Charlotte Cornfield - Hurts like hell
Next Door / Merge / Cargo
VÖ: 27.03.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
Fest am Boden
Man könnte den Fehler machen und bodenständig mit langweilig verwechseln, wenn man die Songs von Charlotte Cornfield hört. Die kanadische Sängerin macht auf den ersten Blick nicht die aufregendste Musik. Die Chancen stehen sogar nicht schlecht, dass viele sie mit ihrem bereits sechsten Album "Hurts like hell" das erste Mal wahrnehmen. Das ist aber kein Problem, weil Cornfield nicht mit Effekthascherei oder wilden Experimenten überzeugen will – sie ist vor allem eine talentierte Texterin, was sie in knapp 35 Minuten ein ums andere Mal beweist. Und der ein oder andere Song grüßt einen dann morgens plötzlich doch als Ohrwurm.
Zugegeben: Ausgerechnet der Opener "Before" gibt sich wirklich kaum Mühe, mehr als eine graue Maus auf einer tollen Platte zu sein. Weder schlecht noch unsympathisch, aber reichlich unspektakulär. Zum Glück platzt direkt im Anschluss schon das erste Highlight in Form des Titelsongs in den Raum. Country und Folk schütteln sich die Hand, Cornfield erinnert sich daran, wie ernst sich Situationen in dem Moment anfühlen, in denen sie passieren, aber dass das auch dazugehört: "Karen said, 'You can't make it if you never even try' / And you can't feel the wind blow if you never go outside." Und ja, die männliche Stimme im Hintergrund ist tatsächlich Buck Meek von Big Thief. Die Songs wurden alle mit reichlich Unterstützung einer Band von Gitarre über Drums bis Piano und Saxofon aufgenommen und neben Meek blitzt als größter Name Landsfrau Feist auf. Auch wenn der gemeinsame Song "Living with it" zwar präzise ein Schlussmach-Szenario beschreibt, aber kein Highlight ist.
Als solches bietet sich viel eher"Lost leader" an, das von jugendlichem Ruhm erzählt und davon, wie das Leben manchmal durch den Alltag an Glanz verliert: "The party's a real heater / But these aren't your friends / They're just people who know who you are." Oder die Storytelling-Nummer "Squiddd", welche die Begegnung mit einem Musiker schildert, der mit seiner fiktiven Band nur einen Gig gespielt hat, den Cornfield aber einige Zeit später wiedertrifft, wobei sie immer noch eine der Zeilen von jenem Abend mit sich herumträgt: "I said 'Hey, aren't you the guy from Squiddd?' / And you said 'It's funny that's how you know me / It's just that one show that we did.'" Die Kanadierin ist auffällig talentiert darin, die Wörter und Reime an den richtigen Stellen zu platzieren, sodass zu jedem Zeitpunkt alles fließt und nichts stolpert. Und zumindest einmal geht sie auch musikalisch etwas mehr in die Vollen, wenn "Lucky" die E-Gitarre rausholt und zu einem richtigen Rock-Song wird.
So ganz ausbrechen kann Cornfield aus der Bodenständigkeit aber nicht, selbst wenn ihr mal ein Schimpfwort rausrutscht. Bemerkenswert ist dabei der Song "Kitchen", der die Kennenlerngeschichte mit dem Partner auf eine so respektvolle und vorsichtig annähernde Art beschreibt, dass man sich wundert, wie frisch diese Perspektive wirkt: "You never pushed, never shoved / You didn't want to rush this love / Who knew that it could come natural / Grounded and factual / Passionate and actual." Das ist sicher deutlich weniger dramatisch als die Larger-than-life-Stories anderer Künstler*innen, aber auf keinen Fall unromantisch. Kurioserweise steht auf "Hurts like hell" das vermeintlich perfekte Outro an vorletzter Stelle. Der tatsächliche Closer "Bloody and alive" fühlt sich nämlich wie ein zurückgenommenes Addendum an, das die 2023 Mutter gewordene Sängerin mit Gitarre und sanftem Klavier zeigt und von einem Foto handelt, das kurz nach der Geburt aufgenommen wurde. Davor steht aber "Long game", das in satten fünf Minuten breiten Bandsound und Backing Vocals auffährt und nach großem Finale klingt. Optimistische Beschwörungen scheinen sich selbst zu versichern, dass man mit einem Lächeln in die Zukunft schauen kann, nebenbei wird kurz Neil Young genamedroppt und der Song endet mit der wunderschön pragmatischen Aufforderung: "More living, less dying."
Highlights
- Hurts like hell
- Squiddd
- Long game
Tracklist
- Before
- Hurts like hell
- Lost leader
- Lucky
- Living with it (feat. Feist)
- Number
- Squiddd
- Kitchen
- Long game
- Bloody and alive
Gesamtspielzeit: 34:26 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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cargo Postings: 847 Registriert seit 07.06.2016 |
2026-04-17 18:00:58 Uhr
Richtig tolles Album! "Hurts Like Hell", "Squiddd" und "Kitchen" sind fantastische Songs. |
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Bese Postings: 6 Registriert seit 06.12.2019 |
2026-04-07 10:27:27 Uhr
Schönes Album! Und gerade den Opener finde ich sehr gut. |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30439 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-04-01 21:06:29 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Referenzen
Sluice; Feist; Anna Tivel; Leif Vollebekk; Courtney Marie Andrews; Morgan Nagler; Jana Horn; Tyler Ballgame; Buck Meek; Lala Lala; Alice Costelloe; Lily Talmers; Ratboys; Anjimile; Allegra Krieger; Bonnie 'Prince' Billy; The Weather Station; Dan Mangan; Andy Shauf; Hurray For The Riff Raff; Bill Callahan; Great Lake Swimmers; Jess Williamson; Basia Bulat; Runnner; Tomberlin; Julie Byrne; Laura Stevenson; Caroline Rose; Molly Burch; Julia Jacklin; Laura Marling; Hannah Cohen; Aldous Harding; Hiss Golden Messenger; Haley Heynderickx; Iron & Wine; Jenny Lewis; Julien Baker; Fenne Lily; The Rural Alberta Advantage; Merce Lemon; Sharon Van Etten; Billie Marten; Courtney Barnett; Big Thief; The Band; Angel Olsen; Townes Van Zandt; Neil Young; Joni Mitchell; Lou Reed; Elliott Smith; Lucinda Williams
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- Charlotte Cornfield - Hurts like hell (3 Beiträge / Letzter am 17.04.2026 - 18:00 Uhr)



