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Immolation - Descent

Immolation- Descent

Nuclear Blast / Rough Trade
VÖ: 10.04.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Nach alter Väter Sitte

Zu den Vätern des Death Metal werden gemeinhin zwei Bands gezählt, nämlich Death und Possessed. Während jene mit ihren ersten Alben im Underground für Aufsehen sorgten, gründete sich in New York eine Band namens Rigor Mortis, aus deren Überbleibseln 1988 Immolation entstand. Allzu oft allerdings werden Vorreiter von der eigenen Welle überrollt, und so war den New Yorkern der ganz große Durchbruch nie vergönnt, zumal das erste Studioalbum "Dawn of possession" erst 1991 auf den Markt kam, zu einer Zeit also, als der Hype längst tobte. Und doch ist es Immolation über all die Jahre gelungen, konstant gute Alben zu veröffentlichen, die insbesondere durch die technisch hochwertige Gitarrenarbeit von Bandgründer Robert Vigna begeistern konnten.

Diese Routine, dieses blinde Verständnis mit Bassist und Frontmann Ross Dolan, der ebenfalls seit 1988 zur Band gehört, merkt man auch dem zwölften Studioalbum "Descent" zu jeder Zeit an. More of the same also, kennste einen Song, kennste alle? Glücklicherweise nicht. Denn hinter dem wunderschönen Artwork des momentan sehr umtriebigen Designers Eliran Kantor hält die Platte deftigste Riffs sowie eine bislang eher wenig wahrgenommene Dynamik bereit. Schon der Opener "These vengeful winds" spielt gekonnt mit Tempowechseln, lässt Vigna mit seinem Mit-Gitarristen Alex Bouks perfekt harmonieren. Das folgende "The ephemeral curse" treibt diese Idee weiter voran, geht aufgrund seiner Gitarrenfrickeleien beinahe als Prog-Death durch – und ja, diese irrwitzigen Drums kommen tatsächlich von einem einzigen Menschen.

Jegliche Selbstverliebtheit wird allerdings durch die tonnenschweren Grooves von "God's last breath" eingestampft. Hier, in diesem Mittelteil des Albums, ist kein Platz mehr für Feingeisterei, hier zeigen Immolation ihre kalte, abweisende Seite, die schon die pure Raserei der Vorabsingle "Adversary" angedeutet hatte. Keine Zugeständnisse an etwaigen Zeitgeist, keine Breakdowns oder sonstige Mätzchen, nur pures, rohes Geknüppel auf technischem Höchstniveau – und doch ist da dieser absurde Mittelteil, der nur kurz das Tempo variiert und den Song noch düsterer als ohnehin schon werden lässt. Wollte man mit aller Gewalt einen Schwachpunkt suchen, so könnte man allenfalls bei "Attrition" landen, das eine Winzigkeit weniger zielsicher auf den Punkt kommt als der Rest der Platte.

Denn ansonsten bleiben die New Yorker bei aller technischen Finesse erfreulich schnörkellos, im besten Sinne solide. Denn Immolation waren und sind eine Album-Band, die noch nie den einen Übersong auf einer Platte hatte, sondern das Gesamtbild wirken lässt. Und das ist bei "Descent" überzeugend und kann zudem mit einem für heutige Verhältnisse klaren, aber dennoch druckvollen Sound auch die audiophile Fraktion begeistern. Das wiederum gelingt oftmals nur dann, wenn Musiker zwar genau wissen, in welche Richtung sie gehen wollen, aber dabei einem Produzenten der alten Schule vertrauen. Eine alte Schule, die aber dennoch weit mehr ist als altbacken oder altmodisch. So sieht Routine auf Höchstniveau aus.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • The ephemeral curse
  • Adversary
  • Descent

Tracklist

  1. These vengeful winds
  2. The ephemeral curse
  3. God's last breath
  4. Adversary
  5. Attrition
  6. Bend towards the dark
  7. Host
  8. False accent
  9. Banished
  10. Descent

Gesamtspielzeit: 43:08 min.

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User Beitrag

Sneedlewoods

Postings: 1798

Registriert seit 07.05.2023

2026-04-18 08:40:41 Uhr
Keine Kompromisse, kein anbiedern an Trends. Wo Immolation draufsteht, ist auch Authentizität vorhanden. Auch im 42. Jahr ihres Bestehens und dem 12. Album bleiben sich Urgesteine des US Death Metal treu. Das mag man wenig innovativ empfinden oder sich auf ein weiteres Album freuen, dass in seiner konsequenten Haltung sich vom ursprünglichen Death Metal nicht allzu weit zu entfernen, auch im Jahr 2026 eine verlässliche Konstante ist. Natürlich wird geknüppelt ohne Ende, Krümelmonstergesang mit trotzdem gut zu verstehenden Texten anstatt zwischendurch eingestreuten Klargesang, sind Gesetz.Es sind die kleinen Zwischentöne, die das ganze erträglich machen und dem Klischee entgegenwirken, dass Death Metal im Prinzip nur Destruktion ist. Gitarrensoli die nicht wie ein atomarer Erstschlag wirken, dezente progressive Schlenker(aber wirklich nur marginal),stehen auf der Habenseite. Das übermächtige Schlagzeug buttert de Bass etwas unter, was jetzt mein empfinden ist und vielleicht nur jammern auf höchstem Niveau ist. In der Gesamtheit ist "Descent" ein überzeugendes Album für Genreliebhaber.
9/10.

Sneedlewoods

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Registriert seit 07.05.2023

2026-04-18 08:39:38 Uhr

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30585

Registriert seit 08.01.2012

2026-04-15 20:07:32 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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