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Nina June - Seal skin ~ Anthems of a woman

Nina June- Seal skin ~ Anthems of a woman

Red Ribbon
VÖ: 27.03.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Strings attached

Das Erhabene daran, sich mit der Kunst im Allgemeinen und der Musik im Speziellen zu befassen, ist ja der Umstand, dass mit fortschreitender Zeit selbst in den vermeintlichen Wiederholungen immer wieder etwas Neues steckt. Das Aufnehmen der Fährten als zentraler Baustein der menschlichen Kultur. Der hier zu besprechende "Cinematic Pop" von Nina June bedient sich stilistisch an der ersten großen Hollywood-Ära bis in die 1950er und setzt diesem Vorbild getreu zur Untermalung in weiten Teilen auf ein Streichorchester. Dieses steht unter der Anleitung von Sally Herbert, die etwaiges Komponieren und Dirigieren von Streicherpassagen beispielsweise auch schon für Titel von Florence + The Machine ("Dog days are over") oder Radiohead ("Nude") übernahm. Wenn man zusätzlich noch in seinen Albumtitel den Begriff "Anthems" einbaut, dann gibt man auch thematisch die Erwartungshaltung schon relativ klar vor: große Gesten, große Dramen. Doch auch wenn Junes Alt-Stimme sich mühelos in die Reihe etwaiger Bombast-Interpretinnen gesellen kann, sind es gerade die Stücke mit den leichten technischen Unsauberkeiten und Fragilitäten, die hinter den polierten Fassaden noch mehr Glitzer freilegen. In Stücken wie "Someone to lose" zeigt sie auf berührende Art und Weise, wie sich Verwundbarkeit und innere Stärke gegenseitig bedingen, um seinen Platz in der Welt finden zu können: "I don't know what I've been saving up for / The more I feel, the less I want the encore / Hardly even made it out of a heartstorm / How wildly flow the waters from the downpour."

In gewisser Weise kann man dem Album unterstellen, die Frage nach der Bedeutung von Weiblichkeit selbst auf den Grund gehen zu wollen. Während das aktuelle Zeitalter immer noch versucht, etwaige kulturell etablierte Zuschreibungen auf Basis des biologischen Geschlechts aufzubrechen, nimmt sich Nina June dieser klischeehaft "weiblichen" Persönlichkeitsmerkmale an und zelebriert sie. Nicht deswegen, weil sie angeblich so feminin sind, sondern weil sie besonderen zwischenmenschlichen Wert besitzen. Heimlicher Höhepunkt dieses Unterfangens ist dabei "Limelight", welches parallel mehrere Interpretationsebenen zulässt, in welcher Form von Beziehung sich die beiden Protagonist*innen befinden – klar wird dabei lediglich, dass die eine Hälfte ihre Fürsorge bis zur Selbstaufgabe treibt und sich aus trotzigem Stolz weigert, daran kaputt zu gehen: "I try to keep the faith / An exhaustible devotion / Angered in the ocean you're drifting away / I trade my home for a second single mattress on the floor / So, what are you fighting for?" Man spürt das eigene Herz aus dem Brustkorb in Richtung Bauchhöhle sinken.

Auch wenn die klassischen Balladen des Albums den mit Abstand größten Reiz haben, so ist es dennoch nur fair zu erwähnen, dass es sich bei "Seal skin ~ Anthems of a woman" eben nicht nur um eine halbe Stunde Pathos handelt. Gerade im letzten Drittel des Albums sorgen einige snarelastige Drumpatterns in Kombination zu den angesprochenen Streichern für ein gewisses "Lazy Jive"-Gefühl, was beim Zuhören eine angenehme Spannung aufbaut, sich gleichzeitig bewegen und parallel eigentlich nur alles in Ruhe aufnehmen zu wollen. Wirklich innovativ ist in diesem Zusammenhang wohl eher wenig bis gar nichts, dafür aber kompetent und ohne Kitsch umgesetzt, in den solche Nummern nur allzu leicht abgleiten können. Manche*r wird sich beim Probehören dieses Albums die Frage stellen, ob das nicht eigentlich eher ESC-Material ist, und so ganz von der Hand weisen lässt sich dieser Einwand wahrscheinlich gar nicht. Aber ebenso wenig lässt sich bestreiten, dass die Menschheit als solches auf gewisse emotionale Reize immer zuverlässig reagieren wird, abseits von allen Dingen, die sie sonst so im Alltag voneinander trennen. Sich auf diesen zugrunde liegenden Code unseres biologischen Betriebssystems zu besinnen und darin eben nicht nur eine Angriffsfläche, sondern eben auch eine Art Heimat im Inneren zu sehen, ist die Leistung dieses Albums.

(Gerrit Phil Abel)

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Highlights

  • The lighthouse (Particles)
  • Someone to lose
  • Limelight

Tracklist

  1. Seal skin (Prologue)
  2. The lighthouse (Particles)
  3. Someone to lose
  4. What's love without a broken heart
  5. Beautiful mess
  6. Boy
  7. Limelight
  8. From our haven (Love you louder)
  9. Blanket of dust
  10. Oh my god (When you know you know)

Gesamtspielzeit: 34:22 min.

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Armin

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2026-04-01 21:07:25 Uhr - Newsbeitrag
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