Crippled Black Phoenix - Sceaduhelm
Season Of Mist / Soulfood
VÖ: 17.04.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
Ichbezogen
Lauter, immer lauter. So scheint zumindest die momentane gesellschaftliche Entwicklung zu sein. Befeuert von den Algorithmen derjenigen Medien, die einst "sozial" sein sollten, aber mittlerweile allzu oft Sprachrohr für Hass und Menschenverachtung sind, meinen mehr und mehr diejenigen die Oberhand zu gewinnen, die am lautesten schreien. Düstere Aussichten mitunter, und manchmal fällt es schwer, hier innere Stärke zu zeigen und sich davon nicht anstecken zu lassen. Diese Perspektive aufzugreifen, war Vision von Justin Greaves für seine Band Crippled Black Phoenix bei den ersten Skizzen für "Sceaduhelm". Die Ambivalenz trägt die Platte bereits im Namen: Denn der "Schattenhelm", so die wörtliche Übersetzung aus der Beowulf-Saga, kann einerseits Schutz vor der Dunkelheit sein. Andererseits aber auch die alles einhüllende Finsternis.
Wenn das zwölfte Studioalbum also eine Art Reise ins Ich sein soll, dann ist das Intro "One man wall of death" allerdings ziemlich verstörend. Abschreckend, sperrig und vielleicht auch einen kleinen Tick zu lang, legt es jedoch die Basis für ein Album, das auch ohne diesen Überbau hervorragend funktionieren kann. Denn Greaves lässt seiner Schwester im Geiste, der Schwedin Belinda Kordic, sowie den anderen Mitstreitern so viel Raum für ihre Lyrics, dass sie direkt den Gesang übernehmen. Und das sorgt für höchst spannende Stimmungsbilder. So gibt der eigentliche Opener "Ravenettes" jeglicher Weinerlichkeit keinen Raum, baut wunderbare postrockige Riff-Wälle auf und ist alles andere als introvertiert, während Zeilen wie "Out of sight, out of mind / Only works for an amount of time" dazu auffordern, sich der inneren Herausforderungen zu stellen.
Dann der Bruch. Nicht qualitativ. Sondern in der Stimmung. Was "Things start falling apart" andeutet, setzt "No epitaph / No precipice" um. Erbarmungslos. Finster. Mit einem Ryan Patterson, der unendlich viel Schmerz in seinen Gesang legt und dabei irgendwo zwischen Nick Cave und der Spätphase von Johnny Cash landet. “Is this where it ends? No epitaph for a love that couldn’t last?” Großartig? Ja. Aber noch viel großartiger ist die Goth-Hymne "Vampire grave", die Patterson im späteren Verlauf der Platte zündet und damit ganz nebenher zeigt, was möglich gewesen wäre, hätten Fields Of The Nephilim den Pop-Appeal von The Sisters Of Mercy gehabt.
Und dann ist da ja noch Belinda Kordic. Kann man noch besser singen als die Skandinavierin im verzweifelten "Under the eye"? Wie emotional verkümmert muss man sein, wenn Zeilen wie "Under your rule, under your thumb / You aim for the weak, you come for the young / How dead is the heart holding that gun / Pointed at a child, meant for the young" nicht unter die Haut gehen? Wären da nicht die gelegentlichen Zwischenspiele und Samples, wäre da nicht das seltsam unpassende "Dropout", solche Wucht würde alles um sich herum erschlagen. So bleibt den einzelnen Songs Luft zum Atmen, was sie für sich wirken lässt. Erst recht, wenn "Beautiful destroyer" den finster wabernden Abschluss gibt. Nämlich den Abschluss einer wunderbaren Platte, die mitreißt, die gefangen nimmt. Die aufwühlt, aber dennoch einen schützenden Kokon webt. Stark.
Highlights
- No epitaph / The precipice
- Vampire grave
- Under the eye
- Beautiful destroyer
Tracklist
- One man wall of death
- Ravenettes
- Things start falling apart
- No epitaph / The precipice
- The void
- Hollows end
- Dropout
- Vampire grave
- Colder and colder
- Under the eye
- Tired to the bone
- Beautiful destroyer
Gesamtspielzeit: 66:24 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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Mann 50 Wampe Postings: 4937 Registriert seit 28.08.2019 |
2026-04-26 19:23:52 Uhr
Jedenfalls komisches Konzept, wenn solche Dinge dabei herauskommen. Also ich meine nicht die CBP Alben, sondern die Visions Bewertungskriterien. |
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Glufke Postings: 1484 Registriert seit 15.08.2017 |
2026-04-26 13:50:36 Uhr
Ja, und es gibt auch wiederum Alben, die dort in der Rezi 6/12 Punkten bekommen und dann auf Platz 6 im Soundcheck landen ;)Jetzt aber zum Album: irgendwie bekommen mich CPB nicht mehr. "Banefyre" müsste ich nochmal probieren. Aber mögen tue ich eigentlich nur "I, Vigilante" und "Mankind...". |
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noise Postings: 1145 Registriert seit 15.06.2013 |
2026-04-26 11:03:22 Uhr
Nun ja, im Soundcheck sind halt neun Leute vertreten die 5-8/10 Punkte vergeben. Die Dame, die die Rezension geschrieben hat, hat halt eine höhere Meinung von diesem Album.Geschmäcker sind halt verschieden. |
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Mann 50 Wampe Postings: 4937 Registriert seit 28.08.2019 |
2026-04-23 17:28:28 Uhr
Im Visions auf Platzt 25 von 25 Platten im Soundcheck. Im Innenteil dann eine 9/10? Was stimmt mit denen nicht? Sorry Visions, dich kann man leider nicht mehr ernst nehmen. |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30579 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-04-22 20:46:41 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Referenzen
Sólstafir; Pink Floyd; King Crimson; Alice In Chains; Soundgarden; Danzig; Life Of Agony; Type O Negative; Porcupine Tree; Steven Wilson; Hearts Of Black Science; The Cult; Shipping News; Low; Retribution Gospel Choir; Nick Cave & The Bad Seeds; Mogwai; Maserati; Godspeed You! Black Emperor; Destroyer; Rex; King's Daughters & Sons; Dirty Three; Mercury Rev; Sixteen Horsepower; Wovenhand; Crime & The City Solution; Kyuss; Uncle Tupelo; Nikki Sudden; These Immortal Souls; Rowland S. Howard; 90 Day Men; The Paper Chase; American Music Club; Joy Division; Tom Waits; Lou Reed; John Cale; Ennio Morricone; The Book Of Knots; Fly Pan Am; Matt Elliott; The Art Of Fighting; The God Machine; Calla; 2 Litre Dolby; White Magic; Rachel's; Tara Jane O'Neil; Shannon Wright; Victory At Sea; Piano Magic; Des Ark; The Sonora Pine
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