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Robyn - Sexistential

Robyn- Sexistential

Young / Beggars / Indigo
VÖ: 27.03.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Love, sex & robots

Man muss es sich offenbar so vorstellen, dass Robin Carlsson, besser bekannt als Robyn, da draußen einfach ihr bestes Leben lebt und sich um Gepflogenheiten des Musikbusiness überhaupt nicht schert. Das Eisen schmieden, solange es heiß ist? Keine Chance. Wann immer sie bislang die nächste Stufe des Erfolgs erklommen hatte, tauchte sie erst mal wieder jahrelang ab, machte höchstens ein paar Kollaborationen, wenn sie Bock darauf hatte. So ergibt es sich, dass Robyn nun innerhalb der letzten 21 Jahre gerade mal auf vier Alben kommt und es jedes Mal ein Ereignis war. "Robyn"? Das selbstbewusste Zeugnis einer Künstlerin, die sich selbst gefunden hat. "Body talk"? Reiht erbarmungslos eine Pop-Perle an die nächste. "Honey"? Schöpft Kraft aus Zurückhaltung und ist doch ein weiteres Meisterwerk in einer beispiellosen Serie. Nun trägt die aktuelle Platte den bezeichnenden Namen "Sexistential" und hält daher vergleichsweise wenig mit den Themen hinterm Berg. "I feel like the purpose of my life is to stay horny", gab Robyn bei der Ankündigung der Platte zu Protokoll, und auch wenn sie diese Äußerung in der Folge relativierte, es gehe dabei nicht nur um Sex, sondern auch um Sinnlichkeit – diese Songs kommen sehr genau auf den (G-)Punkt.

In dem Zuge schielt die Musik sehr stark in Richtung des körperlichen und hochenergischen Synthpops von "Body talk", den sie im Wesentlichen zusammen mit ihrem langjährigen Co-Songwriter und -Produzenten Klas Åhlund aus der Kiste holt. Ob das der Sound der Stunde ist, interessiert auf "Sexistential" genau niemanden – wer hat denn ohnehin einen Überblick, was 2026 genau angesagt ist? Schon eher kritisch beäugen könnte man die wirklich knauserige Spielzeit: Die neun Songs machen nicht einmal die halbe Stunde voll. Und davon ist ein Track zumindest eingefleischten alten Hasen bekannt: "Blow my mind" stammt ursprünglich vom letzten Prä-Selftitled-Album "Don't stop the music" aus 2002, erscheint hier der Umgebung entsprechend mit komplettem Makeover als Robo-Pop mit nagendem Beat und lieblichen Synths sowie neuem Text, der im Gegensatz zum Original und zu den meisten Songs hier an ihren Sohn gerichtet ist. Überhaupt ist der verschärfte Einsatz von Vocodern bei Front- und Backing-Vocals sowie teils schroffen elektronsichen Effekten etwas, das "Sexistential" kennzeichnet – wirkt zunächst entfremdend, gibt der Platte aber auch einen eigenen Glanz.

Am hellsten strahlt die Vorabsingle "Dopamine", die mit jedem weiteren Spin die Zweifel wegwischt, ob man hier einen neuen Übersong in der Diskografie gewonnen hat. "I know it's just dopamine / But it feels so real to me" – es ist zwar unklar, warum biochemische Prozesse nicht "real" sein sollen, aber solange der Song eine ähnliche Wirkung erzielt, kann das auch völlig egal sein. "You think I'm soft / Like that's a flaw somehow", singt Robyn im lieblichen "Sucker for love", das sich schon etwas mehr anstrengen muss, um seine Synth-Hook ins Hirn zu hämmern. Wo letztlich früher oder später sowieso alles ankommt. Robyn und Åhlund verstehen es weiterhin meisterhaft, diese kleinen Widerhaken in Songs zu platzieren, die zunächst unscheinbar vorbeirauschen. Selbst der etwas schablonenhafte Opener "Really real" kann als tendenziell schwächster Track immerhin seine Rolle als Anheizer und Startrampe dank der klirrenden Sounds gut ausfüllen. Dagegen wartet am anderen Ende das druckvolle "Into the sun", das seinen Text mit glühenden Synths untermalt: "Look what I've done / So brave and dumb / Fly right into the sun."

Das knapp gehaltene Titelstück steht in der Tradition von minimalistischen Tracks und Pisstake-Raps wie "Don't fucking tell me what to do", "We dance to the beat" oder "Beach 2k20" und bricht damit deutlich mit seiner Umgebung. Wer aber ohne Regung der Mundwinkel Zeilen wie "And then my doctor said, 'Now, Robyn, who would be your dream donor?' / Well, Adam Driver always did kinda give me a boner" vorbeiziehen lässt, dem ist nicht zu helfen. Konventioneller, aber auch mitreißender ist der Verbalerotik-Hit "Talk to me", der mit Killer-Refrain zur Tanzfläche bittet. Für die lieblichen Oasen inmitten der schweißtreibenden Körperlichkeit sorgen das hübsch tuckernde "It don't mean a thing" und die hochoptimistische Auflösung "Light up", die Robyns Stimme im Wesentlichen ganz ohne Verfremdung strahlen lässt. Und während sich die Puzzleteile ineinanderfügen, sitzt man etwas konfliktiert vor dem neuen Bündel Songs und fragt sich, ob man nach so spärlichem Output über die Jahre nicht etwas mehr als "nur" ein sehr gelungenes Mini-Album erwarten durfte. Das magelnde Sättigungsgefühl, das die Vorgänger noch zu umgehen wussten, verbleibt im Raum. Vermutlich kann man es wie so oft zum Ende der Rezension mit einem Songzitat beantworten: "It don't mean a thing / It don't matter at all." Na dann.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Dopamine
  • Talk to me
  • Into the sun

Tracklist

  1. Really real
  2. Dopamine
  3. Blow my mind
  4. Sucker for love
  5. It don't mean a thing
  6. Talk to me
  7. Sexistential
  8. Light up
  9. Into the sun

Gesamtspielzeit: 29:31 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Edrol

Postings: 731

Registriert seit 19.10.2018

2026-04-04 23:47:27 Uhr
Ich sage es ehrlich: die neue Scheibe gefällt mir sogar etwas besser als "Honey". Zwar hatte "Honey" die besseren Highlights (Titeltrack, "Ever Again", "Baby Forgive Me"), doch als Album wirkt "Sexistential" konsistenter und ich muss mich nicht durch "Between the Lines" und "Beach2k20" quälen bzw. skippen. Und wie immer ist jede Menge Growereffekt da. "Dopamine", "Sucker For Love" oder "Into The Sun" sind so Songs, die mich einfach in eine grundpositive Stimmung versetzen.

bender

Postings: 227

Registriert seit 03.04.2020

2026-04-01 09:35:50 Uhr
this is her c,xoxo yall, not everyone will get it, but the girls that get it, GET IT.

it makes me feel like im 40 having an existential crisis while at couples therapy with my polyamorous European boyfriends and then going to the club wearing a dillards jumpsuit.

rheiton

Postings: 347

Registriert seit 26.03.2025

2026-03-28 08:42:41 Uhr
Das ist ihr C,XOXO Leute, nicht jeder wird es verstehen, aber die Mädels. Die die es verstehen, kapieren es dann auch.

Ich fühle mich, als wäre ich 40 und hätte eine existenzielle Krise, während ich mit meinen polyamoren europäischen Freunden in Paartherapie bin und dann im Dillard's Jumpsuit in den Club gehe.

Edrol

Postings: 731

Registriert seit 19.10.2018

2026-03-27 16:40:58 Uhr
Ja, da gibt es definitiv Parallelen. Auch wenn ich "Dopamine" poppiger und "Honey" geschmeidiger finde. Beides grandiose Songs jedenfalls.

Lucas mit K

Postings: 489

Registriert seit 19.07.2024

2026-03-27 14:34:08 Uhr
Lief gerade einmal durch. Hach, ich mag ja so kurze, knackige Alben. Ist schon schön, braucht aber noch, um zu wachsen. Was mir aber auffiel: „Dopamine“ klingt irgendwie so, als hätte sie den Song „Honey“ einfach nochmal aufgenommen. Geht’s da noch jemandem so?
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