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Ladytron - Paradises

Ladytron- Paradises

Nettwerk / Soulfood
VÖ: 20.03.2026

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Tanz ohne Kompass

"Ein Strand am Ende der Welt". "Paradises". Orte, an denen die Zeit steht. Die Luft scheint zu flirren. Balearic Noir umfließt uns in Ästhetik und Klang. Wellenbewegungen klingen aus der Ferne, doch man hört nie den Moment, in dem sie brechen. Denn Ladytron liefern hier kein Album, das sich bereitwillig in Einzeltitel zerlegen lässt. Tracks lösen sich kaum voneinander ab, sondern eher ineinander auf. Nach Songs zu suchen, nach Hooks, die hängen bleiben, oder Momenten, die sich festbeißen, ist hier ein zielloses Unterfangen. Denn das ist nicht der Modus, in dem dieses Album funktioniert. Stattdessen zieht "Paradises" als durchgehender Strom vorbei, gleichförmig genug, um hypnotisch zu wirken – und gleichzeitig so flüchtig, dass sich nur wenig davon wirklich greifen lässt.

Die vorab veröffentlichten Singles stechen deshalb fast zwangsläufig heraus. Nicht nur als Vorboten, sondern als seltene Momente, in denen dieses Album so etwas wie ein klares Profil entwickelt. Wo "I believe in you" von einem reizvollen Wechselspiel zwischen Moll und Dur lebt, greift "Kingdom undersea" hingegen mit seinem 90er-House-Piano deutlich tiefer in die Vergangenheit und wirkt fast wie ein kurzer, unerwartet greifbarer Rückgriff auf eine direktere Clubsprache. Am deutlichsten erstrahlt jedoch "I see red" – nicht zuletzt, weil der Track mit seiner Dringlichkeit und den hochmotivierten Roland TR-808-/Roland TR-909-Claps an die Energie von La Rouxs "Quicksand" erinnert und insgesamt am ursprünglichsten den Ladytron-Sound der "Light & magic"-Zeit heraufbeschwört.

Der (zumeist satzartige) Gesang der Sängerinnen und Keyboarderinnen Helen Marnie und Mira Aroyo spinnt diese und die anderen Songs des Albums zu einem Kokon, in dem die Gesangsrhythmik über weite Strecken erstaunlich ähnlich, fast mantraartig erklingt. Variationen zeigen sich nicht durch die Vocals selbst, sondern durch ungewöhnliche Synthie-Harmonien. Das passt – und ist zugleich Teil des Problems. Über die Dauer des Albums hält sich zwar mühelos der Synthpop-Darkwave-last-beachdance-before-Armageddon-Vibe, aber manchmal fehlt es dann doch ganz einfach an Reibung. Dabei ist durchaus nachvollziehbar, was "Paradises" sein will: ein Tanzalbum, aber eines, das sich nicht dem direkten Zugriff anbiedert.

Und genau darin liegt die Ambivalenz. "Paradises" ist durchgehend stimmig, atmosphärisch dicht und in seiner eigenen Logik konsequent. Doch diese Konsequenz kippt mit zunehmender Laufzeit – stolze 72 Minuten – in eine gewisse Gleichförmigkeit. Wo am Anfang noch hypnotische Sogwirkung entsteht, macht sich später eine diffuse Austauschbarkeit breit. Die Songs lösen sich voneinander, ohne sich wirklich voneinander zu unterscheiden. "Paradises" ist damit ein Werk, das man eher entrückt durchtaucht als durchhört. Wie ein "Kingdom undersea". Like "when you (were) seventeen". (Yes – we still want you – Ladytron!)

(Jasmin Klemm)

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Highlights

  • I believe in you
  • Kingdom undersea
  • I see red

Tracklist

  1. I believe in you
  2. In blood
  3. Kingdom undersea
  4. I see red
  5. A death in London
  6. Secret dreams of thieves
  7. Sing
  8. Free, free
  9. Metaphysical
  10. Caught in the blink of an eye
  11. Evergreen
  12. Ordinary love
  13. We wrote our names in the dust
  14. Heatwaves
  15. Solid light
  16. 16 for a life in London

Gesamtspielzeit: 71:40 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

BunteKuh

Postings: 602

Registriert seit 17.07.2022

2026-04-11 21:47:07 Uhr
Hab mal mal älteres Material der Band in Form der "The Best of 00-10" gehört.
Definitiv empfehlenswert die Band. So viele Highlights hätte ich denen nicht zugetraut..
Einfach fantastisch.

Wäre das neue Album nur nicht so lang geworden, wäre es top. Genug Highlights hat es definitiv.

Bin jetzt Fan.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30439

Registriert seit 08.01.2012

2026-03-25 20:38:26 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

BunteKuh

Postings: 602

Registriert seit 17.07.2022

2026-03-22 09:44:03 Uhr
Ich muss mich leider der Vormeinung anschließen. Das Album ist definitiv zu lang und dadurch zieht und plätschert es am Ende dahin.
Eigentlich schade. Das Album hat seine Stärken. Aber der Dramaturgie des Albums schaden die vielen teils gleichartigen Songs.

Weniger wäre mehr....

Dumbsick

Postings: 540

Registriert seit 31.07.2017

2026-03-21 14:20:32 Uhr
Haben mich seit velocifero nicht mehr richtig abgeholt. Es klingt alles sehr weich

vincent92

Postings: 171

Registriert seit 22.11.2016

2026-03-21 14:01:04 Uhr
Selten so ein langweiliges Album gehört. Viel zu lang und ohne ein richtiges Highlight :-(
Zum kompletten Thread

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