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Johannes Oerding - Hotel

Johannes Oerding- Hotel

Columbia / Sony
VÖ: 27.03.2026

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Halbpensioniert

Hallo Ihr Lieben,

sonnige Grüße von der Mittelmeerküste! Zunächst in bester Chronistenpflicht: Das Wetter ist fantastisch und das Buffet ein Traum. Seit ich angefangen habe, ein bisschen mit dem Barkeeper zu flirten, ernähre ich mich jedoch ohnehin zu zwei Dritteln von den Obstdekorationen meiner Long Island Iced Teas. Doch anstatt Euch von meinem kleinen Kurschatten oder meiner nicht minder beeindruckenden Glückssträhne beim Pool-Bingo zu erzählen, bei dem ich letztendlich ohnehin nur irgendwelche Temu-Kinkerlitzchen gewonnen habe, muss ich mich qua Herkunft ja auch ein bisschen aufregen, wenn Dinge nicht ganz so supi-dupi sind. Und zwar sorgt mein Hotel bei mir für einige Fragezeichen. Also, nicht falsch verstehen: Mein Zimmer ist völlig in Ordnung und sauber. Steril geradezu. Aber, nun ja, wie soll ich es formulieren – die Leute sind irgendwie seltsam hier?!

Da ist zum Beispiel dieser Typ, der den lieben langen Tag nur mit Hut und purpurnem Bademantel samt Playboy-Bunny-Emblem bekleidet über die Flure tigert und tut, als würde ihm der Laden hier gehören. Und als wäre das nicht schon wunderlich genug, tönt er den ganzen Tag so Lieder vor sich hin, die mir zwar bekannt vorkommen, aber die ich dann doch noch nie gehört habe. In was für einer Lautstärke auch. Es war zugegebenermaßen ja erstmal ganz witzig, wenn auf einmal so ein ergänzender "Oooh-ooh-oohhh"-Chor der Bediensteten aus dem Treppenhaus schallt, aber nach dem dritten oder vierten Mal nervt es halt doch erheblich. Zumal irgendwas in ihren leeren Gesichtern mir sagt, dass sie im Zweifel auch lieber im Münsterland wären als hier. Und dann ergibt das Geträller von Barfuß-Johnny noch nicht einmal irgendeinen Sinn! Erst erzählt er etwas von "Genau hier gehöre ich hin" und ein paar Minuten später dann wieder "Wo ich zu müde zum Lachen bin / Und viel zu leer, um noch zu weinen". Einerseits ist es "Niemals zu spät", andererseits gibt es "1000 Gründe, noch zu bleiben / Nur einen mehr, um doch zu gehen". Eine Persönlichkeitsstruktur wie ein Mandala. Wenn der, Gott bewahre, irgendwo mal Trauredner wird, ist hoffentlich ein Scheidungsanwalt im Raum.

Apropos Hochzeit. Beim Abendessen vor zwei Tagen hat er es sich nicht nehmen lassen, einem anwesenden Pärchen in ihren Flitterwochen ein Ständchen zu bringen: eine Version von "Halleluja". Zunächst dachte ich mir, dass das schon etwas kitschig und "normal" ist, aber zumindest kann man damit wenig falsch machen. Tja, dachte ich halt, bis ich bemerkte, dass er dazu natürlich ebenso seine eigenen Nonsens-Texte zum Besten gibt: "Halleluja, dass Take That Robbie rausgeschmissen hat / Denn sonst würden wir nicht 'Angels' singen als letzten Song der Nacht / Halleluja, dass ich immer noch die alten Freunde hab / Und dass Joko damals Klaas getroffen hat." Der Spaß vergeht im Flug, wenn man Zeit hat. In diese Kerbe schlägt auch "Sonntag", welches mit Zeilen wie "Ist so schön langweilig / Mein Puls sieht das genau wie ich" bestenfalls als strategischer Schachzug gewertet werden kann, den Gästen nochmal Kurtaxe aus den Rippen zu leiern.

Beinahe noch seltsamer: Ich scheine der Einzige hier zu sein, den das alles irgendwie stört. Mein Zimmernachbar Peter, wirklich eine Seele von Mensch, nimmt sich manchmal sogar die Zeit, um mit ihm ein bisschen zu jammen und dann bekommt die ganze Darbietung sogar einen gewissen Touch. Gestern, als ich Peter nach einer Runde Bierpong mal für ein Gespräch unter vier Augen abfangen konnte, musste ich ihn einfach fragen, wie er so eine Gelassenheit behalten kann. Und mit einem etwas zu schiefen Lächeln atmete er kurz aus und erklärte mir mit milder, leicht rauer Stimme: "Weißt Du, ein Hotel ist im Grunde nur eine Kreuzfahrt – ohne Schiff." Tja, und darüber denke ich heute noch nach. Vielleicht ist es tatsächlich nur meine Perspektive auf die Dinge, die eine Veränderung benötigt. Oder das nächste Mal eine Kreuzfahrt buchen. Habt Ihr vielleicht Erfahrungen mit der Full Metal Cruise?

In diesem Sinne Tschoe mit Oe,

(Gerrit Phil Abel)

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Highlights

  • Eiszeit 2.0 (feat. Peter Maffay)

Tracklist

  1. Hier gehör ich hin
  2. Mehr Glück als Verstand
  3. Märchen aus Hollywood (feat. Sarah Connor)
  4. Sonntag
  5. Jahreszeiten
  6. Hotel
  7. Niemals zu spät
  8. Halleluja
  9. Eiszeit 2.0 (feat. Peter Maffay)
  10. Parallel
  11. Hamburger Regen
  12. Wolken (feat. Michael Patrick Kelly)

Gesamtspielzeit: 44:10 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

JohnWesley

Postings: 17

Registriert seit 13.04.2025

2026-04-01 19:37:27 Uhr
Sehr unterhaltsame Geschichte vom Rezensenten Gerrit Phil Abel. Das es dabei um eine Albumbesprechung betreffend Johannes Oerdings neuestem Machwerk gegangen ist, bleibt nur als Randnotitz im Gedächtnis.
So wie die Kunst dieses möchtegern Wichtigliedermannes. Und wie man sich das im Münsterland so vorstellt, hat dieser Herr Oerding als von sich überzeugter Künstler immer einen Hut auf. Ein BRAVO für den Hut!

Hierkannmanparken

Postings: 3012

Registriert seit 22.10.2021

2026-03-28 08:12:31 Uhr
*Robert Redford nod*

Kontermutter

Plattentests.de-Mitarbeiter (Gerrit Phil Abel)

Postings: 746

Registriert seit 04.03.2023

2026-03-27 19:44:04 Uhr
Wollt ihr damit etwa andeuten, er macht das...

...villentlich?

andygoestohollywood

Postings: 835

Registriert seit 27.11.2023

2026-03-27 19:33:51 Uhr
Ich zitiere den deutschen Bob Dylan aus der Sendung bei Pflaume "Mein bestes achtes Album, sollte jeder im Regal stehen haben" Wissta Bescheid

AliBlaBla

Postings: 11457

Registriert seit 28.06.2020

2026-03-27 18:55:13 Uhr
Ich mache alles für den Ruhm!
Ruhm&Ehre.

Und die Villa!
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