Nine Inch Nails - Tron Ares: Divergence
Interscope / Universal
VÖ: 27.02.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
Die Mischung macht's
Es ist hinlänglich bekannt, dass sich bei Nine Inch Nails im Gegensatz zu den meisten anderen Bands das genauere Hinhören bei Remixalben lohnt. Weder reihen sie schnöde die originale Tracklist aneinander, noch werden lieblos irgendwelche Umz-Umz-Fassungen zusammengepfercht, die mit zwei bis drei größeren Namen als Zugpferde unter die Massen gebracht werden sollen. "Fixed", "Further down the spiral", "Things falling apart" und "Y34RZ3R0R3M1X3D" sind eigenständige Kunstwerke in sich und selbst eine Maxi-Single wie "Closer to God", die zu zwei Dritteln den gleichen Song variiert, bietet mehr Abwechslung und zugleich Kohäsion als die meisten regulären Alben anderer Acts. "Tron Ares: Divergence" macht keine Ausnahme, ist aber in anderer Hinsicht ein Novum: Es ist das erste Mal in der Bandgeschichte, dass ein Remixalbum das Original noch übertrifft.
Nun war "Tron: Ares" – ja, die verschobene Interpunktion zwischen den beiden verwandten Werken verursacht durchaus leichte Schweißausbrüche – als Soundtrack ohnehin ein Eintrag in der Diskografie, der eigentlich besser zu den anderen Auftragswerken gepasst hätte, die Trent Reznor und Atticus Ross unter ihren eigenen Namen veröffentlichen. Das Kuriose ist nun: Bei "Tron Ares: Divergence" haben sie zum Großteil die kreative Arbeit in fremde Hände gegeben und entsprechend bewegt es sich stilistisch deutlich weiter in verschiedene Richtungen hinaus, aber nicht nur durch das reduziertere, weniger nach Corporate Identity riechende Artwork wirkt es viel mehr wie ihr eigenes Baby, das Album, das tatsächlich völlig zu Recht unter dem Namen Nine Inch Nails erscheint.
Wie bei den zu Anfang genannten Bastel-Platten hat auch "Tron Ares: Divergence" einige neue Kompositionen in der Tracklist verteilt, die offenbar nicht im Film verwendet werden konnten, aber aus dem gleichen Holz geschnitzt sind. Meist fungieren diese als passende Bindeglieder zwischen den Remixen, ein hochenergetischer Rave-Up wie "Godmode" fetzt aber auch ganz auf sich allein gestellt. Am spannendsten ist jedoch, wie sehr die Variationen der Originaltracks den "Tron"-Sound dehnen und zerren, bis teilweise die zugrundeliegenden Motive nur noch erahnbar sind. Musikalisch am nächsten dran ist noch Pixel Grips Fassung von "As alive as you need me to be", doch dadurch, dass Vokalistin Rita Lukea selbst zum Mikro greift, erhält der Song durchaus eine ganz neue Facette. Arca stellt mit dem gleichen Stück erwartungsgemäß noch mehr an und verglitcht es in ein himmlisches Setting hinein. Das zentrale Stück ist die Bearbeitung von "Infiltrator" von Meat Beat Manifestos Jack Dangers, das sich zunächst schwerelos im Raum verliert, um dann den Beateinsatz mit Vollkaracho um die Ohren zu hauen. Sieben Minuten, die im Flug vergehen – wie es auch generell bemerkenswert ist, dass "Tron Ares: Divergence" sich trotz etwas längerer Spielzeit kürzer anfühlt als das Original.
Gleich drei Mal ran darf der deutsche Elektro-Musiker Alexander Ridha alias Boys Noize, der die Band nicht nur auf der vergangenen Tour begleitete, sondern auch beim 2026er Coachella-Festival zusammen mit Reznor und Ross als Nine Inch Noize auf die Bühne gehen soll. Sein verzerrter, technoider Sound ist quasi das Zentrum von "Tron Ares: Divergence", von dem dennoch einiges, nun ja, divergiert. Chilly Gonzales reicht ganz unbeirrt eine sanfte Pianonummer ein, während Lanark Artefak und Danny L Harle beide ihre Songs auf faszinierende Weise Richtung Hyperpop strecken. "Forked reality" wird in den Händen des Berliner Duos Schwefelgelb zum minimalistischen House-Track, während sich "I know you can feel it" im Remix von Working Men's Club schleichend zum Dancefloor-Banger intensiviert. Alles bildet dabei aber eine Reise, die zu keiner Zeit Bruchstellen aufweist, sondern vielmehr aufzeigt, was Nine Inch Nails außerhalb ihres Kernsounds alles noch sein können. Und hat damit gegenüber dem großen Bruder eine gute Nasenlänge Vorsprung.
Highlights
- Godmode
- Empathetic response (Lanark Artefak remix)
- Who wants to live forever? (Danny L Harle remix)
- Ghost in the machine (Boys Noize remix)
- I know you can feel it (Working Men's Club remix)
Tracklist
- Converge
- I know you can feel it (Mark Pritchard remix)
- Godmode
- A question of trust (Boys Noize remix)
- Operand
- Zero state
- Empathetic response (Lanark Artefak remix)
- 100% expendable (Chilly Gonzales remix)
- Who wants to live forever? (Danny L Harle remix)
- Infiltrator (Jack Dangers remix)
- A framework
- Ghost in the machine (Boys Noize remix)
- What have you done? (Boys Noize remix)
- As alive as you need me to be (Pixel Grip remix)
- The first betrayal
- I know you can feel it (Working Men's Club remix)
- Shadow over me (The Dare remix)
- Terminal
- Forked reality (Schwefelgelb remix)
- As alive as you need me to be (Arca remix)
Gesamtspielzeit: 78:01 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
| User | Beitrag |
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Affengitarre User und News-Scout Postings: 11771 Registriert seit 23.07.2014 |
2026-04-05 18:55:50 Uhr
Sehr starke Rezension. Mit der Einschätzung würde ich bisher wohl auch mitgehen, das ist wieder ein erfreulich gutes Remixalbum, welches ein Stück interessanter und besser ist als das nette Original. |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30393 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-04-01 21:08:15 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Referenzen
Trent Reznor & Atticus Ross; Trent Reznor; How To Destroy Angels; Mogwai; Team Sleep; Daft Punk; Justice; Soulwax; HEALTH; AFX; Aphex Twin; Boys Noize; The Prodigy; The Chemical Brothers; MSTRKRFT; Depeche Mode; David Bowie; Sigur Rós; Jónsi & Alex Somers; Harvestman; Bohren & Der Club Of Gore; Fantômas; 65daysofstatic; Recoil; Radiohead; Thom Yorke
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