Henry Jamison - Big flower light go boom
Ultra
VÖ: 13.03.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
Im Fluss
Man kann sich bekanntlich nicht immer mit den ganz großen, existenzialistischen Dramen befassen; manchmal braucht man einfach musikalische Untermalung für schöne Momente und unkomplizierte Lebenssituationen. Musik für eine lange Autofahrt, die einen weder aufputscht noch einschläfert, sondern achtsam begleitet, dabei aber nicht langweilt. Musik, die durchaus das eine oder andere Experiment wagt, zugleich jedoch niemals nervt oder den Finger nervös über der "Skip"-Taste tänzeln lässt. Genau das – und das ist ein echter Verdienst – liefert Henry Jamison mit "Big flower light go boom" ab: eine gute halbe Stunde Tonkunst, die mit fast jedem Track erfreut.
Müsste man das hier bediente Genre näher eingrenzen, dann wäre man vermutlich irgendwo zwischen Folk und Dreampop. Das Rad wird hier zwar nicht neu erfunden, aber es dreht sich trotzdem hier und da mit einer raffinierten Unwucht, mal in Richtung elektronischer, dann wieder akustischer Klangwelten. Und eine besondere Rolle spielen die Vocals, ob sie nun als echte Gesänge oder als raffiniert eingesetzte Samples rüberkommen – wie im Opener "Yes Virginia", wo weibliche synthetische Gesangsspuren den Reigen eröffnen, dann aber schnell von Jamisons leibhaftiger Stimme abgelöst werden. Und schon nach wenigen Sekunden hat der Track seine Widerhaken ausgefahren, und man ist drin in diesem wunderbar leichtfüßigen Klanguniversum. Ein ähnliches Rezept verfolgt auch der nächste Track, der mit traumverlorenen Synth-Sounds aufwartet und ganz ohne Schlagzeug auskommt, dennoch gut nach vorne treibt. "Small hours" erinnert mit seiner Akustikgitarre ein wenig an das Frühwerk von Bright Eyes – wenn da nicht dieser schön verschlafene Gesang wäre, der ganz ohne das große Dramolett eines Conor Oberst auskommt. Und als dann die elfengleiche Frauenstimme von Gastsängerin Isabell Pless einsetzt, wird's einfach nur: sehr, sehr schön.
Das ganze Album lebt von einer perfekt abgezirkelten Mischung aus ruhigen Tracks, bei denen das Schlagzeug Pause hat, und angenehm schluffigen Tracks wie "Hudson", bei dem die Drums zwar sparsam eingesetzt werden, dabei aber sehr gut grooven. Wer Moi Caprice zu distanziert-kühl findet und Death Cab For Cutie zu prätentiös, wem Midlake zu sehr auf der Folk-Schiene unterwegs sind – der oder die dürfte sich mit Wonne in den ebenso zugänglichen wie abwechslungsreichen Sound von Henry Jamison reinlegen. Sachdienlich trägt dazu bei, dass hier und da auch mal ein paar andere Instrumente zum Tragen kommen: Mal pluckert hier kurz ein Banjo, aber auch die gute alte Mundharmonika hat einen kurzen Auftritt. Und so fließt das neue Henry-Jamison-Album Song um Song dahin, schafft Kontemplation und Erbauung; einzig und allein "To sea" wirkt etwas zerfasert und intellektuell-versponnen. Aber das verzeiht man schnell, wenn man das relaxte Schlussstück "Rue" gehört hat, ein echter Ohrwurm. Der zeigt, warum wir manchmal einfach ganz normale Popmusik brauchen.
Highlights
- Yes Virginia
- Small hours
- Rue
Tracklist
- Yes Virginia
- Third person
- Small hours
- Bambi
- Bambi 2
- Bobby
- To sea
- Hudson
- Pillar of salt
- Rue
Gesamtspielzeit: 33:54 min.
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kapomuk Postings: 75 Registriert seit 25.08.2014 |
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Die Hälfte aller Tracks haben Features, darunter allen voran Jacob Collier. |
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MickHead Postings: 10879 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-04-08 22:21:52 Uhr
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30473 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-04-08 21:09:29 Uhr - Newsbeitrag
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Referenzen
Sufjan Stevens; Passenger; Adrianne Lenker; Bright Eyes; Okkervil River; Band Of Horses; Damien Jurado; Death Cab For Cutie; The Postal Service; Elliott Smith; Conor Oberst; Monsters Of Folk; Neutral Milk Hotel; Laura Veirs; Jenny Lewis; Bon Iver; Sun Kil Moon; Ásgeir; Bonnie 'Prince' Billy; Billie Marten; Antony & The Johnsons; Scott Matthew; Dan Mangan; Josh Savage; Iron & Wine; Damien Rice; The Daredevil Christopher Wright; Tiger Lou; Belle & Sebastian; Soko; Josh Ritter; Lucy Rose; Florist
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