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Memorials - All clouds bring not rain

Memorials- All clouds bring not rain

Fire / Cargo
VÖ: 27.03.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die weiteren Aussichten

"Ich bewundere an ihr die Fähigkeit, unfassbar komplexe Arrangements in ihrem Kopf zu hören." Er musste es wissen: Schon als er Mitte der 2000er die Electrelane-Platten "The power out"und "Axes" produzierte, hielt der allzu früh verstorbene Steve Albini große Stücke auf Frontfrau Verity Susman. Rund 20 Jahre später hat die Britin ihre musikalischen Kenntnisse weiter vervollkommnet, einen Master in Komposition gemacht, elektroakustische Solo-Aufnahmen sowie diverse Soundtracks produziert – und eine neue Band am Start, da sich Electrelane ungeachtet der einen oder anderen Live-Reunion-Zuckung nach wie vor in etwas befinden, das wohl "indefinite hiatus" heißt. Aber zugegeben: Ganz neu sind Memorials nicht mehr, denn "All clouds bring not rain" ist schon ihr zweiter Longplayer nach "Memorial waterslides". Und sicher nicht schlechter als dieser.

Mit Matthew Simms kann Susman außerdem auf einen berufenen Mitmusiker zählen, der als Gitarrist von Wire und It Hugs Back seine Pappenheimer von zackig-repetitivem Post-Punk bis hin zu sanft umpuscheltem Dream-Pop in- und auswendig kennt. Womit die leicht diesige Anmutung von "All clouds bring not rain" ähnlich gut umschrieben wäre wie mit der von Susman im lieblichen Deadpan-Stil hingehauchten Eingangszeile "Life could be a cloud". Dazu verpuppt sich der Opener vom summenden Glühwürmchen zum überbordenden Motorik-Klopfer, doch kehrt er immer wieder zum anfänglichen Mantra zurück. Auch bei bedecktem Himmel eine tröstliche Köstlichkeit aus dem Stereolab für jenseitige Stimmungen und meteorologische Schnipselogie – und wenn nicht unfassbar komplex, so doch weitaus mehr als bloß eine "Acceptable experience".

Gleiches gilt für das straightere "Cut glass hammer", bei dem Memorials nach einem blubbrigen Electronica-Intro das Tempo schnell anziehen und eine dezent verkratzte Gitarre unterschwellig durch den Song schabt – wie zur Warnung, dass die beiden ihren weltvergessen Richtung Stratosphäre schielenden Sound auch jederzeit verbrutzeln lassen könnten, wenn sie nur wollten. Und ist es im geschwinden Space-Rocker "Dropped down the well" einmal beinahe so weit, erinnert das dank saftiger Kraut-Grundierung und spitzfindigen Farfisa-Licks vor allem an das Electrelane-Debüt "Rock it to the moon", wo die langen Tracks auch dank Susmans Fingerfertigkeiten oft in ausgedehnte Jam-Sessions mit verorgelter Hypno-Schlagseite ausarteten. "Watching the moon" funktioniert ähnlich – und referenziert im Titel vielleicht nicht zufällig den 2001er-Erstling.

Nicht die einzige Qualität, die sich dieses Album ans Revers heften kann – schließlich beherrschen Susman und Simms genauso formschöne kleine Torch-Songs wie "Reimagined river" oder "Lemon trees", die auch aus Prinzip verträumte Kolleginnen wie Melody Prochet oder Tess Parks kaum himmlischer hinbekommen hätten. Schleppen Memorials zusätzlich einen Sack Groove ins Studio, funktioniert "All clouds bring not rain" samt komplexen Rhythmus-Gebilden zuweilen auch als angetüterte Tanztee-Platte aus dem Bossa-Nova-Themenpark, wo "In the weeds" oder "Mediocre demon" wirken, als würde Sergio Mendes' "Mas que nada" unter außerirdischen Bedingungen auf links drehen und dabei radioaktive Cocktails schlürfen. Weitere Prognose: wolkig mit Aussicht auf verstrahlte Fleischbällchen – und ziemlich bewusstseinserweiternde 50 Minuten.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Life could be a cloud
  • Cut glass hammer
  • Dropped down the well
  • Mediocre demon

Tracklist

  1. Life could be a cloud
  2. Cut glass hammer
  3. I can't see a rainbow
  4. Dropped down the well
  5. In the weeds
  6. Reimagined river
  7. Mediocre demon
  8. Bell miner
  9. Lemon trees
  10. Watching the moon
  11. Wildly remote
  12. Holy invisible

Gesamtspielzeit: 49:46 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

hey-now

Postings: 54

Registriert seit 03.05.2023

2026-04-08 23:39:30 Uhr
Gerade drüber gestolpert und durchgehört - tolles Album. Hat sich noch nicht alles komplett ausdifferenziert auf den ersten Durchgang. Aber allein der Streak der ersten fünf Songs ist schon Zucker. Abwechslungsreich, nuanciert, eigenständig.

Hierkannmanparken

Postings: 3011

Registriert seit 22.10.2021

2026-04-05 12:27:05 Uhr
Mediocre Demon (auch so ein richtiger Ohsees-Titel) ist ja cool gemacht, wie sich die ganzen Instrumente rhythmisch komplementieren. Da bleib ich auf jeden Fall mal dran. Auch der Opener hat mir auf Anhieb gefallen, ich mag die Lyrics und wie sich die Kraut-Kehrtwende zu diesem wunderschönen Refrain steigert.

Und wer Bell Miner hört, kann sich das Obst im Frühstücksmüsli sparen.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30439

Registriert seit 08.01.2012

2026-04-01 21:07:55 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

myx

Postings: 6362

Registriert seit 16.10.2016

2026-04-01 20:30:30 Uhr
Höre es gerade zum zweiten Mal und jetzt strahlen die Songs allesamt auch bei mir so richtig schön, ist das Album also auch hier voll angekommen. Zudem gerade die aktuelle Rezi mit einem Auge entdeckt, bin gespannt auf die Lektüre.

carpi

Postings: 1953

Registriert seit 26.06.2013

2026-03-28 17:40:25 Uhr
Nach nur einem Durchgang kann ich die hohen Bewertungen schon jetzt nachvollziehen, das wird sicher ein Jahreshighlight. In Dropped down the well gefolgt von In the weeds und später Watching the moon orgelt es wieder so herrlich wie auf dem Debüt, der Closer Holy Invisible bleibt auch sofort hängen und wenn sie das Tempo drosseln (Lemon trees oder Wildly Remote) überzeugt das gleichfalls.
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