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Arlo Parks - Ambiguous desire

Arlo Parks- Ambiguous desire

Transgressive / PIAS / Rough Trade
VÖ: 03.04.2026

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Schwer erleichtert

Schon das Surren in den ersten Sekunden von "Ambiguous desire", welches gleichermaßen zu einer alten Neonreklame oder einem Kernspintomographen gehören könnte, lässt erahnen, dass die gewohnte Leichtigkeit in der Stimme von Arlo Parks ein erkämpftes Gut ist. Während die ehemalige Lebensabschnittsgefährtin Ashnikko die Trennung auf ihrem Album "Smoochies" mit einem Hedonismus-Feuerwerk verarbeitet, schlägt Parks trotz ebenfalls prominentem Party-Motiv gewohnt sanftere, bedachtere und intimere Töne an: "15 friends at ten to six / This is what I always miss" stellt lieber ein scheues Dankeschön an den eigenen Freundeskreis als den eigenen Herzschmerz in den Mittelpunkt. Ohnehin sind die Lyrics, wenngleich nicht so pointiert wie auf dem Vorgänger "My soft machine", gewohnt ausdrucksstark. Das zuvor zitierte "Blue disco" fängt, ebenso wie das darauf folgende "Jetta", die Essenz von Gesprächen, wie man sie nur nachts auf etwaigen Hauspartys oder den noch geöffneten Fastfood-Läden auf dem Heimweg mit mehr oder weniger Pegel führen kann, so empathisch und dennoch treffend ein, als wäre man selbst dabei gewesen: "Hearing someone whisper / Tipsy from the bitters: / 'The drums are burning up my brain' / It was kinda tender / It felt like surrender / Getting close to something." Doch es sind eben explizit Erinnerungen. Soundtechnisch ist das sehr clever mit sehr gedämpften Synthsounds und meist Trip-Drumpatterns gelöst, was dann tatsächlich wie ein dumpfes Echo eines Clubs wirkt.

"Ambiguous desire" thematisiert sozusagen hauptsächlich den Weg zur Möglichkeit eines erneuten Aufbruchs, das Überstehen von Widrigkeiten und der Zusicherung, dass man sich um die Londonerin keine Sorgen machen braucht. Es gibt also weitaus schlechtere Anlässe, um wieder einmal auf Albumlänge von sich hören zu lassen. Und so ätzend das Klischee auch sein mag, gibt diese Art Verletzlichkeit ihrer ohnehin sanften Soul-Stimme nochmal eine andere Resonanz – eben diese Nuancen zwischen dem Wissen, wie sich etwas anfühlt oder ob man es tatsächlich gerade spürt. Während sich Parks im Verlauf der knapp 40 Minuten hierfür an allerlei Beat-Spielereien austobt, kriegen diese jedoch im besagten Überbau eines insgesamt dumpfen Soundbilds einfach nicht genug Freiraum, um zu wirken. Vereinfacht gesagt hätte eine beliebige Veränderung der Songabfolge absolut keinen dramaturgischen Effekt auf das Album. Würden diese Einzeltitel dann für sich stehend genug Sog entwickeln, wäre das wohl kein Thema. So wiederum kann man, um im Party-Sprachbild zu bleiben, aber mal problemlos für zwei Songs zum Rauchen vor die Tür gehen und der Abend geht weiter wie zuvor.

Die eine Ausnahme, in der Parks auf diesem Album vergleichsweise explizit über ihre Beziehung singt, ist "Beams" und textlich vermutlich auch der größte Wurf von "Ambiguous desire": "Oh, it broke my heart / When you pulled away / Corner shard of sunset hanging red / Oh, I never thought / My oldest pain / Could be something you'd grow to resent" bildet mit dem Wechselspiel zwischen emotionaler Schwäche und persönlicher Stärke im Alleingang den Hintergrund des Albumtitels, quasi mit Strasssteinen überzogene Melancholie. Vermutlich, wenn man sich als Hörende*r selbst in dieser emotionalen Gemengelage befindet, können auch die anderen Titel dieses Albums tiefer unter die Haut gelangen und absolut nichts daran ist lapidar, halbgar oder in sonst irgendeiner Weise unglaubwürdig. Bloß setzt "Ambiguous desire" eben für die ganze Tragweite der Erfahrung eine Art Gefühls-Grundzustand voraus, den es dann aber selbst nicht hinreichend vorbereitet, weshalb die Gefahr hoch ist, dass ein wesentlicher Teil davon eben an einem vorbeigeht. Dass gerade dieses Herstellen eines gemeinsamen Startpunkts eine der großen Stärken ihres Debüts "Collapsed in sunbeams" war, macht das nochmal etwas bedauerlicher. Man kann die Leichtigkeit eben nicht erzwingen.

(Gerrit Phil Abel)

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Highlights

  • Blue disco
  • Beams
  • Nightswimming

Tracklist

  1. Blue disco
  2. Jetta
  3. Get go
  4. Senses (feat. Sampha)
  5. Heaven
  6. Beams
  7. South seconds
  8. Nightswimming
  9. 2Sided
  10. Luck of life
  11. What if I say it?
  12. Floette

Gesamtspielzeit: 39:58 min.

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User Beitrag

Unangemeldeter

Postings: 2449

Registriert seit 15.06.2014

2026-04-07 12:15:34 Uhr
Ich war leider von meinem ersten Durchlauf eher underwhelmed, mir war das oft von den Melodien her zu gefällig/seicht, ich hätte das gerne clubbiger gehabt. Ihre warme Stimme passt ja perfekt zu elektronischer Musik (ich hab ne totale Schwäche für diesen melancholischen Clubsound, Eleven Tigers, Nostalgia 77, Trentemoller's Moan Remix usw.), aber es fühlt sich an, als hätte sie sich dann doch nicht getraut einfach ein Electro-Album zu machen. Für mich sitzt das Album zu sehr zwischen den Stühlen und ist dann nix Halbes und nix Ganzes. Gutes Beispiel das Sampha-Feature, das vielleicht zur Klangästhetik der alten Alben gepasst hätte, aber hier den eigentlich schönen Song in ne völlig falsche Richtung zieht.

Heaven blieb da erstmal mein klares Highlight, vielleicht weil sie da mal den Versuch sein lässt, ne große Hook zu singen. Schlecht ist das nicht, aber bleibt irgendwie schon deutlich hinter dem zurück was es hätte sein können.

Zappyesque

Postings: 1057

Registriert seit 22.01.2014

2026-04-07 10:56:42 Uhr
Ganz ausgezeichnetes Album. Schön, wie gefühlt die gesamte englische 90er-jahre Elektro-Geschichte da - mal im Hintergrund, mal im Vordergrund - mitschwingt. Gleichzeitig verpackt sie Arlo in eine eingängige Melodie nach der anderen, zerrissen zwischen schwebender Leichtigkeit und schwerer Melancholie.

pounzer

Postings: 602

Registriert seit 24.08.2019

2026-04-04 11:19:20 Uhr
Bin noch nicht ganz durch, aber so viel kann ich schon sagen: Es klingt mehr nach Arlo als befürchtet. Das Ganze klingt etwas "produzierter" als bisher, aber Arlos Wärme scheint nach wie vor durch.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30393

Registriert seit 08.01.2012

2026-04-04 00:10:46 Uhr
Bin gespannt. Die Vorabsongs haben meine Vorfreude leider etwas gedämpft, ich schätze Arlo Parks ja sehr.

MickHead

Postings: 10703

Registriert seit 21.01.2024

2026-04-03 10:12:05 Uhr
Jetzt komplett bei Bandcamp:

https://arloparks.bandcamp.com/album/ambiguous-desire

Musikexpress 5/6

https://www.musikexpress.de/reviews/arlo-parks-ambiguous-desire/

Rolling Stone 4/5

https://www.rollingstone.de/reviews/arlo-parks-ambiguous-desire/

Soundmag 8/10

https://www.soundmag.de/reviews/arlo-parks-ambiguous-desire/
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