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Salò - Hardcore

Salò- Hardcore

Phat Penguin / FUGA
VÖ: 10.04.2026

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Bewegte Zeiten

NNDW ist irgendwie auch schon wieder tot, bevor es damit richtig losgehen konnte. Andreas Binder aka Salò lehnt jene Bezeichnung jedoch vermutlich ebenso vehement ab wie alles andere, was die Welt und ihre Menschen derzeit so treiben. "Hardcore", das dritte Album des selbsternannten "Anarcho-Pop-Punk-Poeten", ist ein lauter, roher Abgesang auf alles und jeden. Inspiriert wurde es vom sogenannten "Doomscrolling", also dem ungefilterten Dauerkonsum mieser Nachrichten, und der Hand in Hand damit einhergehenden Abstumpfung – von der gerade die Gen Z ein Lied singen könnte, würde es ihr denn bewusst werden. "Ganz alleine mit meinem Handy in der Hand / Schau ich mir tote Leute an", textet Binder, als sei absolut nichts dabei – Schulterzucken am Puls der Zeit. "Anarcho-Pop-Punk-Poet" bedeutet derweil erneut "Gepöbel auf Schrammelgitarre mit Elektro-Zusätzen", auch wenn "Rotten.com" noch geschickt mit Versatzstücken aus Post-Punk und Industrial spielt. Das Video dazu, mit welchem der Österreicher wohl abermals seine Edginess zur Schau stellen will, ist zwar eher so Kategorie "Wir haben noch Slipknot zu Hause". Aber in seiner grundsätzlichen Abgefucktheit funktioniert das Konzept, obwohl es zumeist an der Oberfläche bleibt.

Der Künstler unterstreicht seine Message gleich in mehrfacher Ausfertigung. Während die Welt hoffentlich bald untergeht, sitzt Binder im Park und streichelt Tauben, alles ist schön und nichts tut weh. Inmitten all der Apathie ruft er nur hin und wieder zum aktiven Handeln auf: "Jello Biafra" zitiert den Dead-Kennedys-Oldie "Let's lynch the landlord", misst sich zeitgemäß an Team Scheisses "Altbauwohnung" – und hält dem Vergleich stand. Während auch der Titeltrack mit seiner lebendigen Bassspur zu gefallen weiß, kommt überraschend, dass ausgerechnet das platt-provokativ benannte "Ich will Dein Hündchen sein" den gewollten Punk-Spirit am besten einfängt: "Ich will nicht funktionieren / Nur um ein Mensch zu sein." Der Blick ins Seelenleben ist natürlich untrennbar mit der Weltlage verbunden. Zwar ist Binder in erster Linie innerlich tot, möchte zwischendrin aber trotzdem darüber lamentieren, dass zu allem Überfluss außerdem die "Liebe" nicht funktioniert, und baut dazu einen textlichen Verweis auf Wir Sind Helden ein. Auch eine Form von Eskapismus. Der nächste Weckruf aus der Welt da draußen kommt sowieso früh genug: "Nahost / Kanye West." Brutal.

Von kleineren Abzweigungen wie "2D" mit Synthie-Störfeuer, Kuhglocken und Konservenbläsern oder dem Christian-Steiffen-Gedächtnisschunkler "Hundsjahre" abgesehen, kleidet der Künstler seine bemüht mehrdimensionale "Hardcore"-Interpretation ansonsten in weitestgehend unspektakuläre Outfits. Wir leben in komplizierten und zweifellos beschissenen Zeiten, also muss die Musik dazu simpel und aggressiv sein? Leider führt das dazu, dass nicht nur Binders Betrachtungen distanziert und deskriptiv bleiben, sondern auch die zehn Songs am Ende sehr eintönig wirken. Mit Dosenbier in den Fäusten funktioniert diese Zurschaustellung des modernen Elends bestimmt für ein Stündchen, also die Laufzeit von zwei Alben. Ob es aber auf Langfristigkeit ausgelegt ist? Goldene Aussichten sind nicht in Sicht: "In Hundejahren sind wir lange tot." Also hier die Momentaufnahme: Die Attitüde sitzt, die Songs schwächeln. "Hardcore" ist konsequent, damit aber eher bloß Statement als große Musik.

(Ralf Hoff)

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Highlights

  • Jello Biafra
  • Hardcore
  • Ich will Dein Hündchen sein

Tracklist

  1. Rotten.com
  2. Ich streichle Tauben
  3. Liebe
  4. Jello Biafra
  5. Halb Mensch, halb Pferd
  6. Hardcore
  7. Ich will Dein Hündchen sein
  8. 2D
  9. Richard Lugners Frau
  10. Hundsjahre

Gesamtspielzeit: 27:02 min.

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Armin

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2026-04-08 21:11:18 Uhr - Newsbeitrag
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