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Deutsche Laichen - Punk ist scheiße, Punk ist geil

Deutsche Laichen- Punk ist scheiße, Punk ist geil

Pretty On The Inside / Audiolith / Broken Silence
VÖ: 06.03.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Die Haare ab

Was ist eigentlich Punk? Also abgesehen von den beiden Optionen, die sich am Titel des zweiten Longplayers von Deutsche Laichen ablesen lassen? In die Blumen kotzen? Arschlecken und Rasur? Oder, wie Eddie Argos einst in "St. Pauli" wusste: nicht tot? Wahrscheinlich alles auf einmal – und sogar ein Hase mit voluminösem Stachelhalsband und eine kieksige Klavierballade sind erlaubt. Als solche inszenieren Deutsche Laichen nämlich ausgerechnet das Quasi-Titelstück dieses Albums und johlen über "Dauersaufen, Phrasen dreschen, Leuten auf die Schuhe brechen" – auch eine Möglichkeit. Die bange Frage "Ist unsere Zeit jetzt vorbei / Nostalgie und Geschrei?" scheint hingegen pure Selbstironie zu sein, denn dieser ebenso kurze wie bildhübsche Raumteiler markiert lediglich ein Durchschnaufen innerhalb einer illustren halben Stunde Gezeter, Gelärme und Gepolter. Liest sich handelsüblich, hat aber wie das selbstbetitelte Debüt weitaus mehr zu bieten als das Standardmuster aus dem Baukasten für angepisste Riot-Perrrsonen.

Erst recht, seit Deutsche Laichen auf einem queer-feministischen Label veröffentlichen und ihren Wohnsitz nach Berlin verlegt haben. Merke: lieber Ökopornobrillenschlampen in Prenzlauer Berg als "Emanzenlesbenschlampe" in Göttingen. Zwar raspelt sich Frontperson Krätze auch auf "Punk ist scheiße, Punk ist geil" immer noch oft genug die Kehle blutig, dennoch bleibt deutlich mehr Platz für gekippte Introspektion der Sorte "Wenn Gesichter verschwimmen und Worte zerfallen / Dann entsteht eine Stimmung zwischen den Zeilen", mit welcher der formidable Heiß-kalt-Opener "Beton" die erste emotionale Duftmarke setzt. Die nächste folgt, wenn der frenetische Pop-Punker "Zelle" Community und Zusammenhalt beschwört oder das mit subtilen Licks anhebende "Frisur" schüchterne Anbahnungsversuche in der FLINTA-Bar mit ungewohnt schaumgebremster Gitarren-Heizung befeuert. Und eine schönere Liebeserklärung als "In dieser Kleinstadt / Rasierst Du mir / Rasier ich Dir / Die Haare ab" wird's heute ohnehin nicht mehr geben.

Ehrensache, dass Deutsche Laichen die charmante Piano-Albernheit in Albummitte mit den teufelnden Brechern "Rotmarkiert" und "Storno" flankieren, die allen infektiösen Abfall der Welt über nationalistische Frechheiten, einengende Beziehungen und toxische Männlichkeit auskippen. Sowohl die zusehends variable, wiewohl stets gemarterte Stimme als auch die tief im Schlamm der Existenz wühlenden Gitarren erinnern dabei immer mehr an die Unerbittlichkeit von Bands wie Friends Of Gas oder Gewalt als an spontane Krach-Happenings im AJZ nebenan, wo ständig jemand "Mein Friend steht auf der Bühne, vor mir steht ein Hüne" kreischt. Zum Glück folgt auf das schmerzlich flehende "Schmutzig" im "Hotel Heartbeat" direkt die kalte Dusche zu einem kleinen, vermutlich auf den Knochen von Barney Geröllheimer eingerumpelten The-B-52's-Klopfer. Beinahe schon versöhnlich – bis es gegen Ende heißt: "Wir widersprechen Deiner Ignoranz / Damit Du sie Dir nicht leisten kannst." Ganz schön scheiße, ganz schön geil.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Beton
  • Frisur
  • Schmutzig
  • Hotel Heartbeat

Tracklist

  1. Beton
  2. Sturm
  3. Zelle
  4. Frisur
  5. Rotmarkiert
  6. Punk ist scheiße
  7. Storno
  8. Schmutzig (feat. Irem Kara)
  9. Hotel Heartbeat
  10. Schnauze (feat. Allapopp)
  11. Tough love

Gesamtspielzeit: 30:36 min.

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Armin

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2026-03-25 20:37:02 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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