Nalan - 2009
Mansions And Millions
VÖ: 24.04.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
Die exakte Klagenweite
Nalan Karacagil ist wohl nicht weniger als ein musikalisches Multitalent. Die gebürtige Münchnerin, die inzwischen in Berlin wohnt, sorgte bereits mit ihrer Band Gaddafi Gals dank starker konzeptioneller Produktion zusammen mit Rapperin Ebow zwar nicht für enorme Bekanntheit, aber doch die eine oder andere wohlwollende Besprechung in etwaigen Feuilleton-Artikeln. Nun, nach knapp vier Jahren ohne Release, hebt sie mit ihrem zweiten Solo-Album "2009" ihren Stil-Mix aus etwas Neo-Soul, viel Alternative-R'n'B und noch mehr Synthie-Gefrickel nicht bloß um einige Stufen an, sondern wuchtet ihn gleich mehrere Stockwerke nach oben. Als Inspiration dienten dazu einige private Aufnahmen aus diesem Jahr, die von Nalan in eine Art "alternative Vergangenheit" übersetzt werden. Und schon der Intro-Song "Apple" ist einfach nur gigantisch. Nalan verkörpert die Wortherkunft ihres Namens als "die Klagende" und wimmert mit einer herzzerschellenden Fragilität zwischen Folk-Gitarren und wabernden Ambience-Echos mit ihrer feenartigen Stimme in kehlig-verzerrten Melismen, sodass man eigentlich direkt nach drei Minuten eine Hörpause einlegen muss. Eine erste Assoziation zu diesem Titel könnte beispielsweise "Ritual union" von Little Dragon sein, dabei allerdings gepaart mit einer nahezu björkesken Stimmgewalt. "Song des Jahres"-Anwärter, kurz gesagt.
Um nochmal den zeitlichen Horizont zu visualisieren: In eben jenem Jahr 2009 brachte die kleine britische Band The xx ihr Debütalbum heraus und spielten unter anderem bei ihrem Tourstopp in München im mittlerweile längst nicht mehr existierenden "59:1", sozusagen Nalans "Stammclub" in der Heimat. Selbst wenn die Lyrics hier keine direkten Bezüge zu den Südwest-Londonern erkennen lassen, schafft Nalan eine Atmosphäre, in der man sich solche Zufälligkeiten eben gerne zusammen recherchiert und sich gedanklich draußen vor den Clubtüren mit ihr zum Rauchen trifft. Der Song selbst wiederum gerät dabei deutlich akustischer als sein Vorgänger zu einer Art Sadcore-Ballade, ebenso wie das in einigen Belangen doch nochmal etwas stärkere "Heavy metal". In seinen größten Momenten scheut das Album jedoch nicht vor hingebungsvollem Elektrogewitter zurück und liefert dafür mit "Ok" einen weiteren schlagkräftigen Beweis. Das handwerklich exzellente Zusammensetzen von sanften und harten Melodien zu einem harmonischen Gebilde gibt genug Anlass zu vermuten, dass Nalan auch unter ihrem DJ-Alias Slimgirl Fat zu überzeugen weiß.
In gewisser Weise sind Segen und Fluch auch hier zwei Seiten derselben Medaille: Ein derart überwältigender Auftakt setzt einen Maßstab, an dem sich alles, was folgt, zwangsläufig messen lassen muss. Gerade weil "2009" so eindrucksvoll beginnt, geraten selbst sehr gute Songs wie "Heavy metal" oder auch "Stars" im weiteren Verlauf in den Sog dieses Einstiegs und wirken im direkten Vergleich unweigerlich ein wenig blasser. Angesichts der Spielfreude, Virtuosität und produktionstechnischem Talent dieses Albums wäre das als Resultat jedoch eine etwas unfaire Gesamteinschätzung. Tatsächlich kennt das Album weder echte Schwächen, noch Ausfälle im klassischen Sinne. Und bei lediglich neun Titeln kann man auch nicht wirklich von irgendwelchen Filler-Stücken auf dem Gesamtweg sprechen. Vielmehr liegen seine Höhepunkte schlicht so absurd hoch, dass kaum ein weiterer Moment dieselbe Strahlkraft entwickeln kann, um auf deren Augenhöhe zu bleiben.
Highlights
- Apple
- Ok
- Heavy metal
Tracklist
- Apple
- 59:1 (fiftynine to one)
- I like you
- Ok
- Down the drain
- Heavy metal
- I've got nothing to say
- Stars
- Everything was easy in 2009
Gesamtspielzeit: 31:25 min.
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Vive Postings: 1491 Registriert seit 26.11.2019 |
2026-05-04 18:57:41 Uhr
hey! das gefällt mir gut! im ersten song gleich mal mit der verweigerungshaltung, die mir bei jedemR künstlerIn gefällt. toll! bin gespannt wie es weiter geht…denke auch ein bisschen an das tolle album "june" von julia marcell. herzergreifend und stilistisch sicher aber vielfältig |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30585 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-04-22 20:49:20 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Referenzen
Little Dragon; Gaddafi Gals; Slimgirl Fat; Solange; Blood Orange; The Knife; Fever Ray; Santigold; Lamb; Glasser; Frank Ocean; The xx; Joan As Police Woman; Abra; Puma Blue; Pretty Lights; Erykah Badu; We Have Band; When Saints Go Machine; Lightspeed Champion; Yeasayer; TV On The Radio; Maximum Balloon; Junior Boys; Phantogram; Twin Shadow
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