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Courtney Barnett - Creature of habit

Courtney Barnett- Creature of habit

Fiction
VÖ: 27.03.2026

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Die Wüste hadert

"Feels like I'm going backwards / Each day I preach my practice / And still it seems I wasn't ready for this." Courtney Barnett hadert mit sich, die Prozesse hinter ihrem Schaffen sind für die Künstlerin selbst oft ein Rätsel. "Stay in your lane", der Opener ihres fünften Albums "Creature of habit", sei als eine Art Prokrastinationsübung entstanden, weil sie einen anderen Song nicht fertigstellen konnte. "There's blood on my favourite T-shirt / I don't know if this is working" – dabei funktioniert es wunderbar, wie der Track mit stark verzerrtem Bass und stoischem Beat den Frust einfach wegpoltert. Es ist ein bisschen ironisch: Beschäftigte sich das im Corona-Lockdown entstandene "Things take time, take time" noch mit den Auswirkungen der erzwungenen Isolation, hat Barnett eine solche diesmal freiwillig gesucht. Im Vorfeld von "Creature of habit" verzog sie sich in die kalifornische Wüste und fand eine ungewöhnliche Inspirationsquelle in der Malerin Georgia O'Keeffe. Herausgekommen sind zehn wieder einmal meisterhafte Indie-Rock-Stücke, die Schreibblockaden nicht einfach einreißen, sondern die Bruchstücke mit Energie und Witz weiterverarbeiten.

Von Ärger ist an der musikalischen Oberfläche allerdings wenig zu spüren. Der Ton ist erneut von der "lakonischen Melancholie" geprägt, die Kollege Heinecker dem Vorgänger treffend attestiert hat. Die Songs der Australierin buhlen nie um Aufmerksamkeit, sondern bleiben aufgrund ihrer unmittelbaren Wirkkraft und der klugen, aber nie unnahbaren Lyrics haften. "I know we've fallen outta touch / And I don't know how to tell you that", beschreibt Barnett eine sich auflösende Beziehung im bemerkenswert schönen "Wonder", das mit seinem akustischen und elektrischen Gejangle etwas an die Pop-Seite von The Cure erinnert. Vermittelt der Track trotz des Themas einen leichten, frühlingshaften Vibe, muss sich "Mostly patient" zumindest dreieinhalb Minuten lang ganz der Niedergeschlagenheit ergeben. Dazwischen holt "Site unseen" Waxahatchee als Duettpartnerin an Bord, um sich mit dezentem Country-Einschlag gemeinsam der Unentschlossenheit zu stellen.

Einen unkreditierten und überraschenden Gast fährt "One thing at a time" in Form von Red-Hot-Chili-Peppers-Bassist Flea auf – doch der Star bleibt ganz klar Barnett, die versichert, "ready for a change" zu sein, und psychedelische Hooks in einen zweiminütigen Instrumentalpart samt endlosem Slacker-Solo im Geiste von Pavement und Co. überführt. Der Song ist der erste Teil eines zentral platzierten Trios, das nicht nur die Laufzeiten hochschraubt. "Mantis" bildet das emotionale Kernstück der Platte – ein unheimlich intensiver Roadtrip von Song, in dem Barnett aus einer Gottesanbeterin ein Symbol für was auch immer machen will und kryptische, aber sinnlich nachvollziehbare Worte für Sehnsüchte und Verlorensein findet: "Gimme midnight love again / Feeling somewhat alien / I'm floating aimless / But got my feet concreted." Das von Achtziger-Gitarren umgarnte "Sugar plum" bekommt in der zweiten Hälfte einen kleinen Adrenalinschub, nachdem es zuvor den Alltags-Struggle mit unverkennbarer trockener Poesie erfasst hat: "You're either drowning in the deepest sea / Or drowning in the kitchen sink / Either way it all feels like drowning."

Im letzten Drittel schüttelt sich "Creature of habit" das Gewicht allerdings wieder aus dem Fell und tollt unbeschwert herum. Zwischen Glitzervorhängen aus Synths und knorrigen Post-Punk-Riffs spannt "Same" seinen wundervollen Pop-Refrain auf. Aus dem garagigen "Great advice" trieft der Sarkasmus, wenn Barnett unnützen Lebensratschlägen eine Absage erteilt: "I need your opinion like a needle in the eye" – wir fühlen uns mal nicht angesprochen. Der Titel des Closers "Another beautiful day" könnte in diesen Zusammenhang auch schnell ironisch verstanden werden, doch besingt Barnett hier zwischen vervielfachten Vocal-Tracks und verspielten Gitarrenbewegungen den Wunsch, die Zeit mit geliebten Menschen in die Ewigkeit zu erstrecken: "Reborn every morning / Still somehow getting older / Melting, wish we'd thought to bring / Something to bottle up this moment." Das mit der Isolation kann nun mal auch keine Dauerlösung sein.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • Wonder
  • One thing at a time
  • Mantis
  • Same

Tracklist

  1. Stay in your lane
  2. Wonder
  3. Site unseen (feat. Waxahatchee)
  4. Mostly patient
  5. One thing at a time
  6. Mantis
  7. Sugar plum
  8. Same
  9. Great advice
  10. Another beautiful day

Gesamtspielzeit: 38:43 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

bender

Postings: 227

Registriert seit 03.04.2020

2026-04-06 09:22:58 Uhr
Locker trifft es gut, langweilig nicht. Hat einfach einen guten Flow. Für mich besser als ihr letztes. Startet aber erst so richtig mit One Thing at a Time, und endet toll mit Another Beautiful Day (meine beiden Favoriten).

Kojiro

Postings: 5028

Registriert seit 26.12.2018

2026-04-01 18:45:04 Uhr
Wie großartig Sugar Plum ist. Toller Song.

AliBlaBla

Postings: 11457

Registriert seit 28.06.2020

2026-03-31 12:50:41 Uhr
Ich würde da mit Kojiro gehen, cool, auch angenehm, ein paar Ausbrüche hätten nicht geschadet. Aber wie beim letzten, ..., mal sehen, wie es wächst.
Und live finde ich das saugeil.

Kojiro

Postings: 5028

Registriert seit 26.12.2018

2026-03-31 08:21:48 Uhr
Finde das Album nach mehrmaligem Hören eigentlich ganz cool. Hat einen recht lockeren, fast sommerlichen Vibe streckenweise. Könnte zwar gerne häufiger etwas kraftvoller und lauter sein, aber durchaus sehr solide.

kingsuede

Postings: 5324

Registriert seit 15.05.2013

2026-03-28 12:39:11 Uhr
Das letzte Album fand ich nach wiederholtem Hören im Zuge der Alben 2020-24 sehr gut, das neue gibt mir nicht sonderlich viel. Muss jetzt aber The Twilight Sad hören.
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