- und Instagram-Kreationen. Auch Künstliche Intelligenz kriegt im Closer "Das göttliche Kind" ihr Fett weg – und wirkte trotzdem an diesem zerjohlten Hyperpop-Zerrbild mit. Laibach dazu: "KI ist (noch) nicht sonderlich intelligent." Ganz im Gegensatz zu ihnen selbst.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Musick
  • Singularity
  • Allgorhythm
  • Luigi Mangione

Tracklist

  1. Musick
  2. Fluid emancipation
  3. Singularity
  4. Love machine
  5. Yes maybe no
  6. Allgorhythm
  7. Resistencia
  8. Keep it reel
  9. Luigi Mangione
  10. Das göttliche Kind

Gesamtspielzeit: 37:45 min.

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User Beitrag

MickHead

Postings: 11441

Registriert seit 21.01.2024

2026-05-01 12:13:22 Uhr
Jetzt auch komplett bei Bandcamp:

https://laibach.bandcamp.com/album/musick

MickHead

Postings: 11441

Registriert seit 21.01.2024

2026-05-01 08:17:38 Uhr
Komplette Playlist bei YouTube:

https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_k02ptBGV4gDVRFDrN9Uv1v-EVbV6Yl6xU&si=qEuraiF_xVf8MOvR

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30579

Registriert seit 08.01.2012

2026-04-22 20:48:52 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

MickHead

Postings: 11441

Registriert seit 21.01.2024

2026-03-31 23:03:06 Uhr
2. Song "Musick (Feat. Wiyaala)"

https://youtu.be/lUm6zahJgP0?si=tV3fQ7Gh4qntTe7X

MickHead

Postings: 11441

Registriert seit 21.01.2024

2026-02-11 13:40:51 Uhr
Die slowenische Avant-Garde/Experimental Band "Laibach" aus Trbovlje, kündigt für den 01.05. das neue Album "Musick" an. Es folgt auf "Alamut" von 2025.

Musick ist ihr erstes Studioalbum mit Originalmaterial seit Spectre aus dem Jahr 2014.

Es soll sich dabei um ihr mit Abstand poppigstes Werk handeln – dementsprechend wurde Produzent Richard X verpflichtet, der unter anderem für seine Arbeit mit Sugababes, Goldfrapp, New Order und Kelis bekannt ist. Ohne Scheuklappen wurde ein breites Spektrum zeitgenössischer Sounds als Referenz herangezogen – von K-Pop und J-Pop bis hin zu 90er Jahre-Eurodance. „Unser primärer Einfluss- und Bezugspunkt blieb jedoch Laibach selbst“, so die Band, „in all unseren Schattierungen, Variationen und historischen Transformationen.“

Erster Song "Allgorhythm (Feat. Wiyaala)"

https://youtu.be/erR5PSfKo7w?si=6NoV9ubylky34rlo

Tracklist:

01 – Musick
02 – Fluid Emancipation
03 – SIngularity
04 – Resistencia
05 – Love Machine
06 – Luigi Mangione
07 – Keep It Real
08 – Yes Maybe No
09 – Allgorhythm
10 – Das göttliche Kind

Tour 2026

18.05.2026 AT-Graz, Orpheum
19.05.2026 Schorndorf, Manufaktur
20.05.2026 Köln, Essigfabrik
02.06.2026 Leipzig, Täubchenthal
03.06.2026 München, Muffathalle
04.06.2026 AT-Klagenfurt, Burghof
06.10.2026 Bochum, Zeche
08.10.2026 Hamburg, Große Freiheit 36
13.10.2026 Berlin, Huxleys Neue Welt
14.10.2026 Dresden, Reithalle
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