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Sibylle Kefer - Ma wü vü

Sibylle Kefer- Ma wü vü

Sibylle Kefer / Tivoli
VÖ: 06.03.2026

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Lebensaufgabe

"Ma wü vü". So heißt das neue Album von Sibylle Kefer, einer österreichischen Songwriterin und Sängerin. Auf Hochdeutsch bedeutet der Titel "Man will viel" und steht sinnbildlich für die Kombination aus Ambition und Resignation, die Menschen bisweilen in den Wahnsinn treibt. Und auch Kefer will viel, ihre Musik ist ebenso eigenwillig wie eigenartig, beheimatet in der Wildnis zwischen Chanson und Jazz, wo sich Wuchs und Ekstase gute Nacht sagen. Die Songs schlingern, die Stimme zittert. Es gilt, dem Leben Kunst abzuringen. Ein leiser Hauch von Terror durchweht Kefers Kompositionen. Immer wieder kippen die Songs ins Fiebrige, nachzuhören etwa in der betörenden Miniatur "Da Baam". Auch der Opener "Positionen" steht mit mehr als nur einem Bein in der Finsternis: "Wann ma's nimmer gspirt / Aber ma woaß / Dass nu do is", singt Kefer da. Und die Geige weint im Mondlicht. Romantik ist, wenn man wider besseres Wissen Gefühle hat.

Stellenweise nutzt Kefer auch elektronische Elemente, was sich besonders im herausragenden "So wies soi" als gute Entscheidung entpuppt. Zu reduzierten Beats und wummerndem Bass singt sie vom Kammerflimmern der Zivilisation. Die Welt pfeift aus dem letzten Loch, nur der Bildschirm flackert noch. "Jo eh (Oda do nit)" besteht hingegen nur aus Kefers Stimme, die so verfremdet wird, dass sich die gesamte Wahrnehmung verschiebt. Diese Musik wirkt körperlich, unmittelbar. Sie kommt von einem Nicht-Ort, der Leere zwischen den Zeilen, die sich nur mit Hoffnung füllen lässt. Aus diesem Grund schwingt sich der Titeltrack auch in manische Höhen auf, Kefer schreit gegen das Unvermeidliche an, fast wie im richtigen Leben. Richtig und falsch sind freilich bürgerliche Kategorien.

Auf Wut folgt Zerbrechlichkeit. "Diamantn" ist ein zartes, tastendes Liebeslied, das den fragilen Moment zwischen Leidenschaft und Verderben perfekt einfängt. Diese Fähigkeit, Emotionen zu verdichten, hebt Kefers Musik aus dem Brei der Befindlichkeitsduselei heraus. Begehren ist simpel, es gibt keinen Grund, sich hinter schiefen Metaphern zu verstecken. "Des Irre on dir bist Du" bringt diese Haltung auf den Punkt: Wenn man jemanden will, dann bedarf es keiner Worthülsen. Das Absolute liegt im Augenblick. Doch dieser ist flüchtig, hinter jedem Blinzeln lauert der Verfall. Kefer kleidet diesen in "So weit wies Föd" in violette Moll-Akkorde, die sich wie ein Tuch über das Bewusstsein legen. Die Kälte des Daseins zu vertreiben, ist eine Lebensaufgabe. Wobei Lebensaufgabe stets eine Option bleibt. Notfalls per Scheckbuch.

"Im Einzelfall / Entscheid' ma si dann für an SUV", kalauert Kefer in "Komfortzone", einer bitteren Abrechnung mit dem Egoismus einer Spezies, die aus Bequemlichkeit die Zerstörung des Planeten in Kauf nimmt. Aber was will man auch von einer Lebensform erwarten, die Wörter wie "Kaufkraft" erfunden hat? "Es betrifft uns alle / Im worst case im Präteritum", so das nüchterne Fazit. Natürlich wirft der Elfenbeinturm Schatten, aber angesichts steigender Temperaturen muss man nehmen, was man kriegen kann. Und wenn das auch nicht hilft, bleibt immer noch der Suff. In selbigem ergibt auch ein Lied wie "Maridipolka" Sinn. "Pass auf dei' Liebe auf / Mei Herz spuit Polka drauf", heißt es im Refrain, während die Maschinen die Instrumente verschlingen. So merkwürdig das alles ist, so großartig ist es auch. Das letzte Wort auf "Ma wü vü" lautet "Halleluja". Dem ist nichts hinzuzufügen.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • Ma wü vü
  • Diamantn
  • So wies soi
  • Komfortzone
  • Maridipolka

Tracklist

  1. Positionen
  2. Ma wü vü
  3. Diamantn
  4. Des Irre on dir bist Du
  5. So sche do
  6. Goaniagends hi
  7. So weit wies Föd
  8. Da Baam
  9. So wies soi
  10. Komfortzone
  11. Maridipolka
  12. Üwan Bodn
  13. Jo eh (Oda do nit)
  14. Holy shit

Gesamtspielzeit: 53:52 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Robert G. Blume

Postings: 980

Registriert seit 07.06.2015

2026-04-07 10:21:36 Uhr
Und dann guckt nochmal auf den eingebundenen Spotify-Player ;)

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30393

Registriert seit 08.01.2012

2026-04-04 00:08:26 Uhr
Jetzt aber! Ich hab da auch nichts gesehen irgendwie ...

Christopher

Plattentests.de-Mitarbeiter

Postings: 4353

Registriert seit 12.12.2013

2026-04-03 16:08:49 Uhr
Lol, natürlich.

Irgendwie verbinden sich wohl gerade die Synapsen nicht.

stiller Leser

Postings: 3

Registriert seit 03.04.2026

2026-04-03 15:58:26 Uhr
jetzt noch das "fü" auf "vü" ausbessern, dann passt's ;)

Christopher

Plattentests.de-Mitarbeiter

Postings: 4353

Registriert seit 12.12.2013

2026-04-03 13:48:19 Uhr
Ups, wird noch korrigiert. Danke für den Hinweis!
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