Myrath - Wilderness of mirrors
Ear / Edel
VÖ: 27.03.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 4/10
Vom Fach
Es geht ja nichts über Schubladen. Jeder musikalische Stil darf bitteschön eine eigene Bezeichnung haben. Wie sinnlos manche dieser Zuschreibungen sind, zeigt das mangels anderweitiger Griffigkeit künstlich herbeigeredete Genre "Oriental Metal". Darunter dürfen sich dann die israelischen Prog-Deather Orphaned Land gleichermaßen tummeln wie ihre Landsleute von der Black-Metal-Band Melechesh oder den Prog-Metallern Amaseffer. Von den Saudis Al-Namrood, einer Extreme-Metal-Gruppe, die aus naheliegenden Gründen nur im Untergrund agieren kann, einmal ganz abgesehen. Merke: Nur weil Bands traditionelle arabische oder orientalische Instrumente benutzen, gehören sie noch lange nicht in dieselbe Schublade. Womit wir bei Myrath wären. Denn auch der aus Tunesien stammende Fünfer greift immer wieder gern auf die eigene musikalische Tradition zurück, lebt aber schon geraume Zeit in Frankreich und hat es sich in einer Nische gemütlich gemacht, die in etwa zwischen Prog- und Symphonic Metal zu verorten ist.
Wenn nun Namen also Schall und Rauch sind, können Myrath durch ihre eigenen Qualitäten überzeugen. Zum Beispiel durch energetische Live-Shows, in denen – so viel Klischee muss dann doch sein – auch mal eine Bauchtänzerin zu deftigen Riffs tanzt. Auf Platte hingegen tat sich das Quintett oft schwer, diese Energie zu übertragen, krankte unter anderem immer wieder an zu weich gespültem Sound. Davon ist auf "Wilderness of mirrors" wenig bis nichts zu spüren. Endlich einmal. "The funeral" heißt der Opener des siebten Studioalbums, versprüht dabei trotz des ernsten Themas, trotz der traurigen Lyrics eine positive Energie, als wollte dieser Song uns allen mitteilen, dass es bei aller Trauer immer irgendwie weitergeht. "And all the nights I cried / Searching for your flame in the dark / I've got to know there's a light / Your fire will show me the way."
Eines ist "The funeral" aber vor allem. Nämlich der Auftakt zu den wohl stärksten Momenten, die Myrath bislang auf Tonträger gebannt haben. "Until the end" lebt von seinem harmonischen Zusammenspiel zwischen Frontmann Zaher Zorgati und Elize Ryd, Sängerin der schwedischen Melodic-Metal-Band Amaranthe, während sich "Breathing near the roar" mit fast schon dreistem Pop-Appeal in die Gehörgänge ohrwurmt. Überhaupt spielen die Tunesier immer wieder mit Pop-Elementen, wirken dadurch allerdings nicht anbiedernd, sondern so mitreißend, dass selbst die Piano-Läufe und der Kinderchor von "Les enfants du soleil" nicht anbiedernd oder peinlich wirken, sondern den Song zu einer dramatischen Powerballade machen. Das Klischee zu einem Stilmittel zu machen, ist auch schon eine Kunst für sich.
2025 entpuppten sich Myrath trotz hochkarätiger Konkurrenz als heimliche Headliner im Schmuddelwetter des verregneten Rock Hard Festival. Nicht etwa, weil Zorgati mit seinen Fortschritten in der deutschen Sprache kokettierte und zum Beweis erstmal ein paar "Deine Mudda"-Witze zum Besten gab. Sondern weil alles an dieser Band in jener Stunde pure Spielfreude, pure Glaubwürdigkeit versprühte. Und diese Glaubwürdigkeit kann auch "Wilderness of mirrors" transportieren, indem etwa "Still the dawn will come" ein paar Modern-Metal-Riffs einstreut, "The clown" vor Hooks nur so strotzt und "Edge of the night" in den orientalischen Stilistiken förmlich badet. Da ist es dann auch zu verschmerzen, wenn zu "Echoes of the fallen" vor dem geistigen Auge die Windmaschine der ESC-Bühne einsetzt, das große Drama also in diesem Fall etwas überstrapaziert wird. Denn in Summe ist "Wilderness of mirrors" endlich die Platte, die der überschäumenden Energie der Live-Auftritte gerecht wird. Also auf zum nächsten Schritt – wer braucht schon Schubladen?
Highlights
- Breathing near the roar
- Still the dawn will come
- Edge of the night
Tracklist
- The funeral
- Until the end (feat. Elize Ryd)
- Breathing near the roar
- Les enfants du soleil
- Still the dawn will come
- The clown
- Soul of my soul
- Edge of the night
- Echoes of the fallen
- Through the seasons
Gesamtspielzeit: 46:56 min.
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