The Twilight Sad - It's the long goodbye
Rock Action
VÖ: 27.03.2026
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 9/10
Da waren's nur noch zwei
Es ist offenbar bewegt, das Leben von The-Twilight-Sad-Frontmann James Graham – und auch in der letzten Zeit von Verlusten geprägt gewesen. So verlor er, genau genommen, seine Mutter gleich zweimal. Zunächst rutschte sie in die Demenz ab und war somit "unerreichbar", wenig später starb sie – und als wenn das nicht schon elendig genug wäre, gab die Band mit der Vorab-Auskopplung der Single "Waiting for the phone call" bekannt, dass die verdienten Mitglieder Johnny Docherty (Bass), Brendan Smith (Tasten) und Grant Hutchison (Drums) die Band verlassen haben. Nun bilden also Graham und Andy MacFarlane den Nukleus der Band und stellen eins gleich klar: Unterkriegen lässt man sich von Schicksalsschlägen nicht, zum Glück gibt es auch ein stabiles Netzwerk. Zunächst stellten Graham und MacFarlane eine neue Rhythmussektion mit gutbeleumundeten Kollegen zusammen. Am Schlagzeug ist David Jeans zu hören, der unter anderem mit Arab Strap gearbeitet hat, am Bass Alex Mackay aus der Livebesetzung von Mogwai. Und eine besondere Rolle spielt zudem Robert Smith von The Cure, ein langjähriger Freund der Band, der als Gastmusiker auf mehreren Songs zusätzliche Gitarren, Keyboards und einen sechssaitigen Bass beisteuerte. Was man übrigens deutlich hören kann – und was der Band gut tut. Doch der Reihe nach!
45 Sekunden: Genau so lange dauert es, bis man sich im Opener "Get away from it all" nach sieben Jahren Abstinenz endlich wieder in diesen wunderbar kachelnden, herrlich lärmenden Gitarrenwänden verlieren darf. Ja, auch wenn drei wichtige Mannen fehlen, klingt die Band immer noch so, wie man sie liebt. The Twilight Sad schaffen gleich im ersten Stück einen richtigen "Ballermann", bei dem ruhigere Strophen mit raffiniert verschachteltem Taktmaß auf die volle Gitarrenbreitseite im Refrain treffen. Sehr schön auch, wie die neue Rhythmusgruppe in den Folgetracks für Vergnügen sorgt, denn sie rumpelt zuweilen schlampig und gleichzeitig präzise, wie David Lovering und Kim Deal zu allerbersten Pixies-Zeiten. Auch schön: Es sind immer wieder ungewohnt poppige Akzente dabei, wie zum Beispiel in "Attempt a crash landing - theme" oder "Waiting for the phone call", in denen die Synthie-Sounds verdächtig – und wunderbar! – nach The Cure aus der "The head on the door"-Phase klingen. Auch an Interpol muss man häufiger denken: Beim Intro von "The ceiling underground" könnte sich Daniel Kessler in die Band reingemogelt haben. Der gedoppelt-oktavierte Leadgesang zahlt ebenso auf diese Reminiszenz ein – doch nach der recht langen Exposition kommt auch hier wieder der erlösende Twilight-Sad-Moment, in dem alle Beteiligten gleichzeitig ihre Volume-Pedale niedertreten und voll auf die Zwölf gehen; ein Ausbruch, den sich Interpol wohl in dieser Vehemenz verkniffen hätten.
Höhepunkt ist vielleicht "Dead flowers", das sich zu Beginn einen sinistren Mahlstrom aus britzelnden Gitarren erlaubt, sekundiert von knalligen Drums – um sich dann auf mehr als sieben Minuten Spielzeit langsam zu einer lärmenden, irisierenden und involvierenden Wall of Sound hochzuschwingen. Danach muss man erst mal runterkommen, was mit "Inhostipable / hospital" vortrefflich gelingt. Hier wird die Intensität ein Stück weit herausgenommen, trotzdem ist der Track alles andere als zahnlos – vor allem, weil er mit überraschenden Changes und bunt-schillernden Achtziger-Jahre-Anleihen aufwartet. Und "Back to fourteen" erlaubt sich poetische, akustische Momente, die mehr als einmal an die besten elegischen Momente von Marillion (ja!) erinnern. Es bleibt eine erfreuliche, ja trostreiche Bilanz: Auch wenn Weggefährten andere Wege gehen, auch wenn es Tod, Trauer und Verluste zu verzeichnen gibt, muss das nicht zwingend einen Abgesang bedeuten, im Gegenteil! The Twilight Sad schaffen mit "It's the long goodbye" den bemerkenswerten Spagat, ihren unverwechselbaren Sound zu bewahren und sich gleichzeitig neu zu erfinden. Leise-Laut-Wechsel können viele Bands des Genres, hier hingegen werden immer wieder neue klangliche Gebiete erkundet. Dieses Album langweilt keine Sekunde lang, es verwandelt Schmerz in Kraft und gibt Hoffnung.
Highlights
- Get away from it all
- Attempt a crash landing - theme
- The ceiling underground
- Dead flowers
Tracklist
- Get away from it all
- Designed to lose
- Attempt a crash landing - theme
- Waiting for the phone call
- The ceiling underground
- Dead flowers
- Inhospitable / hospital
- Chestwound to the chest
- Back to fourteen
- TV people are still throwing TVs at people
Gesamtspielzeit: 48:52 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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oldschool Postings: 1137 Registriert seit 27.04.2015 |
2026-04-18 19:40:45 Uhr
Bei ner 90 minütigen show ist es okay, wenn man nicht 2 Songs vorher für 5 Minuten die Bühne verlässt um gleich wiederzukommen. ....Die Zugaben waren im regulären set dabei ^^ |
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hey-now Postings: 54 Registriert seit 03.05.2023 |
2026-04-17 19:16:52 Uhr
Konzert in München war super - ich gebe zu, ich bin gar nicht so der Twilight-Sad-Experte, war mein erster Durchgang live. Und ich gebe auch gleich noch zu, ich war positiv überrascht. Sehr intensiv, wuchtig, ohne irgendwas zu überziehen, sympathischer Auftritt auch. Keine Zugabe. Weiß nicht, ob das Standard ist. War aber schlüssig und kein Grund für Punktabzüge.Support war übrigens "for marcy" (Zitat: "We're The Twilight Sad's merchguys and since there war no more space in the tour bus, they asked us to play a few songs.") Dürfte aber eher so die halbe Wahrheit sein. War auch durchaus ansprechend; musikalisch weniger wuchtig, eher ein bisschen dreamy oder ein leichter Twee-Touch. Aber charmant. |
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Cayit Postings: 342 Registriert seit 05.05.2014 |
2026-04-13 10:49:44 Uhr
Also nach fast 3 Wochen mit der It's The Long Goodbye...1. It Won't Be Like This All The Time 9/10 2. It's the long goodbye 8/10 3. Nobody Wants To Be Here And Nobody Wants To Leave 8/10 4. No One Can Ever Know 8/10 5. Fourteen Autumns and Fifteen Winters 8/10 6. Forget The Night Ahead 7/10 |
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kingsuede Postings: 5324 Registriert seit 15.05.2013 |
2026-04-02 23:30:16 Uhr
So, jetzt kommen die Top 20 SongsThe room I/m not here (Missing face) That summer, at home I had become the invisible boy Videograms Cold days from the birdhouse TV people are still throwing TVs at people Alphabet Reflection of the television The airport Attempt a crash landing - theme Mapped by what surrounded them The wrong car It never was the same Three seconds of dead air Auge/Maschine And she would darken the memory The ceiling underground I became a prostitute Drown so I can watch VTr |
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Gomes21 Postings: 6097 Registriert seit 20.06.2013 |
2026-04-02 22:13:58 Uhr
Vorübergehender Stand:1. Fourteen Autumns and Fifteen Winters 2. The Long Goodbye 3. It Won't Be Like This All The Time 4. Forget The Night Ahead 5. Nobody Wants To Be Here And Nobody Wants To Leave 6. No One Can Ever Know |
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Referenzen
Interpol; Editors; New Order; The Cure; My Bloody Valentine; Joy Division; The Jesus And Mary Chain; White Lies; The Chameleons; Depeche Mode; Mogwai; Drangsal; The Holy; A Place To Bury Strangers; Arab Strap; Escapologists; Film School; Devastation; We Were Promised Jetpacks; Marillion; Crystal Stilts; Amusement Parks On Fire; Gravenhurst; The Boxer Rebellion; Placebo; The Rakes; The Cinematics; Arcade Fire; Broken Records; Admiral Fallow; Customs; She Wants Revenge; Dragons; Pink Turns Blue; Future Islands; Wu Lyf; Frightened Rabbit; My Vitriol; Six.By Seven; Radiohead; Slut; Abay; Blackmail; Ken; Clinic; Therapy?; Black Rebel Motorcycle Club; Nine Inch Nails; Gary Numan; Wire
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