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Red Largo - Hotel Neuf

Red Largo- Hotel Neuf

Madame Vega's Boudoir
VÖ: 20.03.2026

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Einchecken und genießen

Das Hotel, eine Stätte der Sehnsucht und Weltflucht, ein Ort der Träume. Träume, die manchmal bitter enttäuscht werden, manchmal aber auch erfüllt. Das Berliner Ensemble Red Largo nimmt das Publikum auf seinem zweiten Album "Hotel Neuf" mit auf eine dreiviertelstündige Reise in eine Luxusherberge. Wer angesichts der Entstehung der vierköpfigen Band im Rahmen der musikalischen Untermalung des absurden Theaterstücks "Anthropos ex (machina)" glaubt, es würde einen prätentiöse Bühnenmusik erwarten, irrt sich. Fredrik Kinbom, Sonja Kessner, Andreas Dormann und Chris Farr spielen in erster Linie Rockmusik mit Betonung auf der ersten Silbe, mögen es dabei komplex und vertrackt, aber nicht unnötig artifiziell. "Hotel Neuf" lässt sich nicht an der Kleinkunstbühne festnageln. Red Largo denken größer, träumen in Technicolor.

Das in jeder Hinsicht traumhafte Artwork des Künstlers Dan Davis und die Songtitel verorten das Setting des Albums, den Rest überlässt die textfreie Musik der Fantasie der Hörer*innen. Drums und Bläser werfen einen direkt ins düster-geheimnisvolle Geschehen. Spätestens wenn nach zwei Minuten Sonja Kessner mit gekonntem vokalfreiem Klagesang einsetzt, dürfte allerdings bei aller Interpretationsoffenheit klar sein, dass "The diplomat" in der Residenz keine schnelle Verhandlungslösung erreicht. Was in musikalischer Hinsicht auch jammerschade gewesen wäre, denn Fredrik Kinbom an der Gitarre und Chris Farr am Schlagzeug sorgen für ein Finale furioso, das sich gewaschen hat. Nichts wirkt überladen, jeder Note hört man an, dass Vollblutmusiker*innen am Werk sind. Angejazzter Prog trifft auf Ennio Morricone. Um es ganz undiplomatisch auszudrücken: Das Gros der Post-Rock-Kapellen schreibt zeit seiner Karriere keinen Song dieser emotionalen Wucht.

Mit einem weltverlorenen Piano-Intro wird "The baroness" im "Hotel Neuf" empfangen, zu einem vierzigsekündigen verträumten Outro an der Celesta checkt sie wieder aus. Im Titeltrack wähnt man sich dank Farrs unruhiger Percussion und Kessners unheilvoller Lautmalerei in Stephen Kings Overlook Hotel am Big Thompson River, in "Soellenthin, Texas" aufgrund von Kinboms Einsatz an der Lap-Steel-Gitarre in einem südlicher gelegenen US-Bundesstaat. Wobei der Songtitel bewusst in die Irre führt: Auf der Suche nach Söllenthin wird man in Atlanten ausschließlich in Brandenburg fündig.

Bereits der Vorgänger "Transmitting" erhielt eine Nominierung für den Preis der deutschen Schallplattenkritik. Angesichts der Tatsache, dass das von Multiinstrumentalist Kinbom exzellent produzierte "Hotel Neuf" die starke Debüt-LP übertrifft, stehen die Chancen für eine erneute Nominierung gut. Während die drei Songs auf "Transmitting" großteils aus Improvisationen entstanden, setzt das Ensemble diesmal auf mehr komponierte Bestandteile – wovon insbesondere Passagen wie das spektakuläre Finale von "The reception" profitieren. Gastmusiker Matti Bye ergänzt das äußerst stilvolle, von Dormanns Bassklarinette getragene Inferno an Orgel und Röhrenglocken. In Momenten, in denen andere auf Doublebass und KI setzen, verlassen sich Red Largo dankenswerterweise auf ein reichhaltiges Instrumentarium und ihre herausragenden musikalischen Fähigkeiten.

Bassklarinette, Vibraphon und Lap-Steel-Gitarre sorgen für ein wohlig-verträumtes Ende der Fünf-Sterne-Reise, entlassen uns schließlich in den "Trip to the valley". Gerne hinterlässt man ein überschwängliches Lob im Gästebuch: Unterstützen Sie das "Hotel Neuf", ein von Fredrik Kinbom und seinem Team erstklassig geführtes Haus! Buchen Sie Ihre Reise und checken Sie am besten noch heute ein!

(Dennis Rieger)

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Highlights

  • The diplomat
  • The reception
  • Soellenthin, Texas

Tracklist

  1. The diplomat
  2. Room 205
  3. In the casino
  4. The baroness
  5. The reception
  6. Hotel Neuf
  7. Soellenthin, Texas
  8. Trip to the valley

Gesamtspielzeit: 44:48 min.

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User Beitrag

Hierkannmanparken

Postings: 2988

Registriert seit 22.10.2021

2026-04-03 21:22:30 Uhr
Alfa Mist, Jean-Claude Vannier, das hier, Dennis Riegers Musikauswahl ist echt ziemlich einzigartig

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30393

Registriert seit 08.01.2012

2026-04-01 21:09:10 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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