Feeder - Comfort in sound live
Big Teeth / PIAS / Rough Trade
VÖ: 27.02.2026
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 9/10
Come back around
"Find the feeling." Feeder haben ihre Gefühle in all den Jahren nicht verloren, aber sie scheinen zum ersten Mal an einem Wendepunkt angekommen zu sein, an dem sie verstärkt auf einen spezifischen Moment in ihrer Karriere zurückblicken. Bereits 2025 erschien eine remasterte Version ihres immer noch unfassbaren guten vierten Albums "Comfort in sound" – damals im Jahr 2002 selbst eine Wende für die Band. Sie mussten ohne Drummer Jon Lee weitermachen, der sich zuvor unerwartet das Leben nahm, Songwriter und Frontmann Grant Nicholas verarbeitete daraufhin den Verlust und die resultierende Trauer in einem herzzerreißenden Werk. Kurz nach dem Re-Release kündigte die Band eine Tour an, auf der sie die Platte komplett spielen würden, was wiederum Anlass für Feeders erstes offizielles Livealbum mit dem folgerichtigen Titel "Comfort in sound live" ist.
Während der Remaster des regulären Albums sehr behutsam war und hauptsächlich Anlass bot, die schicken B-Seiten an einer Stelle versammelt zu haben, ist dieser Konzertmitschnitt eine sehr viel frischere Möglichkeit, sich "Comfort in sound" noch einmal zu nähern. Nicholas, sein Bandmate Taka Hirose und die weiteren Tourmitglieder haben deutlich hörbar Bock und zu keiner Zeit fühlt sich die Sache wie ein stumpfes Herunterspielen alter Songs an. Auffällig sind vor allem die stimmigen Intros zu einigen Songs, die kleine kunstvolle Verbindungen darstellen, welche die beibehaltene Originalreihenfolge auflockern. Neu wirkt vor allem ein ursprünglich stark verfremdetes und biestig verzerrtes Stück wie "Helium", das auf der Bühne seinen Drive voll entfalten darf und sogar launige Bläser in der Bridge spendiert bekommt. Das noch abgründigere "Godzilla" wird hingegen zum dämonischen Exorzismus, wenn die aus der "Godzilla II"-Variante bekannten Grusel-Synths den Noise untermauern.
Auch auf "Comfort in sound live" ist das Herz natürlich aber in der Melancholie zu suchen. "Child in you" ist nur so lange lieblich, bis man auf den Text achtet, "Quick fade" und "Forget about tomorrow" bringen nach wie vor alles zum Schmelzen. Und natürlich verliert Nicholas als alter Optimist nie den Blick nach oben. Der Titeltrack und "Find the colour" strotzen vor Tatendrang, während der hier frenetisch gefeierte Hit "Come back around" das Mantra selbst formuliert: "Gotta pull myself back in." Es ist also noch alles da, wo es hingehört, und warum sollte man an diesen Songs auch groß rütteln? Wenn "Moonshine" sich noch ausladender hinauszögert, um im großen Finale zu explodieren, verstehen wir uns. Wer solche Songs geschrieben hat, darf ein knappes Vierteljahrhundert später auch mal innehalten und sie feiern und feiern lassen.
Als Bonus hält die Liveplatte zudem noch zwei B-Seiten bereit, die bei den Konzerten im Zugabenblock stattfanden: "Feel it again" prescht wie eh und je voller Leben aus den Boxen, während "Opaque" herrlich zwischen Zeterei und Harmonie pendelt – beide hätten damals auch einen Platz auf dem Album verdient gehabt. Kleiner Wermutstropfen: Der Mitschnitt an sich ist sauber und kraftvoll, etwas schade ist jedoch, dass das Mastering die Dynamik stark zurückgefahren hat, sodass die Stücke an den lauten Stellen manchmal ein wenig verpuffen. Und womöglich hätte man sich angesichts des Mangels an offiziellen Livedokumenten noch weitere Songs aus der Zugabe, die von anderen Alben stammen, gewünscht. Dann würde es aber wohl nicht mehr "Comfort in sound live" heißen. Und so wie es ist, ist es gut. Sehr, sehr gut sogar.
Highlights
- Just the way I'm feeling (Live)
- Summer's gone (Live)
- Moonshine (Live)
- Feel it again (Live)
Tracklist
- Just the way I'm feeling (Live)
- Come back around (Live)
- Helium (Live)
- Child in you (Live)
- Comfort in sound (Live)
- Forget about tomorrow (Live)
- Summer's gone (Live)
- Godzilla (Live)
- Quick fade (Live)
- Find the colour (Live)
- Love pollution (Live)
- Moonshine (Live)
- Feel it again (Live)
- Opaque (Live)
Gesamtspielzeit: 67:15 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
| User | Beitrag |
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oldschool Postings: 1139 Registriert seit 27.04.2015 |
2026-04-11 09:36:36 Uhr
jetzt erst gehört und ehrlicherweise überrascht. Ich hatte die Band in den 00er Jahren mehrfach live gesehen - immer als Trio mit Bass/Gitarre/Schlagzeug. Habe deshalb etliche der Songs mehrfach live gehört. Dann tourten Feeder nicht mehr so oft in Deutschland und als sie im Zoom spielten, war ich nicht im Lande. Der Sound unterscheidet sich jedoch merklich von dem früherer Auftritte. Nicht nur durch den zweiten Gitarristen. Auch sonst merkt man, dass auf kleine Details Wert gelegt wurde. Das Album hat nen guten Vibe |
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jo Postings: 7719 Registriert seit 13.06.2013 |
2026-04-09 10:52:31 Uhr
Ja, ist halt leider auch ne typische Loudness-War-Live-Produktion. Immer ein bisschen schade, wenn die Dynamik von eigentlich ja schon dynamischen Songs dann einfach so abhandengeht. |
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didz Postings: 2952 Registriert seit 29.06.2017 |
2026-04-09 10:52:30 Uhr
ah ok :-)nochmal, schön das du ne rezi gemacht hast, zumal die physische version glaub ich gar keinen deutschen vertrieb hat oder? also hierzulande nur digital erhältlich is? sie verdienen einfach mehr screentime auf der homepage :-) |
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Felix H Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion Postings: 11337 Registriert seit 26.02.2016 |
2026-04-09 10:47:43 Uhr
Ein wenig, aber letztlich hieße das, es wäre auf dem Level des Originals und da sehe ich es nicht, nicht nur, aber auch, weil ich die Produktion nicht optimal finde. |
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didz Postings: 2952 Registriert seit 29.06.2017 |
2026-04-09 10:41:50 Uhr
hast du auch kurz drüber nachgedacht ne 9 zu zücken? ;-) |
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Referenzen
Grant Nicholas; Ash; Biffy Clyro; Nada Surf; Verlen; Everclear; Jimmy Eat World; U2; Mansun; Embrace; Stereophonics; Snow Patrol; Tired Pony; The Wannadies; Foo Fighters; 3 Colours Red; The Candyskins; Idlewild; Six.By Seven; Shihad; Vega 4; The Boo Radleys; Superdrag; Manic Street Preachers; Super Furry Animals; Chewy; Third Eye Blind; The Stereo; Marvelous 3; The Rentals; Ozma; Koufax; Keane; Delaware; Suede; Coldplay; Sandstone Veterans; Weezer
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