The New Pornographers - The former site of
Merge / Cargo
VÖ: 27.03.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
Nach dem Überschwang
"The former site of" ist ein Albumtitel, der in seiner Unvollständigkeit Fragen aufwirft. Was sich auf jeden Fall nicht mal eben in die Leerstelle setzen lässt, ist der Bandname. Nein, The New Pornographers kehren auf ihrem zehnten Album nicht zu ihrem früheren künstlerischen Standort zurück. Die wilden, hochenergetischen Power-Pop-Tage von "Mass romantic" und Co. sind schon lange vorbei. Dass dies nicht unbedingt schlecht sein muss, beweist "Ballad of the last payphone" eindrucksvoll. Mit Shuffle-Rhythmus, Mandolinenklängen und Slide-Gitarren entfaltet der schon 2025 in einer früheren Version veröffentlichte Song eine melancholische Sogwirkung, die auf den frühesten Platten unvorstellbar gewesen wäre, hier aber richtig gut funktioniert. Auch bei The New Pornographers ändern sich manche Dinge nie. Neben der durchweg hohen Qualität gehört dazu das fluide Line-Up, das fortwährend um die Gründungsmitglieder A.C. Newman, Neko Case und Bassist John Collins rotiert – auch wenn der Hintergrund für den Besetzungswechsel diesmal ein in höchstem Maße unliebsamer war. Im April 2025 wurde Drummer Joe Seiders unter anderem aufgrund des mutmaßlichen Besitzes von Kinderpornografie verhaftet, woraufhin die Band alle Verbindungen zu ihm kappte und weite Teile des Albums, darunter natürlich alle Schlagzeugparts, neu aufnahm.
Ersetzt wird Seiders auf "The former site of" durch Session-Drummer Charley Drayton, der schon für Dylan und die Stones trommelte und zumindest im Promo-Text als "legendär" bezeichnet wird. Dem Opener "Great princess story" schenkt er einen dreifachen Herzschlag, der das keineswegs schlechte, aber doch etwas lethargische Stück zumindest ein bisschen aufweckt. Besser macht es "Pure sticker shock", das zwar auch zurückhaltend durch sein Synth-Becken plantscht, seine Melodie aber mit einem gewissen hypnotischen Nachdruck in die Gehörgänge zimmert. Indem sie ihren einst so aufbrausenden und überbordenden Sound immer weiter reduzierten, haben The New Pornographers eine für Indie-Größen der 2000er nicht unübliche Entwicklung genommen (hallo, Arcade Fire). Da sie weiterhin ihr Songwriting-Handwerk verstehen und offen für instrumentale Spielereien sind, verhindern sie jedoch geschickt das Abkippen in die Langeweile. Zumindest einen richtigen Ausbruch gibt es in der famosen Single "Votive", wenn sich diese nach knapp zwei Minuten in aufgestachelten Post-Punk verwandelt, über den Newman und Keyboarderin Kathryn Calder ungerührt ihren Refrain spannen. Wenn die Band mal wieder zu spät kommt, um "The bleeding heart show" zu spielen, wäre der Song nicht der allerschlechteste Ersatz.
Klar, Kritiker*innen können sich auch einem Track wie "Wish you could see me I'm killing it" aufhängen, das ein wenig wie ein überlanges, mitten im Album platziertes Intro klingt – würden dabei aber die wundersamen Dinge verkennen, die drumherum passieren. Der Space-Folk von "Spooky action" hebt in seiner psychedelischen Bridge wahrlich in andere Sphären ab: "Filling my boots with stardust / Filling my pockets up with rocks." Der fett gebasste Groover "Calligraphy" könnte mit seinen schrägen Gospel-Anlehnungen und der scharfsaitigen Hook auch aus der Feder des ollen Beck stammen, während "Bonus Mai Tais" Neko Case' Stimme besonders auffällig in Szene setzt und den Refrain interessant abkippen lässt. Am Ende macht das fast siebenminütige Titelstück noch einmal viel her, vollzieht eine mustergültige Klimax bis zu einer dichten Soundkulisse, in der sich vielleicht die von Finoms Macie Stewart arrangierten Streicher verstecken – sowie ganz sicher die an vergangene Zeiten erinnernden Bläser, die sich in den letzten Sekunden final aufbäumen und das Album gebührend verabschieden. Manchmal kann die Reduktion eben auch ganz groß klingen.
Highlights
- Ballad of the last payphone
- Votive
- Calligraphy
Tracklist
- Great princess story
- Pure sticker shock
- Ballad of the last payphone
- Spooky action
- Wish you could see me I'm killing it
- Votive
- Wine remembers the water
- Calligraphy
- Bonus Mai Tais
- The former site of
Gesamtspielzeit: 41:23 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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MickHead Postings: 10823 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-03-27 14:47:10 Uhr
Jetzt auch komplett bei Bandcamp:https://thenewpornos.bandcamp.com/album/the-former-site-of |
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MickHead Postings: 10823 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-03-27 13:54:14 Uhr
Komplette Playlist bei YouTube:https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_kQVu5dueuoMAJ4b5QMKBKsuU1u1n1BAUs&si=roMXWzVvaBo02aDw Rolling Stone 3/5 https://www.rollingstone.de/reviews/the-new-pornographers-the-former-site-of/ Musikexpress 4.5/6 https://www.musikexpress.de/reviews/the-new-pornographers-the-former-site-of/ HOTPRESS 8.5/10 https://www.hotpress.com/music/album-review-the-new-pornographers-the-former-site-of-23135620 |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30439 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-03-25 20:39:36 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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MickHead Postings: 10823 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-03-02 19:54:24 Uhr
3. Song "Spooky Action"https://youtu.be/wGsbTwpi8G8?si=MTGBKJ7iYSeYOKUA |
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MickHead Postings: 10823 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-02-10 18:24:25 Uhr
2. Song "Pure Sticker Shock"https://youtu.be/vf_qcJFtpqY?si=eTUjDJgqeMxOcomq |
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Referenzen
A.C. Newman; Zumpano; Destroyer; Neko Case; Stars; Headlights; Hospitality; Kopecki; Mates Of State; Arcade Fire; Okkervil River; Dirty Projectors; Belle & Sebastian; The Shins; Broken Bells; Clap Your Hands Say Yeah; Beck; Eels; Spoon; Rogue Wave; Wolf Parade; Sunset Rubdown; Broken Social Scene; The Decemberists; Ra Ra Riot; Charly Bliss; Tegan And Sara; Death Cab For Cutie; Band Of Horses; Vampire Weekend; The Fiery Furnaces; The Hold Steady; Fleetwood Mac; The Beatles; The Beach Boys
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