Exodus - Goliath
Napalm / Universal
VÖ: 20.03.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
Beinhart geht das ab hier
Wenn eine Band ihren Sänger austauscht, dann ist das meistens recht einschneidend. Klar, irgendwo ist der Frontmann stilprägend. Bei Exodus nehmen diese Wechsel allerdings mittlerweile amüsante Züge an. Tragische Figur dabei ist wohl unbestritten Steve "Zetro" Souza, dem Anfang 2025 das Kunststück gelang, gleich zum dritten Mal aus der Band geworfen zu werden. Beim ersten Mal 1993 noch eher unverschuldet, die Band hatte sich damals schlicht aufgelöst. Nach Baloffs Tod 2002 entwickelte sich allerdings ein fröhliches Wechselspiel zwischen Souza und Rob Dukes, der nach seinem Abgang 2014 gar komplett mit dem Business abgeschlossen hatte und eine Autowerkstatt eröffnete. Doch Souza erwies sich erneut als wankelmütiger Zeitgenosse, worauf Dukes noch einmal den Schraubenschlüssel gegen das Mikrofon tauschte und nun für das neue Album "Goliath" quasi der neue alte neue Frontmann ist. Und natürlich betont jeder, allen voran Bandchef Gary Holt, dass es diesmal endgültig für immer sei.
Nun ist Dukes allerdings wegen seiner stiernackigen Attitüde und des eher limitierten Gesangsstils auch unter Exodus-Fans nicht völlig unumstritten. Doch überraschenderweise ist die Performance des Shouters bereits beim Opener "3111" bockstark, und daran ändert sich über die komplette Spielzeit nichts – durchaus überraschend, denn mitunter krankten Exodus-Alben auch am etwas eindimensionalen Geballer. Nicht so hier, denn auf die tatsächlich eher bedächtig startende Ouvertüre schließt sich zwar mit "Hostis humani generis" ein Hassbatzen an, der wohl selbst den gestählten Sänger an seine Grenzen bringen dürfte, doch direkt im Anschluss beweisen die Bay-Area-Legenden Mut zu Stilausbrüchen, indem Peter Tägtgren im Stil seiner Band Pain den Refrain zu "The changing me" herausfauchen darf und somit eine gehörige Portion Eingängigkeit mitbringt.
Noch mutiger zeigen sich die Amerikaner beim Titeltrack, der schleppend-doomig beginnt, sich dann aber immer nachhaltiger ins Langzeitgedächtnis bohrt, unterstützt durch ein Solo der Violinistin Katie Jacoby, die in den letzten Jahren vor allem als Mitmusikerin von The Who von sich Reden gemacht hatte. Über allem thronen jedoch seit eh und je die Gitarristen Gary Holt und Lee Altus. Es gibt im Genre wenige Gitarrenduos, die sich derart gekonnt die Bälle zuspielen, die auf derart hohem Niveau ein begeisterndes Riff nach dem anderen abfeuern, völlig egal, ob mit einem kleinen Schlenker in Richtung NWOBHM, wie bei "Promise you this", hemmungslosem Getrümmer wie in "Beyond the event horizon" oder dem feisten Groove von "Violence works".
Dass "2 minutes hate" dabei eben nicht diese Spielzeit vorweisen kann, bleibt insofern eine Petitesse, ebenso wie das ausgesucht hässliche Artwork. So bleibt das einzige kleine Ärgernis dieser Platte wohl der seltsame Bass-Sound, der durch seinen dengelnden Klang eher an eine Maultrommel auf Steroiden erinnert. Ansonsten jedoch haben Exodus mit "Goliath" ein starkes Maß gefunden, teils voller Wut wie beim überlangen "Summon of the god unknown", bei dem ein wenig der Aushilfsjob von Gary Holt bei Slayer durchklingt, teils eben höchst variabel. In dieser Form können sich wohl auch die Fans, die eher Steve Souza favorisieren, mit der "Dukes-Version" von Exodus anfreunden. Mal sehen, für wie lange.
Highlights
- Hostis humani generis
- The changing me (feat. Peter Tägtgren)
- Goliath (feat. Katie Jacoby)
Tracklist
- 3111
- Hostis humani generis
- The changing me (feat. Peter Tägtgren)
- Promise you this
- Goliath (feat. Katie Jacoby)
- Beyond the event horizon
- 2 minutes hate
- Violence works
- Summon of the god unknown
- The dirtiest of the dozen
Gesamtspielzeit: 54:15 min.
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