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Long Distance Calling - The phantom void

Long Distance Calling- The phantom void

Ear / Edel
VÖ: 10.04.2026

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Die gezähmte Unendlichkeit

Long Distance Calling. Schon der Name suggeriert Bilder von offenen Landschaften und weiten Himmeln. Jedem einzelnen ihrer neun veröffentlichten Studioalben wohnt eine eigene Ästhetik inne, und gleichzeitig tragen alle den unverwechselbaren Stil der Band in sich. Doch nach der bisher längsten Pause zwischen zwei Alben – vier Jahre sind seit dem großartigen Konzeptalbum "Eraser" vergangen – meldet sich die Münsteraner Prog-Rock-Band statt mit gewohnten Breitwandpanoramen in John-Carpenter-esken Szenarien zurück.

Bereits im Intro wird klar, dass hier etwas anders läuft. "Mare" legt mit heruntergepitchten Vocals los, die später auch in "A secret place" den gesprochenen Lyrics ihre klangliche Form geben. Atmosphäre entsteht hier diesmal nicht durch Weite, sondern durch Verfremdung. Generell lässt sich diese Platte weniger in Landschaften als in Szenen imaginieren. "The spiral" windet sich durch seltsame Harmoniefolgen, die man so von der Band nicht kennt, und erinnert stellenweise an die Retrowaver Dance With The Dead. Insgesamt greift das Arrangement dann aber dennoch erstaunlich gut ineinander. Dass – zugegeben überaus gelungene – Hochglanz-statt-Grindhouse-Coverartwork, designed von Rupert Gruber, seines Zeichnens (sic!) üblicherweise für Marvel tätig, unterstreicht die Ähnlichkeit zu den Artworks der frühen Dance-With-The-Dead-Scheiben zusätzlich. Das geht stimmig mit der düsteren, teilweise retrofuturistischen Klangästhetik einher. Im Titeltrack "Phantom void" greifen die Ideen dann wunderbar ineinander: Drumcomputer und echtes Schlagzeug verzahnen sich, Delay-Gitarren bauen eine Sequenz auf, im Hintergrund schwebt, das Flächengefühl verstärkend, etwas Orgelartiges.

Drummer Janosch Rathmer ist in gewohnter Qualität über Albumlänge hinweg Kernelement und Rotationspunkt der Platte. Seine ausgeklügelten Drumpatterns sorgen mit triolischen Fills und seinem tighten Spiel für Wucht und Momentum. Selbst in den reduzierteren Augenblicken bleibt seine Handschrift präsent und sorgt dafür, dass die Songs nicht auseinanderdriften. Doch es bleibt ein ambivalenter Eindruck: "The phantom void" ist die kürzeste Platte der Bandgeschichte – auch wenn die Songs sich immerhin noch Zeit für Intensitätsaufbau lassen. Ob man das als positiven Punkt gesteigerter Effizienz verbuchen sollte, wie der Pressetext glauben machen möchte, ist anzuzweifeln. Effizienz ist kein Wort, dass sich bei der Musik von Long Distance Calling aufdrängt. Vielmehr ist doch die Stärke dieser Band die Weite, das Verspielte und unbedingt auch das Unkitschig-Epochale. Schade, sollte selbst die Band das nicht mehr als eigene Stärke betrachten.

Der zugehörige Kurzfilm von Felix Krocht, der die Geschichte eines Mannes erzählt, der sich selbst durch seine Albträume jagt, deutet zumindest in diese Richtung. Viel Wiederholung, Enge und Ich-gegen-mich, das wohl Assoziationen an David Lynch aufkommen lassen soll. Obwohl es generell begrüßenswert sein kann, Kunstwerke nicht nur auf eine Ausdrucksform zu beschränken, sondern interdisziplinär zu gestalten, ist es ganz besonders im Fall von Long Distance Calling nicht nötig, die Musik filmisch umzusetzen. Das Musikfernsehen liegt schon lange am Boden, und damit auch die Notwendigkeit, Bewegtbildmaterial abliefern zu müssen, um Airtime zu erhalten. Die großartigen Soundscapes der Band lassen ohnehin Filme epischen Ausmaßes vor dem inneren Auge erstehen. Wenn gerade in der aktuellen Zeit ein Album auf Kürze, Videountermauerung und Effizienz setzt, dann kann damit ein wichtiger Teil verloren gehen, der Musik zur Kunst erhebt – oder zumindest nicht allzu sehr nach Vermarktbarkeit schielt. Dass "The phantom void" ein recht gutes Album ist, sei unbestritten. Aber es fällt schwer, von einer großartigen Band, die sich durch musikalische Tiefe und einer seit zwanzig Jahren unveränderten Bandbesetzung von vielen anderen Acts abgrenzt, nicht doch ein wenig mehr zu erwarten.

(Jasmin Klemm)

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Highlights

  • The spiral
  • Phantom void
  • Sinister companion

Tracklist

  1. Mare
  2. The spiral
  3. A secret place
  4. Nocturnal
  5. Phantom void
  6. Shattered
  7. Sinister companion

Gesamtspielzeit: 45:48 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30585

Registriert seit 08.01.2012

2026-04-15 20:08:17 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

MickHead

Postings: 11473

Registriert seit 21.01.2024

2026-04-10 10:03:55 Uhr
Komplette Playlist bei YouTube:

https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_lIJWV_Lfw5qe1uprQcP4fthHi0tVFqkVQ&si=M7yV3phmyGV1M4rg

8hor0

Postings: 1611

Registriert seit 14.06.2013

2026-03-04 09:14:31 Uhr
The Spiral
https://youtu.be/vj7ffHqSQx0

8hor0

Postings: 1611

Registriert seit 14.06.2013

2026-02-05 10:20:36 Uhr
"LONG DISTANCE CALLING - A Secret Place (Official Video) | New Album 'THE PHANTOM VOID' Out April 10"

https://youtu.be/55qLwqLSQ4U
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