JBS - Zweitausendfünf
RBK / Universal
VÖ: 24.04.2026
Unsere Bewertung: 4/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
Lieder über Liebe
Möglichst kaputt zu klingen, ist kein neuer, aber ein hartnäckiger Trend. In Deutschland bleibt Henning May dafür ein Paradebeispiel. Solche Stimmen sind nicht nur auf charmante Art ein bisschen angeraut und kräftig. Sie klingen auffallend oft, als hätte der Sänger die letzten fünf Jahre durchgeraucht, durchgelitten und durchgeschrien – womöglich sogar gleichzeitig. Der tiefe Gesang suggeriert bedeutungsschwangere Lyrics, obwohl eigentlich nur der brummige Sound im Vordergrund steht. Authentizität soll quasi durch Kehlkopfverschleiß erzwungen werden, der Rest scheint zweitrangig zu sein. JBS hat dieses Prinzip perfektioniert oder sich zumindest sehr konsequent darin eingerichtet. Womöglich ist sein Song "Vielleicht vielleicht" mit Millenium Kid auch deshalb viral gegangen. Seitdem hat er unter anderem mit Finch und Bausa gearbeitet. "Zweitausendfünf" ist sein Debütalbum, das zwischen Beat-basiertem Rock mit Rap-Elementen ansiedelt. Und was seinen Gesang angeht, klingt darauf nichts zufällig.
Die Stimme von JBS ist so demonstrativ nach unten gedrückt und konsequent auf "kernig" gebürstet, dass der Fokus sich schnell verschiebt. Es ist weniger wichtig, was hier eigentlich erzählt wird, sondern eher die Frage, wie lange das stimmlich noch gutgehen kann. Genau das mag auch einen gewissen Reiz ausmachen: Trennungsschmerz, Selbstzweifel oder diffuse Weltüberforderung klingen so immer nach maximalem Drama. Nur nutzt sich das zügig ab. Wenn jeder Song auf derselben emotionalen Eskalationsstufe beginnt, bleibt für Steigerung schlicht kein Platz mehr. JBS geht häufig nach einem gleichen Schema vor: Der lyrische Einstieg kommt fast immer minimal instrumentiert aus. "Denn nur bei mir kann ich anders sein / Freude zeigen fällt mir nicht so leicht", singt er etwa bei "Nur bei mir". In "Liebeslied" startet der Gesang betont robuster: "Ich hab Dir heut' ein Liebeslied geschrieben, doch ich weiß / Wenn Du es hörst, denkst Du nicht an Dich / Ich nenn Dir tausend Gründe, Dich zu lieben / Aber keiner kann verhindern, dass mein Herz an Dir zerbricht." Dazu kommt ein musikalisch seltener Moment mit Rock-Avancen: Drums und E-Gitarren spitzen sich im Refrain zu, um dann doch wieder von wenig aussagekräftigen Beats unterbrochen zu werden. Damit bewegt das Album sich musikalisch oft auf der Stelle. Das poppige "Stern" bietet eine erfrischende Ausnahme und setzt eher auf leichte Synthie-Töne und sanften Hall.
Auch lyrisch kippt die vermeintliche Tiefe schnell. Denn unter der gewollten Rauheit steckt strukturell etwas, das man so eher aus ganz anderen Ecken kennt: Schlager. Auch hier kreist alles um dieselben wenigen Themen – Liebe, Verlust, Vermissen. Die Motive kehren wieder, die Bilder sowieso, nur dass sie auf "Zweitausendfünf" nicht in Sonnenuntergänge, sondern in Dunkelheit getaucht werden. Das Ergebnis ist inhaltlich erstaunlich ähnlich und eindimensional, nur die Verpackung ist eine andere. Wenn die ehemalige Gothic-Band Unheilig längst im Schlager verankert ist, Nino de Angelo plötzlich mit düsterem Deutschrock in großen Shows steht und Ben Zucker seine Reibeisenstimme erfolgreich durch sämtliche Playlisten trägt, warum sollte ein JBS nicht genau dort reinpassen? Der Weg vom Emo-Rap zum Schlager-Format kann kürzer sein, als es diesem Album wohl lieb ist. Dennoch könnte "Zweitausendfünf" unerwartet den Weg dazu ebnen.
Highlights
- Liebeslied
- Stern
Tracklist
- Orkan (Intro)
- Manchmal (feat. Karina Rose)
- Nur bei mir
- Kalt gemacht
- Meer
- Liebeslied
- Stern
- Du fehlst
- Vier Wände (Interlude)
- Angst
- Chaos und Krach
- Spiegel
- Vermissen
- Gewitter
- Gegend
- Bernstein
Gesamtspielzeit: 44:21 min.
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Referenzen
Millenium Kid; Ennio; Milliarden; Bausa; Zartmann; Makko; AnnenMayKantereit; The Boy The G; Nike Helena; Fynn Kliemann; Flut; Betterov; Provinz; Ski Aggu; Finch; Valexus; Contec; Mayberg; Berq; Edwin Rosen; Oswald; Georg Stengel; Mo-Torres; Kati K; Jona; Enkay; Esther Graf; Berq; Domiziana; Jeremias; Kummer; Alexander Eder



