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Jazeek - 4LAP

Jazeek- 4LAP

Ninetynine / Ventura / Universal
VÖ: 10.04.2026

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Highlevel ignorant?

Bei Jazeek läuft es – warum also etwas ändern? Sein inzwischen viertes Album "4LAP" bietet daher keine wirklich auffälligen Neuheiten, ist aber etwas länger und schürt beim Blick auf die Gastbeiträge sogar höhere Erwartungen. Ob und wie diese erfüllt werden, bleibt jedoch Ansichtssache, um es fair zu formulieren. Denn ähnlich wie bei einem Luciano oder Aymen – beide sind auf der Platte auch vertreten – kann diese als Album verkaufte Playlist durchaus ihren Zweck erfüllen, wenn man verwischte Grenzen zwischen Rap und R'n'B, Player- oder Loverboy-Lyrics und zeitgemäße Beats mit gelegentlichen Samples früherer Mainstream-Hits genießen will. In dieser Sparte, die im laufenden Jahrzehnt ihren vorläufigen Peak scheinbar erreicht hat, gehört Jacek Obren Savic tatsächlich zu den Besten in Deutschland. Seine beiden letzten Platten charteten auf Eins, der Vorgänger "Most valuable playa" erreichte Goldstatus – und trotzdem steht Savic quasi sinnbildlich für eine Generation von Rappern, die kaum mehr Wert auf Reimtechnik, Storytelling oder Flow-Variationen legt. Stattdessen stehen auch auf "4LAP" wieder hochmoderne Beats, melodische Lines und einfach nur Vibes statt richtiger Inhalte im Fokus. Das kann auf Dauer allerdings nur für jene Zielgruppe funktionieren, die genau das sucht.

Das bedeutet konkret, dass sich auch auf dieser Platte wieder zu viele Tracks ähneln. Immer wieder geht es um das älteste Motiv der Rap-Welt, also den eigenen Status als Rapstar – und zwar so sehr, dass fast kein Song hier ohne klischeehaften Materialismus auskommt. Wiederkehrende Motive sind außerdem sonnige Orte wie "Marbella" oder "Miami", der markante Mischmasch aus Deutsch, Englisch sowie ab und an Spanisch und – mit Abstand am häufigsten – irgendwas mit Frauen. Mal ist der Aachener sich unsicher, ob SIE wie im gleichnamigen Track ein "Good girl" oder doch "eine Bad bitch" ist; gelegentlich gibt es wie bei "Unsichtbar" oder "Tränen" einen von Herzschmerz und innerer Zerrissenheit getriebenen Ansatz, der durchaus Potenzial für interessante Songs hätte, aber nun mal immer nach knapp zweieinhalb Minuten wieder verworfen wird. Einzig "Vergiss mich" vermittelt aus dieser Reihe so etwas wie Authentizität und eine packende Delivery. Vielleicht ist der Titel deshalb deckungsgleich mit dem heute fast vergessenen Hit von Bushido und J-Luv aus dem Jahr 2011, den womöglich beide heute selbst nicht mehr auf dem Schirm haben.

Dem gegenüber stehen dann eine Reihe Tracks wie "Baddie", "Sexy lady" und "Señorita", deren größter nennenswerter Unterschied darin besteht, dass der letztgenannte Song – nomen est omen – tatsächlich klingt, als hätte jemand die DNA von Enrique Iglesias und, sagen wir mal, Lacazette gekreuzt und in Musik verwandelt. Jener Lacazette bietet übrigens mit seinem Gastpart auf "Verliebt in ne B" den auffälligsten Versuch von Storytelling auf dieser Platte, schießt aber bei Zeilen wie "Du hast geheiratet mit einem Arzt, ich akzeptier's / Ich war das Schlechteste und Beste, was Dir je passiert (…) Ich töte für ihre Pussy / Steh' vor Dein' Hochzeitssaal im Ledermantel mit 'ner Uzi" vielleicht etwas übers Ziel hinaus. Überhaupt ist Abneigung gegen Ex-Freundinnen hier ein Dauerthema, ob nun als eigener Song ("F my Ex") oder als Aufhänger für einen Neuanfang ("Frei"). Übertroffen wird die Intensität nur noch durch den Hass auf den Neuen der Ex, was auf "Parfum" an der Seite des wohl größten Namens unter den Features der Platte dann sogar irgendwie funktioniert – auch weil Shindy und Jazeek wie füreinander geschaffen wirken, zumindest auf den ersten Blick. Im Prinzip dasselbe gilt für "Ma shawty" mit Luciano, nur dass hier tatsächlich in einem Meer aus Selbstmitleid auch so etwas wie Kritik am eigenen Verhalten ("Es tut mir leid, wie ich zu Dir war / Du weißt, ich komme nicht klar") aufblitzt, was hier sonst nur selten passiert. Da verschmerzt man auch mal etwas zu offensichtliche Zweckreime.

Überhaupt bietet "4LAP" durchaus seine Momente, die durch Jazeeks Gesangstalent und die manchmal doch angenehm eingängige Melodik einen gewissen Charme entwickeln. Was wohl möglich wäre, würde das ganze Album daraus bestehen – so aber bekommen wir auch Nummern wie "Klatsch das!", bei der sich nicht einmal die Mühe gemacht wird, Akons und Eminems "Smack that" neu zu interpretieren: Jazeek und Crimebeatz übernehmen hier vom Flow über die Instrumentals bis hin zur Reimstruktur fast alles. Und der interessanteste Querverweis der gesamten Platte ist ein relativ harmloser Seitenhieb gegen Miami Yacine – sind die neuen Rapper heutzutage nicht einmal mehr hungrig auf saftigen Beef? Oder ist es einfach lukrativer, wenn verschiedene junge Artists sich höchst erfolgreich ausprobieren, um am Ende allesamt mindestens ähnlich zu klingen wie ein Sun Diego vor gut 20 Jahren? Wenn das alles so gewollt ist, könnte man es durchwinken und als Stilmittel begreifen, das Fler einst als "Highlevel ignorant" bezeichnete. Das wäre immer noch besser als Rapmusik, die eigentlich etwas aussagen will, sich auf über einer Stunde aber unzählige Male wiederholt. So erweckt auch diese Platte – gerade mit ihrer Länge – den Eindruck von verschwendetem Potenzial.

(Maximilian Baran)

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Highlights

  • Vergiss mich
  • Ma shawty (feat. Luciano)
  • Parfum (feat. Shindy)

Tracklist

  1. 4 da streets
  2. Gegend in der Bella
  3. Fallin
  4. Tränen
  5. Vergiss mich
  6. F my Ex
  7. Frei
  8. Verliebt in ne B (feat. Lacazette)
  9. Klatsch das!
  10. Bend over 2 (feat. Sosa La M)
  11. Baddie
  12. Sexy lady
  13. Señorita
  14. Blessed
  15. Unsichtbar
  16. Letztes Hemd (feat. Lune)
  17. 304 (feat. Aymen)
  18. Oye!
  19. Love peace harmony
  20. Miami (feat. Reezy)
  21. Marbella
  22. Immer (feat. Dystinct)
  23. Ma shawty (feat. Luciano)
  24. Parfum (feat. Shindy)
  25. Good girl
  26. Das letzte Mal

Gesamtspielzeit: 63:59 min.

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Armin

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2026-04-22 20:47:56 Uhr - Newsbeitrag
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