Tom Misch - Full circle
Beyond The Groove / AWAL
VÖ: 27.03.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
Lässige Rückkehr
Hunderte Millionen Streams sind ein durchaus beeindruckender Nachweis für den Bekanntheitsgrad von Tom Misch. Der Musiker, der 2018 sein exzellentes Debüt "Geography" vorgelegt hatte und zwei Jahre später das Gemeinschaftswerk "What kinda music" an der Seite von Yussef Dayes folgen ließ, machte sich in der vergangenen Zeit allerdings explizit rar. Statt auf ausgedehnte Tour zu gehen, die er kurzerhand komplett absagte, verdingte sich der Brite fortan laut Label-Info unter anderem als Surflehrer, Barista und Gärtner. Auf der Suche nach der perfekten Welle, dem idealtypischen Muster im Milchschaum und der saisonal angemessenen Aussaat entfernte sich Misch ein gutes Stück von seiner Musik. Eine Flucht aus der Öffentlichkeit, eine Abkehr vom gleißenden Bühnenlicht – das Wiedererlangen der mentalen Gesundheit setzte er vor alles andere. Doch offenkundig wurde die grundsätzliche Verbindung zum Künstlerischen nie vollständig gekappt, denn acht Jahre nach seiner ersten Studioveröffentlichung meldet sich der gebürtige Londoner eindrucksvoll zurück: "Full circle" liefert elf neue Kompositionen.
Willkommen zurück, dürfen wir ihm erleichtert zurufen. Gleich die ersten Töne des Openers "Flowers in bloom" nehmen gefangen in Mischs Soundwelt, die wieder geprägt ist von einer ungeheuren Lässigkeit. So schwer die vorangegangenen Jahre für ihn gewesen sein mögen, so leichtfüßig und oft schwerelos leitet er uns durch sein klangliches Universum. Immer lassen sich da Spuren seiner einst begonnenen und später abgebrochenen Jazz-Ausbildung aufspüren. Und immer trifft er den passenden Ton, wenn er mit seiner feinen Stimme seine Lyrics zum Strahlen bringt. Gerät der Auftakt zunächst zu einem groovigen, eher ausgebremsten Unterfangen, regiert in "Red moon" das Funkige. Auch der souverän ausgeführte Druck aufs Gaspedal steht Misch überaus gut: "Slow tonight" lässt den Kopf nicken und die Finger schnippen, wenn er sich mit wohligem Timbre Gedanken über die Zeit macht, in der das "you and me" regiert.
Das alles wird auch in der Folge keinesfalls schlechter. "Sisters with me" profitiert von einer wohl platzierten Pause vor dem letzten Viertel, bevor schließlich ein Saxofon einsetzt und ein Albumhighlight zu einem stimmigen Ende bringt. In der Mitte des Ganzen reduziert "Running away" die instrumentale Begleitung auf ein Minimum – ein nicht einmal dreiminütiges Stück, das die fünf vorangegangenen und die fünf noch folgenden Songs exzellent verbindet. Später meint man, Sting aus dem tollen "Echo from the flame" herauszuhören, bevor nach vielen weiteren intensiven Momenten eine Kollaboration den Schlusspunkt setzt. "Days of us" entstand in Zusammenarbeit mit dem Saxofonisten Kaidi Akinnibi und rundet eine geglückte Rückkehr ins Rampenlicht ab. Ein Album, das über einen langen Zeitraum gefangen nehmen dürfte. Und so sehr wir uns Tom Misch auf dem Surfbrett oder mit dem Siebträger in der Hand vorstellen können: Die Musik ist unüberhörbar sein wahres Zuhause. Und hoffentlich auch wieder ein sicherer Hafen.
Highlights
- Slow tonight
- Sisters with me
- Echo from the flames
Tracklist
- Flowers in bloom
- Red moon
- Slow tonight
- Sisters with me
- Old man
- Running away
- Goldie
- Echo from the flames
- Fear can't hurt any more than a dream
- Sultans of silence
- Days of us (feat. Kaidi Akinnibi)
Gesamtspielzeit: 41:21 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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kiste Postings: 333 Registriert seit 26.08.2019 |
2026-03-27 14:31:36 Uhr
Surflehrer, Gärtner… ok. Aber mir war auch so, dass es immer mal wieder einen Output nach „What kinda music“ gab. Aber egal neues Album wird angehört :) |
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MickHead Postings: 10846 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-03-27 11:00:48 Uhr
Komplette Playlist bei YouTube:https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_nzzvhp8S_1_P-CvvS8tf_Jl7MliT-EXTg&si=fi24hcpqIpOBW7hP CLASH 8/10 https://www.clashmusic.com/reviews/tom-misch-full-circle/ |
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rheiton Postings: 347 Registriert seit 26.03.2025 |
2026-03-25 21:00:02 Uhr
Das er 2023 das großartige Album als Supershy veröffentlicht hat, hätte man ruhig erwähnen können. |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30443 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-03-25 20:38:53 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Referenzen
Matt Maltese; Ian Fitchuk; Adam Jeffrey; Yussef Dayes; Masego; Jamie Cullum; Aaron Taylor; Nai Palm; Mr Jukes; Dekker; Brasstracks; Jordan Rakei; Chris McClenney; Moonchild; Fatima; Oscar Jerome; Nick Hakim; Rejjie Snow; Tuxedo; Wayne Snow; Daft Punk; Eric Lau; Bernhoft; Loyle Carner; Horst Wegener; Sting; Tower Of Power; Joey Dosik; Norah Jones; Miles Davis; Oscar Peterson; Joomanji; Robert DeLong; Electric Wire Hustle; Matt Martians; Lorde
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