Beverly Glenn-Copeland - Laughter in summer
Transgressive
VÖ: 06.02.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
Unvergessen
Auf künstlerischer Ebene konnte Beverly Glenn-Copeland bereits erfolgreich das Vergessen abwenden. Jahrzehntelang ging der 1944 in Philadelphia geborene Kanadier seiner Leidenschaft für Musik ohne große Beachtung der Öffentlichkeit nach: Regelmäßige Auftritte in der Kindersendung "Mr. Dressup" und Kompositionen für die "Sesamstraße" bildeten hier schon den Gipfel seiner Popularität. Rund 30 Jahre nach seiner Veröffentlichung wurde jedoch Glenn-Copelands 1986 selbstveröffentlichtes Album "Keyboard fantasies" durch einen japanischen Sammler wiederentdeckt. Es folgten ein Reissue besagter Platte, ein Dokumentarfilm und generell viel Spotlight für einen Mann, der im achten Lebensjahrzehnt endlich die verdiente Würdigung für sein Talent erfuhr. Nach "The ones ahead" von 2023 ist "Laughter in summer" nun sein zweites Studioalbum nach diesem Mini-Durchbruch. Es ist ein feinfühliges, intimes Werk, geprägt von der Beziehung zu seiner Ehefrau Elizabeth ebenso wie zu seiner Diagnose mit LATE, einer Alzheimer-ähnlichen Form von Demenz.
Die neun Tracks von "Laughter in summer" sind One-Take-Aufnahmen, welche die Eheleute Glenn-Copeland ursprünglich als Vorbereitung auf eine Tour im Montrealer Studio Hotel2Tango einspielten – unterstützt von nur wenigen Mitmusiker*innen und einem Chor, zu dem unter anderem Songwriterin Helena Deland gehört. In diesem Sinne besteht das Album größtenteils aus Neuinterpretationen, auch von einigen "Keyboard fantasies"-Stücken. "Let us dance" bildet in zwei "movements" den Rahmen der Platte: Die erste Fassung ist eine majestätische Eröffnung, die Glenn-Copelands mehrere Oktaven umspannender Stimme viel Raum zur Entfaltung lässt, die zweite eine verspieltere Version mit einer dynamischen Call-and-response-Struktur. Statt der New-Age-Synths des Originals hören wir hier kaum mehr als Piano und Stimmen, was dem Song eine entwaffnende emotionale Nacktheit verleiht. "Ever new", wahrscheinlich das Herzstück von Glenn-Copelands gesamtem Schaffen, erscheint nicht nur durch das reduzierte Arrangement in einem anderen Licht: Seine Lyrics über das sich stetig erneuernde Wesen des Lebens bekommen im Kontext der Erkrankung auch eine neue Bedeutungsebene.
Im Zentrum des Albums verschiebt sich der Fokus verstärkt auf Elizabeths Stimme. "Harbour", initial ein Geburtstagsgeschenk von Glenn-Copeland für seine Frau, wird hier zum Duett zweier Liebender. In "Middle island lament" nimmt sich Beverly sogar ganz zurück, was die eigenständige Textur des Songs mit seiner dezent mittelalterlichen Anmutung und einer prominenten Flöte betont. "Laughter in summer / How I remember / June through September / Here with you", singt Elizabeth indes im Titeltrack, während ihr Mann sie mit einer wortlosen Melodie begleitet. Die von ihr selbst verfassten Lyrics begegnen Glenn-Copelands Erkrankung, akzentuieren aber weniger den damit verbundenen Schmerz als die Dankbarkeit für das, was bisher gewesen ist: "My heart, my joy, my life / My home on earth here with you."
Es sind nur wenige Songs, in denen sich der Kontext ausblenden lässt. "Children's anthem" trägt sein Thema schon im Titel: Zeilen wie "Let them play and let them learn / And let them prosper day by day" mögen auf dem Papier kitschig wirken, doch die Glenn-Copelands – die im Übrigen auch eine Theaterschule für Kinder gründeten – lassen hier ohne Zweifel ihr Herz sprechen. "Shenandoah" trägt ein gleichsam historisches wie persönliches Gewicht, da es sich um ein Traditional handelt, das Glenn-Copeland von seiner Mutter lernte. Stellenweise kommt einem "Laughter in summer" so nahe, dass es beinahe unangenehm wird – als würde man ein Ehepaar heimlich bei seinem ganz privaten Umgang mit einem lebensverändernden Schicksalsschlag beobachten. Was das Album aber letztlich nicht nur bekömmlich, sondern in hohem Maße lohnenswert macht, sind der Optimismus, die Lebensfreude und der kommunale Spirit, die aus jeder Note strahlen. "Life is the heart of love, this I know", singt Glenn-Copeland in "Prince Caspian's dream", bevor er diese besonders passionierte Performance mit einem geflüsterten "Oh, that was exquisite" kommentiert. Besser könnte man es nicht zusammenfassen.
Highlights
- Let us dance (Movement one)
- Ever new - At Hotel2Tango
- Prince Caspian's dream - At Hotel2Tango
Tracklist
- Let us dance (Movement one)
- Ever new - At Hotel2Tango
- Laughter in summer
- Children's anthem
- Harbour - At Hotel2Tango
- Middle island lament
- Shenandoah
- Prince Caspian's dream - At Hotel2Tango
- Let us dance (Movement two)
Gesamtspielzeit: 36:56 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30473 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-04-08 21:08:43 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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MickHead Postings: 10880 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-02-06 12:15:18 Uhr
Jetzt auch komplett bei Bandcamp:https://beverlyglenn-copeland.bandcamp.com/album/laughter-in-summer |
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MickHead Postings: 10880 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-02-06 10:59:17 Uhr
Komplette Playlist bei YouTube:https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_kH9f4Uy9_sNEG8HYnIhVW9TlpbloECTcE&si=jj9S7lEdutYenJT- Musikexpress 4.5/6 https://www.musikexpress.de/reviews/beverly-glenn-copeland-laughter-in-summer/ |
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Lucas mit K Postings: 502 Registriert seit 19.07.2024 |
2026-02-05 07:36:44 Uhr
Mal reingehört. Im richtigen Moment ist das bestimmt sehr berührend. Elizabeth Glenn-Copelands Art zu singen, erinnert mich an die späten Marianne Faithfull Sachen. |
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MickHead Postings: 10880 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-01-14 21:26:27 Uhr
4. Song "Harbour (Feat. Elizabeth Glenn-Copeland)"https://youtu.be/NcIvnYWMusE?si=LboYnWMsC0KGvfcy Live Version: https://youtu.be/Vxou3cccvKc?si=3k_v44oMDivuz2Ms |
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Referenzen
Alex Samaras; Queer Songbook Orchestra; Patrick Watson; Barbra Streisand; Kathryn Joseph; Ludovico Einaudi; Ryuichi Sakamoto; Kelly Moran; Leif Vollebekk; Antony & The Johnsons; Anohni; Matt Maltese; Bill Fay; Agnes Obel; Judee Sill; Marianne Faithfull; Lana Del Rey; Weyes Blood; Norah Jones; Sarah McLachlan; Leonard Cohen; Anohni; Julianna Barwick; Nala Sinephro; Mary Lattimore; Enya; Holly Herndon
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