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Fotocrime - Security

Fotocrime- Security

Artoffact / Cargo
VÖ: 13.03.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Schloss und Riegel

"Wir sind in Sicherheit. Wie langweilig." Ein Satz, den man außerhalb von Action-Blockbustern vermutlich selten hören wird. Aber vielleicht ist doch etwas dran? Fragt mal Fotocrime, den Post-Punk-Dreier um Ryan Patterson. Dessen Platten scheuten nach dem 2017er-Hit "Always hell" im Stile abgesägter Joy Division und dem vorzüglichen ersten Longplayer "Principle of pain" nämlich zusehends das Risiko, wurden kontinuierlich blasser und unaufregender. Fiel womöglich auch Patterson auf, sodass er sich seine Zeit bei Hardcore-Bands wie Coliseum oder The National Acrobat ins Gedächtnis rief und beschloss, wieder rabiater durch die Rabatten zu trampeln. Das "Post" vor dem Punk vergessen wir also besser – und die "Security" gleich mit. Denn der Albumtitel bezieht sich vor allem auf jene Sicherheit, die uns allen längst abhandengekommen ist. In der Öffentlichkeit, im Internet, in den eigenen vier Wänden. "It's a crimewave / You better get saved", postuliert der Frontmann direkt zu Anfang dringlich – leichter gesagt als getan.

Nicht von ungefähr ähnelt das Vorhängeschloss auf dem Cover verdächtig einem Totenschädel: Entweder befindet sich der Feind längst im Haus oder ist gar von höchster Stelle legitimiert. Wie in den USA etwa die ICE-Behörde, gegen deren Aktionen sich Patterson seit geraumer Zeit engagiert – und die ihn auch auf "Security" ziemlich auf die Palme bringen dürfte. Und plötzlich genügen ein zwar leidlich stumpfer, aber umso saftigerer Stakkato-Beat und ein scharf zulangendes Killer-Riff, um "Crimewave" zu einem moussierenden Knüller zu machen, der Ohnmacht gegenüber staatlich autorisierter Übergriffigkeit in lautstarke, ohrwurmige Wut umwandelt. Schon industrieller geht es im ähnlich angestochenen "Plowjob" zu, wo Pattersons treue Drum-Machine Mother mal wieder ausgiebig zum Zuge kommt. Und auch beim zweckmäßig reduzierten, schlanken New Wave von "Disharmonizer" oder im gotisch schlürfenden Titelstück sorgt die blecherne Kollegin für genau die düstere Dynamik, die Fotocrime zuletzt ein wenig abging.

Doch trotz dieser Schwarzlicht-Momente bleibt "Security" ein rechtschaffen aufgebrachtes Rock'n'Roll-Bösewerk, zu dem unter anderem Suicidal-Tendencies-Drummer Jay Weinberg und die komplette Sumac-Mannschaft einiges an Wucht beitragen. Aus dem "Verprügel mich sanft", das sich Kollege Heinecker einst ausbat, wird freilich auch hier nichts: Zu weit aufgerissen blöken die Leads und prengelt der Bass im trügerisch betitelten "Cautious", und der satt einrastende Monster-Groover "Unthinkable" könnte glatt aus der Starkstrom-Batterie von Black Rebel Motorcycle Clubs "Baby 81" stammen, würde Barney Greenway von Napalm Death nicht so eindrücklich die zweite Stimme growlen. Erst ganz zum Schluss kommt "Security" scheinbar zur Ruhe – aber tiefschwebende Synth-Wolken und gedrosseltes Tempo beschwichtigen allenfalls vorübergehend: "When I sleep my camera’s watching / It doesn’t keep me less afraid." Und jetzt bitte nichts sagen. Nur verängstigt gucken. Den Rest regelt dieses herrlich schlecht gelaunte Album.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Crimewave
  • Plowjob
  • Unthinkable
  • Cautious

Tracklist

  1. Crimewave
  2. Plowjob
  3. Shockwave
  4. Unthinkable
  5. Disharmonizer
  6. Intimidation
  7. Dreamstate
  8. Cautious
  9. Grifter
  10. Security

Gesamtspielzeit: 32:06 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

MasterOfDisaster69

Postings: 1052

Registriert seit 19.05.2014

2026-03-31 00:43:13 Uhr
nicht nur bei Unthinkable sind eindeutig Killing Joke und Prong herauszuhoeren, aber hoere mir lieber die Originale an.

Stulle

Postings: 20

Registriert seit 12.01.2023

2026-03-25 23:23:20 Uhr
Ansonsten fand ich das Zeug von Fotocrime (abgesehen von der ersten) immer etwas langweilig generisch. Mal sehen, wie das neue so ist.

Stulle

Postings: 20

Registriert seit 12.01.2023

2026-03-25 23:21:07 Uhr
Übrigens haben Red Lorry Yellow Lorry ein neues Album. Grad erst entdeckt - muss wohl Ende 25 raus gewesen sein.
Passt das?
Ordnete ich auch immer als Dark Garagen Rock'n'Roll oder eben "Rock'n'Roll-Bösewerk" ein.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30443

Registriert seit 08.01.2012

2026-03-25 20:37:41 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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