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The Fake Friends - Let's not overthink this

The Fake Friends- Let's not overthink this

Stomp
VÖ: 13.02.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Perpetuum mobile

Ist doch immer wieder schön, wenn das Leben eine Überraschung anspült. Im vorliegenden Fall ist das eine Band, bei der man schon nach wenigen Hördurchgängen weiß, dass man es mit einer echten Neuentdeckung zu tun hat. The Fake Friends aus Montreal wurden 2021 gegründet und haben sich bereits in Kanada als beliebter und energetischer Live-Act erwiesen, sie spielten unter anderem schon als Support für Buzzcocks und Me First And The Gimme Gimmes. Gut, das sind jetzt nicht durch die Bank absolute Top-Acts, doch spätestens seit der Veröffentlichung von "Let's not overthink this" sollten den Sechser alle auf dem Schirm haben, die stilsicheren Post-Punk mit Pop-Einschlag und gewissem Tanzbarkeitsfaktor schätzen. Gleich zu Beginn geht es mit "Ministry of peace" sofort auf die Zwölf: wabernde Synthies, herrlich stumpfe Gitarrenriffs und hektisch-bellender Gesang à la The Robocop Kraus. Doch nach diesem verfrühten Ausbruch nehmen die Kanadier gleich wieder das Tempo raus, um wenig später dann umso lauter zurückzuballern. Eh man verstanden hat, was hier eigentlich los ist, ist der Opener auch schon vorbei.

"Sucker born every minute" bringt ein wunderbar nach vorne rotzendes Amalgam aus Post-Punk und Emo: Hier wechseln sich heftige Haudrauf-Passagen (halboffene Hi-Hat, alle Volume- und Fuzzpedale unisono runtergetreten) mit scharfkantig-akzentuierten Strophen ab – doch auch dies gehört noch zu den Präliminarien. Die erste richtige Widerhaken-Nummer ist "The way she goes" mit einer Basslinie, auf der man Hochhäuser errichten kann, exaltiertem Sprechgesang und raffinierten Synthie-Einwürfen, die einen gleich mal in die Achtziger-Jahre katapultieren. Richtig geil wird's nach dem ersten Refrain, wo man plötzlich Interpol-Gitarren, Bauhaus-Soundästhetik und Killing-Joke-Anleihen heraushört. Die Jungs können aber auch anders: "Control" ist eine ruhige, synthie-dominierte Nummer mit wuchtigen Drums und verlorenen Gitarrenpickings à la The Chameleons, die in ihrem Refrain fast schon so poppig ist wie eine etwas angedüsterte Version von Spandau Ballet. Spätestens hier hat einen die Band eingesackt: Das ist ebenso vertraut wie innovativ, Melancholie und immer wieder durchschimmernder Zorn sind raffiniert dosiert, ein funkelndes kleines Meisterwerk.

Es darf aber auch gelacht werden: Im selbstironischen "Five star review" räsoniert Sänger Matthew Savage im Sprechgesang über die Frage, welchen Sinn und Zweck das Musikmachen hat, während die restliche Band sich musikalisch mehr und mehr in die Höhe schraubt – fast denkt man an die legendäre Nada-Surf-Nummer "Popular", die nach einem ähnlichen Rezept aufgebaut ist, aber vergleichsweise vorhersehbar Leise- und Laut-Phasen miteinander verzahnt, während die Fake Friends das etwas weniger offensichtlich angehen. Zugegeben: Nicht alles gelingt gleich gut. Das zerfasert-kantige "Hyperconnection" zeigt sich eher als Zerreißprobe für die Nerven und "Dance on my grave" hat kompositorisch nicht die ganz große Schöpfungshöhe. Dafür bringt der Rausschmeißer "Good friends" eine wunderbar windschief und besoffen in den Seilen hängende Klavierballade in bester Arcade-Fire-Manier, einen erstaunlich harmonischen Abgesang, bei dem gegen Ende hin ein vielstimmiger Chor anschwillt. Und dann? Ja, dann ist eine gute halbe Stunde rum – und man möchte am liebsten gleich wieder von vorne anfangen. Ja, aus falschen Freunden werden manchmal schnell echte.

(Jochen Reinecke)

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Highlights

  • The way she goes
  • Control
  • Five star review
  • Good friends

Tracklist

  1. Ministry of peace
  2. Sucker born every minute
  3. The way she goes
  4. Control
  5. Five star review
  6. Living the dream
  7. Backstreet's back, Pt. 2
  8. Hyperconnection
  9. If it happens
  10. Dance on my grave
  11. Good friends

Gesamtspielzeit: 34:00 min.

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Armin

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2026-04-08 21:06:52 Uhr - Newsbeitrag
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