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Raye - This music may contain hope

Raye- This music may contain hope

Human Re Sources / SPV
VÖ: 27.03.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

All inclusive

Wäre Rachel Agatha Keen alias Raye eine Band, sie könnte allmählich darüber nachdenken, sich aufzulösen. Denn viel besser kann's im Grunde kaum noch werden: die große Plattenfirma in die Wüste geschickt statt umgekehrt, als diese ihr erstes Album "My first 21st century blues" zurückhielt, in der Folge damit sechs Brit Awards abgeräumt, das Ganze mit Orchester in der Royal Albert Hall als Live-Mitschnitt reimaginiert. Und das großartige "Where is my husband!" kracht seit Ende 2025 so massiv durchs öffentliche Bewusstsein, dass die Erwartungen an "This music may contain hope" ins Unermessliche wuchsen. Zu Recht: Rayes zweiter Longplayer dreht erst so richtig auf. Nicht nur mit der spektakulären Single, sondern auch mit dickem Produktionsapparat und dem London Symphony Orchestra. Geht Rosalía also ins "Berghain" und Raye stattdessen in die Oper?

So einfach liegen die Dinge natürlich nicht – die Kunstfertigkeit dieser bombastisch arrangierten, unzählige Löcher grabenden 73 Minuten liegt vielmehr in der Leichtigkeit und Selbstironie, mit der Raye für das Gute, Wahre und Schöne eintritt und jene Dämonen entsorgt, vor denen sie in "Escapism" noch davonlief. Und davon gibt es nach wie vor reichlich: etwa "The WhatApp Shakespeare", der seine sieben nebeneinanderlaufenden Beziehungen stets mit Kurznachrichten im Stil des großen Dramatikers abserviert und dem die Britin einen zündenden Piano-Groove vor verschwenderischem Bigband-Backdrop spendiert. Weniger poetisch, aber umso offensiver bumsend treibt es "Beware ... the South London lover boy" samt Upbeat, Tempowechseln und Bläser-Shots, sodass der Verflossene immerhin noch einen Hit abwirft – am Ende vermutlich sein einziger Vorzug.

Etwaige Gehässigkeit liegt diesen geistreichen Ermächtigungs-Übungen zumeist fern: Statt nachzutreten, inszeniert Raye ihre variable, mitunter brillante Stimme jederzeit stilsicher, croont hier voller Eleganz, jubiliert dort in den höchsten Tönen und sägt immer wieder rasante Rap-Einlagen in die Stücke. Amy-Winehouse-Vergleiche? Gibt sie in "I will overcome" mit den Zeilen "The evil in insults / The arrows from your tongue / Is the same devils you tortured her with" mit mahnender Geste an die Medien zurück, bleibt jedoch versöhnlich. Auch ein Zeichen von Stärke in einer voluminösen 17-Song-Sammlung, die blendend produzierten R'n'B und Soul genauso beherrscht wie knackigen Funk, und Vaudeville-Dramatik sowie mit "I hate the way I look today" auch eine charmante Doo-Wop-Albernheit mit Kontrabass und launigen Call-and-response-Parts einstreut.

Da sollte sich die dunkle Wolkenwand vom Cover bald verziehen, nachdem das wortreich einer großen Liebe nachtrauernde "Nightingale Lane" oder das mitfühlende "I know you're hurting" ausgestanden sind – Letzteres mit der gleichen Drum-Machine, die schon Prince für "Purple rain" bemühte. Und angesichts des erst im letzten Drittel der Tracklist auftrumpfenden "Where is my husband!" und des aufgekratzten Uptempos von "Joy", das Raye mit ihren Schwestern Amma und Absolutely bestreitet, zockeln auch die opulenten Streicher von Hollywood-Komponist Hans Zimmer in "Click clack symphony" und Soul-Legende Al Green in "Goodbye Henry" folgsam hinterher. Dass sogar Rayes Großeltern zu Wort kommen, passt ins Bild eines tollen, höchst inklusiven Albums mit vielen Knüllern und wenigen Genre-Grenzen. Und der Zukünftige? Soll sich mal nicht so lange bitten lassen.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Beware ... the South London lover boy
  • The WhatsApp Shakespeare
  • I hate the way I look today
  • Where is my husband!
  • Joy (feat. Amma & Absolutely)

Tracklist

  1. Intro: Girl under the grey cloud
  2. I will overcome
  3. Beware ... the South London lover boy
  4. The WhatsApp Shakespeare
  5. Winter woman
  6. Click clack symphony (feat. Hans Zimmer)
  7. I know you're hurting
  8. Lifeboat
  9. I hate the way I look today
  10. Goodbye Henry (feat. Al Green)
  11. Nightingale Lane
  12. Skin & bones
  13. Where is my husband!
  14. Fields (feat. Grandad Michael)
  15. Joy (feat. Amma & Absolutely)
  16. Happier times ahead
  17. Fin

Gesamtspielzeit: 73:21 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

MickHead

Postings: 10703

Registriert seit 21.01.2024

2026-04-03 19:40:20 Uhr
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Felix H

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 11299

Registriert seit 26.02.2016

2026-04-02 22:21:58 Uhr
Mir gefällt da auch einiges, aber find's auf erste Reinhören etwas viel.
Was ist eigentlich bei ihren Beinen auf dem Cover passiert? Hat die KI geschlampt?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30393

Registriert seit 08.01.2012

2026-04-01 21:08:59 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Gallants22

Postings: 143

Registriert seit 22.01.2025

2026-04-01 21:03:30 Uhr
@Mr. Fritte.
Yes. Auch wegen diesen ausufernden Credits von mir keine 9/10. Das sollte dem Ganzen wohl einen Live-Anstrich geben. Ist für mich aber ein kompletter downer.

Bonzo

Postings: 3990

Registriert seit 13.06.2013

2026-04-01 20:37:12 Uhr
Mir fehlen hier auch die großen Songs. Finde den Vorgänger besser.
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